Spore - Wilde Kreaturen
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 04.10.2008
Die Evolution - von der Ur-Suppe zum komplexen Lebewesen, und
nur der Stärkste überlebt. Und Gott spielen, das können wir
ja alle besonders gut. Da ist es kaum verwunderlich, dass der
Meister der Lebenssimulationen, Will Wright himself, sich dem
Thema angenommen hat und uns mit Spore direkt an den Anfang
der Evolution schickt. Auch für den Nintendo DS erscheint der
Evolutionsbaukasten - ideal, könnte man fast sagen. Aber ist
es das wirklich...?
Der stärkste fliegt...
Spore: Wilde Kreaturen ist nämlich nicht das, was man hinter einer Umsetzung des innovativen Konzeptes für den DS vermuten würde. Vielmehr haben wir es hier mit einem Action Adventure mit Baukasten zu tun.
Aber fangen wir 'mal ganz ruhig an und gehen der Reihe nach das Spiel durch. Am Anfang, oder eher "nach dem Anfang", finden wir uns in einem Ei in einem See wieder. Kurz darauf fliegt eine Art Raumschiff über uns und zerstört diverse unserer Ei-ngelagerten Nachbarn. Nur wir und unser Freund, klein Oogie, entkommen rechtzeitig an Land und entkommen so unserem Schicksal. Relativ planlos wandern wir dann, als kleine, wandelnde Bohne, umher. Kurz nachdem uns unser Freund darauf aufmerksam gemacht hat, dass, warum auch immer, überall Körperteile für uns herumliegen, evolutionieren wir uns bereits das erste mal. Und zwar in unserem Nest.
Im Nest selbst können wir unsere Farbe, unsere Größe und eben unsere verschiedenen Körperteile anbringen - Augen, Mäuler, Beine, Arme, Schwänze, Torsos und Schuppen. Allerdings ist unser aussehen komplett auf ein reptilienartige Teile beschränkt.

Gut, wir haben uns also "evolutioniert" - das heißt im Prinzip, wir haben einige verfügbare Teile irgendwo irgendwie beliebig an unseren Torso geheftet. Eine wirkliche "Anordnungsweise" gibt es nämlich nicht, wir können jedes Teil überall an unseren Körper anbringen - sogar mehrere einer Sorte, also zum Beispiel 3 verschiedene Münder, oder vier Beinpaare. Je nach dem wie hoch unsere "Kraft" ist, denn jedes Körperteil wiegt entsprechend viel, und wenn unsere Kraft voll ausgeschöpft ist, können wir keine Körperteile mehr anbringen. Unsere Größe können wir frei verändern, sowie auch der Winkel und die Farbe unserer Körperteile - die Farbe allerdings nur pauschal für unseren ganzen Körper.
Jedenfalls wird, genau nachdem wir unsere ersten Schritte gemacht haben, und auch die ersten Wesen in dieser Welt kennen gelernt haben - vielleicht auch schon unseren ersten Kampf bestritten haben (darauf kommen wir später noch einmal), wird klein Oogie entführt, und zwar genau von der fliegenden Untertasse, die uns ursprünglich auslöschen wollte. Und es liegt, natürlich, an uns, unseren Freund zu retten.
Doch dazu müssen wir ihn erst einmal finden. Und so schleimen wir uns noch etwas bei den lokalen Kreaturen ein, um dann einen Tunnel nach dem anderen freigelegt zu bekommen.
Zwischendurch bekommen wir auch wieder neue Teile, die uns in bestimmten Situationen helfen können - zum Beispiel ein paar Beine, dass uns den Schaden auf stachligem Waldboden erspart, oder uns während eines Kampfes eine Spezialattacke (Feueratem oder Heilung) ermöglicht. Wir können uns übrigens jeder Zeit neu zusammensetzen, wir müssen nur zu einem von uns eingenommenen Nest gehen.
Das umschreibt leider schon sehr gut, was der Hauptinhalt des Spieles ist - wir rennen in der, übrigens komplett in 3D gehaltenen, Spielwelt umher, lernen neue Kreaturen kennen, erledigen für diese ein paar Gefälligkeiten, um von ihnen neue Körperteile zu bekommen oder neue Wege offen zu legen, kämpfen dann mit ein paar feindlich gesinnten Kreaturen, und setzen uns nach belieben neu zusammen.

Evolution der
Partnerschaften
Das Kennenlernen der Kreaturen verspricht allerdings etwas mehr Abwechslung. Generell müssen uns die Kreaturen in ihrer Gegenwart dulden - das heißt, es darf, wenn wir in der Nähe sind, kein rotes ! über ihrem Kopf auftauchen. Ist dieses gegeben, können wir einen "Laut" geben, der allerdings im Spiel nur aus einem rascheln besteht. Antwortet die Kreatur auf diesen Laut mit ihrem eigenen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wir bekommen einen Smiley, oder eine Blume. Der Smiley ist die längere, aber besonders im späteren Spiel wesentlich einfachere Methode, die Freundschaft des Wesens zu er heucheln: Knuddeln. Der Smiley steigt von der Kreatur auf, wir müssen ihn erwischen und über uns und den Körper des zur Freundschaft auserkorenen Wesens reiben - bis er verschwindet. Insgesamt 3 Smileys bekommen wir, dann müssen wir erneut "Laut geben".
Kommt die Blume, steht uns ein Musikminispiel bevor. Nachdem wir die Blume auf das Wesen zurückgezogen haben, will es mit uns Tanzen. Der Tanz sieht folgendermaßen aus: wir haben vier Blumen, und einen Ausgangspunkt. Vom Ausgangspunkt (in der Mitte des unteren Bildschirms, die vier Blumen sind im Halbkreis darum verteilt) aus gehen blinkende Punkte, die beim erreichen der Mitte der Blumen gedrückt werden müssen - ähnlich wie bei Elite Beat Agents. Wo wir am Anfang noch alles ganz gut hin bekommen dürften, wird dieses Tanzspiel im späteren Verlauf des Spieles zum Fluch, denn die Punkte werden später so unglaublich schnell und wechseln viel zu häufig zwischen den einzelnen Blumenpunkten hin und her.
Die andere Möglichkeit, an praktisch die selben Vorteile einer Freundschaft zu kommen, ist natürlich, die Kreaturen gleich über den Jordan zu schicken, in einem Kampf. Geht der Kampf los, wird um uns herum eine Art Arena aufgezogen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Gekämpft wird, indem wir den Touchpen über unseren Gegner ziehen - ähnlich dem Kampfsystem in Ninja Gaiden - Dragon Sword. Je nach eingebautem "Körperteil" hat unsere Kreatur noch Spezialfähigkeiten, wie Feueratem, Konfusion oder Heilung. Die können wir während eines Kampfes einsetzen, allerdings geht dies auf Kosten unserer EP(Energiepunkte, nicht zu verwechseln mit GP - Gesundheitspunkten). Besiegen wir eine Kreatur, fällt meist ein neues Körperteil für uns ab, und Fleisch, als Nahrung. Denn Nahrung brauchen wir, um unsere verlorenen GP wieder zu regenerieren.
Hier muss allerdings beachtet werden, dass unser Evolutionsbaukastenprodukt verschiedene Arten von Futter zu sich nehmen kann, je nach dem, welches Maul er hat. Hat er ein Allesfresser - Maul, können wir ganz ungeniert alles fressen, wie der Name schon sagt, heißt also Früchte und Fleisch. Haben wir ein Pflanzenfressermaul, dürfen wir nur Früchte fressen, andernfalls wirkt sich das fressen genau im Gegenteil aus - wir verlieren Energie. Gleiches gilt natürlich für das Fleischfressermaul. Das klingt kompliziert, aber durch die Möglichkeit, so viele Mäuler wie es geht an seinen Körper - auch überlappend - zu heften, dürfte niemand in das Bedrängnis kommen, jemals einen Vegetarier oder puren Fleischfresser zu haben.

Im späteren Verlauf des Spieles kommt noch eine weitere Besonderheit dazu: die "Seuche". Ausgesetzt vom Captain des schon mehrfach erwähnten Raumschiffes, zwingt es auf mehreren Planeten diverse Kreaturen zu Mutationen - da er anscheinend uns Konkurrenz machen möchte und selbst eigene Kreationen aus verschiedenen Kreaturen erschaffen möchte. Um diese Mutationsseuche zu bekämpfen, müssen wir uns entweder mit den Besitzern des Nestes richtig gut anfreunden, oder eben alle Bekämpfen, um dann deren Nest zu übernehmen. In jedem Fall erkennen wir verseuchte Nester daran, dass sowohl an den Nestern als auch an den Tierchen selbst schwarze Tentakeln sprießen.
Ach ja. Wenn wir während eines Kampfes unsere gesamten GP verlieren, also kurz gesagt sterben, kommen wir, genau so wie wir die Welt verlassen haben, wieder beim Nest raus.
Das Ding mit den Teilen
Ja, mit Sicherheit haben wir uns bestimmt zu wenig mit dem beschäftigt, was Spore ausmacht - die Evolution. Nur leider gibt es die im Spiel nun mal nicht. Wir bekommen zwar massenhaft Teile geschenkt, aber nur wenige davon erfüllen überhaupt einen guten Zweck - meistens haben wir direkt ein paar Minuten später entweder ein besseres Teil, oder brauchen es einfach nicht. Denn Obwohl das Spiel an einigen stellen durchaus knifflig sein KANN, ist es insgesamt viel zu leicht. Ich könnte mit Sicherheit noch Seitenweise darüber erzählen, was alles im Spiel passiert, wie man sich entwickeln kann, welche Teile es gibt und welche Eigenschaften jedes Einzelne davon besitzt. Allerdings wäre das vertane Zeit, denn wer wenig Wert auf Ästhetik legt, klebt einfach alle starken Teile an seinen Torso, die er braucht, und läuft dann mit einer Kampfmaschine durch die Welt, die zwar aussieht wie eine zerquetschte Spinne auf der Autobahn, aber kämpft wie Herkules auf Red Bull.
Daher ist auch der Schwierigkeitsgrad viel zu niedrig, denn die Entwickler haben es leider versäumt, diverse Schranken in das Spiel einzubauen. Natürlich, ein Spiel, dass völlige Freiheit beim erschaffen unserer Figur garantieren will, sollte keine wirklichen Schranken haben, aber wenn die Freiheit den Spielspaß und nahezu das gesamte Konzept des Spieles zerstört, sollte man überlegen, was wichtiger ist. In Fact, der ach so schwer zu erreichende Endgegner wird mit der volle-Kraft-Kombo innerhalb von wenigen Sekunden zu Boden gebracht. Erst recht, wenn wir noch Hilfe von anderen Kreaturen bekommen, denn wenn wir innige Freundschaft mit ihnen geschlossen haben, folgen und Kämpfen sie mit uns. Und einen zweiten Schwierigkeitsgrad gibt es ebenfalls nicht, man muss sich das Spiel also ebenfalls selbst "so zusammenstellen, wie man möchte". Und wer macht sich selbst schon gerne das Leben schwer?
Zu allem Überfluss hat Maxis auch noch ein Level-System eingebaut, mit dem unsere Kreatur auch noch immer stärker und widerstandsfähiger wird, sodass am Ende überhaupt keine Herausforderung mehr im Spiel besteht.

Durch die einfache Tatsache, dass alle Ziele durch "Gewalt" zu erreichen sind, geht auch noch eine der letzten Herausforderungen verloren. Gut, mit einigen Kreaturenstämmen müssen wir Freundschaft schließen, das erledigen wir aber meistens durch andere Dinge als knuddeln oder tanzen. Es geht wesentlich schneller, die zu "reinigenden Nester" einfach von ihren Besetzern zu befreien, als lange und umständlich mit ihnen Freundschaft zu schließen. Zwar können dadurch ab und an einige Missionen scheitern, dies sind allerdings nur Sekundärmissionen, die uns nicht an unserem Vorankommen hindern, und weniger noch unsere Entwicklung beeinträchtigen. Ich habe ein ganzes Spiel nur "drauf gehauen", und trotzdem am Ende "Level 30" erreicht, den höchsten Level im Spiel. Durch diese blanke Einfachheit ist das Spiel leider innerhalb von 3-4 Stunden komplett durchgespielt, und aufgrund des total linearen Aufbaus und des ernüchternden Szenarios hat es nahezu keinen Wiederspielwert.
Papier-2D trifft 3D
Gut, kommen wir nun zu der technischen Seite des Spieles. Und grafisch gesehen stehen wir hier wieder auf zwei verschiedenen Paar Schuhen. Denn einerseits ist die Spielwelt komplett in 3D gehalten, und teilweise wirklich sehr Detailverliebt designt, andererseits sind unsere, und alle anderen Kreaturen in der Spiel hässliche Scherenschnitte in 2D - erinnert etwas an Paper Mario, sieht aber längst nicht so gut aus. Abgesehen davon, dass alle Körperteile anscheinend wackeln können wie sie wollen, sind die Bewegungsanimationen kein bisschen den tatsächlichen Bewegungen angepasst.
Ein anderer Kritikpunkt der Grafik ist der Kamerawinkel. Denn die meiste Zeit haben wir unsere Figur so vor der Linse, dass sie den gesamten Bildschirm ausfüllt, was das Nutzen der Karte auf dem oberen Bildschirm unabdingbar macht - wenn diese nicht so übermäßig verwirrend und unübersichtlich gemacht wäre.
Ähnlich dürftig ist der Sound gestaltet. Nur ein paar Hintergrundlieder gibt es, und die ändern sich nur je nach Welt bzw. Kontinent einmal. Der Rest des Sounds ist... seltsam bis abartig, denn die Kreaturen geben sehr seltsame Laute von sich, die dann auch noch immer mehrmals hintereinander kommen. Aber immerhin bestehen die Hintergrundlieder nicht aus nervigen Midi Dateien, sondern haben immerhin echten Stereo-Sound und einigermaßen Qualität. Aber was bringt die Qualität der Ausgabe, wenn das Ausgegebene nicht wirklich überzeugen kann?
Ein Lichtblick ist teilweise die Steuerung im Spiel. Das gesamte Spiel wird per Touchscreen und Stylus gesteuert, und das funktioniert auch wunderbar. Auch wenn die Steuerung bei den Buttons, zum Beispiel im Nest, etwas genauer sein könnte. Alles andere an der Steuerung ist solide, es funktioniert gut. Das war es dann aber auch.
Zum Schluss gehen wir dann noch einmal zum Multiplayer über. Ja, Spore hat tatsächlich einen Multiplayer, und der ist sogar onlinefähig. Allerdings... nun ja. Dieser "Online Modus" beschränkt sich auf das Tauschen von Kreaturen mit anderen Spore-Spielern - erinnern wir uns an unsere überfahrene Spinne. Wer also Langeweile hat, kann ruhig mal ein paar nette Kreaturen basteln, aber wirklich lange halten wird sich dieses Tauschprogramm wahrscheinlich nicht.
Aljoscha Reuther meint...
Spore war wahrscheinlich der größte Hype, den es bisher gegeben hat, legten EA und Maxis doch bereits vor 2 Jahren die ersten Infos ins Nest. Niemand konnte das Spiel erwarten, und was dabei raus gekommen ist, ist wahrlich enttäuschend - und ich spreche von der DS Version. So viel verschenktes Potenzial habe ich dieses Jahr noch nirgends gesehen, und das Jahr ist fast zu Ende... schade. Und mit Evolution hat das ganze mal überhaupt nichts zu tun, und darum sollte es in Spore doch gehen, oder?
Spore war wahrscheinlich der größte Hype, den es bisher gegeben hat, legten EA und Maxis doch bereits vor 2 Jahren die ersten Infos ins Nest. Niemand konnte das Spiel erwarten, und was dabei raus gekommen ist, ist wahrlich enttäuschend - und ich spreche von der DS Version. So viel verschenktes Potenzial habe ich dieses Jahr noch nirgends gesehen, und das Jahr ist fast zu Ende... schade. Und mit Evolution hat das ganze mal überhaupt nichts zu tun, und darum sollte es in Spore doch gehen, oder?

GRAFIK
Für den DS recht gut, allerdings nicht überragend. Die Kreaturen sind in jedem möglichen Fall hässlich.
Für den DS recht gut, allerdings nicht überragend. Die Kreaturen sind in jedem möglichen Fall hässlich.

SOUND
Seltsame Laute, die unsere Viecher da von sich geben.
Seltsame Laute, die unsere Viecher da von sich geben.

BEDIENUNG
Es funktioniert. Nichts besonderes.
Es funktioniert. Nichts besonderes.

UMFANG
Eine recht langweilige Story, in der wir immer das Selbe machem müssen, gepaart mit einem enttäuschenden Multiplayer.
Eine recht langweilige Story, in der wir immer das Selbe machem müssen, gepaart mit einem enttäuschenden Multiplayer.
SPIELSPASS
Wird dem Hype nicht gerecht
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Wird dem Hype nicht gerecht
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel