Sonic Chronicles: Die Dunkle Bruderschaft
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 27.09.2008
Wer in der Videospielbranche ein richtiges Maskottchen sein will, der muss auf Dauer mehr können, als durch die Gegend zu hüpfen. Was schon Super Mario erfahren musste, wird nun auch für Segas blauen Igel Sonic Realität. Dieser wird nun nämlich nicht nur mit einer dunklen Bruderschaft, sondern gleichzeitig auch mit seinem ersten Rollenspiel konfrontiert.
Geschichte nach Wunsch
Der Spieler wird mitten in einen Endkampf zwischen Sonic und dessen Erzfeind Eggman katapultiert. Die Bilder sind bunt und grell. Schließlich stürzt Eggman und die Welt schein gerettet. Schnitt. Ein Jahr später: zwölf Monate lang herrschte Frieden und Sonic reist durch diese idyllische Welt. Da erreicht ihn ein Notruf: sein Freund Knuckles wurde entführt und sonderbare Ereignisse erschüttern die Welt. Der blaue Igel rast natürlich sofort zu Rettung und stolpert dabei in bedeutende Ereignisse, die eigentlich schon vor 4000 Jahren ihren Anfang nahmen.
Die Geschichte beginnt also laut, bunt und mit einem angenehmen Tempo. In den folgenden 20 Spielstunden kommt dann aber recht langsam Licht ins Dunkel. Die Story kann nicht so fesseln, wie es ihr Anfang verspricht. Für Fans ist sie aber dennoch sehr interessant, vor allem da unzählige bekannte Charaktere aus dem Sonic-Universum darin ihren Auftritt bekommen.

Wer Sonics frühere Abenteuer nicht kennt, wird dagegen nur wenig von der Geschichte mitgerissen. Das war wohl auch den Entwicklern klar, die dieses Problem durch ein geschicktes Dialogsystem zu umgehen versucht haben. Neben Zwischensequenzen sind es nämlich vor allem Dialoge, die die Geschichte vorantreiben. Hier werden euch stets mehre Antwortmöglichkeiten geboten, wobei immer die Antwort markiert ist, die das Gespräch am schnellsten beendet. Fans sollten dieser Antwort also ausweichen, um möglichst viele Details der Geschichte zu erfahren.
Alle anderen können durch diese Antwort aber gerade Ausschweifungen umgehen, die für Langeweile sorgen könnten. Das Dialogsystem ist also eine gute Lösung, auch wenn sich daraus das neue Problem ergibt, dass nur noch eine sehr dünne Geschichte vermittelt wird. Und das ist bei einem Rollenspiel natürlich besonders schwerwiegend. Wer also kein Fan des blauen Igels ist und gleichzeitig Wert auf eine spannende Geschichte legt, sollte besser die Finger von „Sonic Chronicles“ lassen und sich lieber anderen Rollenspielen widmen.
Jeder Charakter zählt
Sonic-Fans bekommen bei diesem Rollenspiel viel geboten. Neben zahlreichen Charaktere tauchen nämlich auch jede Menge bekannte Orte aus der Serie auf. Diese erscheinen dabei aber in einem neuen bunten Gewand und erstrahlen in einer hübschen 3D-Grafik. Die Liebe zum Detail ist hier eindeutig erkennbar, genauso wie es auch bei den Charakteren der Fall ist. Schade ist nur, dass die hübsche Grafik nicht von einem passenden Sound begleitet wird. Die Musik ist nämlich recht langweilig geraten. Lieder aus früheren Sonic-Spielen, vielleicht sogar in neuer Form, hätten für eine noch dichtere Atmosphäre gesorgt.
Die Abschnitte sind alle umfangreich ausgefallen und bieten Platz für Erkundungen. Dabei wollen auch viele Rätsel gelöst werden. Manchmal reicht dafür schon das berühren einer bestimmten Person oder eines bestimmten Gegenstandes. Denn mit dem Stylus können leicht und komfortabel Aktionen ausgelöst werden. Tippt ihr auf eine Stelle, läuft Sonic dorthin. Tippt ihr auf eine Person, beginnt ein Gespräch. Und tippt ihr auf einen Gegenstand, sammelt ihr ihn ein oder löst eben eine Aktion aus, die neue Wege öffnen kann.

Bei anderen Rätseln sind die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Figuren gefragt. Anfangs noch alleine unterwegs, findet Sonic nämlich schnell Verbündete. Ihr könnt dann jeder Zeit zwischen den Charakteren wechseln und von ihrem Können profitieren. Große Objekte stellen somit kein Hindernis mehr dar, sobald ihr Amy Rose an eurer Seite habt. Diese Dame mag zwar zierlich aussehen, mit ihrem riesigen Hammer zerhaut sie aber selbst die größten Hindernisse in winzige Einzelteile. Jedes neue Mitglied bereichert also das Team und eröffnet neue Möglichkeiten und Wege.
Diese Rätsel sind allesamt nicht besonders schwierig. Richtige Kopfnüsse gibt es keine und fast immer ist offensichtlich, was zu tun ist. Dennoch sind die Rätsel ein wichtiges Element des Spiels. Sie lockern das Gameplay auf und sind vor allem eine Abwechslung zu dem, woraus das Spiel hauptsächlich besteht: den Kämpfen.
Komplexe Kämpfe: Erfahrung, Geschick und kleine Wesen
Kämpfe lauern an jeder Ecke. Schon von weitem seht ihr die noch harmlosen Gürteltiere oder gefährlichen Roboter durch die Spielwelt streifen. Ihr könnt versuchen ihnen auszuweichen oder euch mitten in den Kampf stürzen. Die Auseinandersetzung läuft dabei immer rundenbasiert ab. Ihr wählt die Aktionen der einzelnen Teammitglieder somit in aller Ruhe aus, die dann in der eigentlichen Runde Angriffe ausführen, Abwehrhaltungen einnehmen oder Gegenstände zur Heilung oder Kraftsteigerung einsetzen.

Das Kampfsystem ist dabei überraschend komplex ausgefallen. Es mag zwar Sonics erstes Rollenspiel sein, dennoch macht er keine halben Sachen. Neben den normalen Angriffen beherrscht jeder Charakter auch eine ganze Reihe Spezialattacken. Natürlich nicht von Anfang an – erst müssen Siege errungen und Erfahrungspunkte hart verdient werden. Levelaufstiege steigern dann nicht nur die Attribute der Kämpfer, sondern bringen auch Fähigkeitspunkte mit sich. Diese lassen sich dann in einen umfangreichen Fertigkeitsbaum investieren, wodurch die Charaktere die so genannten POWERaktionen erlernen. Einmal erlernt dürft ihr auch Punkte in deren Verbesserung stecken. Bei jeder POWERaktion könnend drei Stufen erreicht werden und mit jeder Stufe wird die Verwendung dieser Spezialattacken vernichtender.
Natürlich können die Kämpfer aber nicht nach Belieben mit den POWERaktionen um sich werfen. Allein schon, weil deren Einsatz POWERpunkte erfordert, die begrenzt sind und sich nur durch Verteidigungsphasen und Heilmittel wiederherstellen lassen. Außerdem erfordert der Einsatz Geschicklichkeit. Es erscheinen dabei nämlich Kreise, die kurz berührt, mehrmals angetippt oder verfolgt werden müssen. Das erinnert an Musikspiele wie „Elite Beat Agents“ und bringt neuen Schwung in die Kämpfe. Nur wer diese Geschicklichkeitsprüfungen meistert, kann die POWERaktionen mit voller Wucht auf seine Gegner schleudern.

Kein Wunder also, dass manche Feinde mitten im Kampf die Flucht ergreifen. Dann solltet ihr die Verfolgung aufnehmen, wobei ihr euren Feinden in einer 2D-Ansicht hinterher rennt und dabei auch noch über Hindernisse springen müsst. Holt ihr eure Feinde ein, geht der Kampf weiter. Wenn nicht, entgehen euch die Erfahrungspunkte. Ob die Verfolgung gelingt, hängt auch von der Geschwindigkeit der Charaktere ab. Diese zählt neben Angriff, Verteidigung und Glück zu den Attributen, die durch Levelaufstiege gesteigert werden.
Ein weiteres wichtiges Element des komplexen Kampfsystems sind Wesen, die Chao genannt werden. Diese kleinen Kreaturen schlüpfen aus gesammelten Eiern und können mit den Charakteren verbunden werden. Sobald ein Kämpfer mit einem Chao in Verbindung steht, profitiert er oder das ganze Team von den besonderen Fähigkeiten, die jedes dieser Wesen besitzt. So werden beispielsweise Angriffe effektiver oder es sinkt die Gefahr, dass die Kämpfer in einen Hinterhalt geraten. Die Chao-Wesen können sogar mit einem Freund getauscht werden. Das funktioniert allerdings nur offline. Das ist ein nettes Extra, auch wenn ein richtiger Mehrspieler-Modus interessanter gewesen wäre. Die Möglichkeit gemeinsam durch die Welt zu streifen und Seite an Seite Kämpfe zu bestreiten besteht nämlich nicht.
Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, Einfluss auf die Kämpfe und die Entwicklung der Charaktere zu nehmen. Das komplexe Kampfsystem wird sogar erfahrene Rollenspieler begeistern, die allerdings unter einem anderen Problem leiden müssen. Nicht nur die Rätsel, sondern auch die Kämpfe sind sehr einfach ausgefallen. Wer sich mit diesem Genre auskennt, wird das Ende des Spiels ohne Probleme erreichen und selten wirklich gefordert werden. Auch hier gilt also: Wer kein Sonic- sondern nur ein Rollenspiel-Fan ist, ist mit anderen Genre-Vertretern wohl besser bedient.
Sascha Geldermann meint...
„Die Dunkle Bruderschaft“ ist ein ordentliches Rollenspiel, das trotz seines überraschend komplexen Kampfsystems aber nur Sonic-Fans voll mitreißen kann. Zum einen begeistert die Geschichte nämlich nur Kenner der Franchise und zum anderen sind erfahrende Rollenspieler durch den geringen Schwierigkeitsgrad oftmals unterfordert.
„Die Dunkle Bruderschaft“ ist ein ordentliches Rollenspiel, das trotz seines überraschend komplexen Kampfsystems aber nur Sonic-Fans voll mitreißen kann. Zum einen begeistert die Geschichte nämlich nur Kenner der Franchise und zum anderen sind erfahrende Rollenspieler durch den geringen Schwierigkeitsgrad oftmals unterfordert.

GRAFIK
Die Grafik sieht hübsch aus.
Die Grafik sieht hübsch aus.

SOUND
Der Sound macht eine gute Figur.
Der Sound macht eine gute Figur.

BEDIENUNG
Eine komfortabele Steuerung sorgt für ein angenehmes Spielerlebnis.
Eine komfortabele Steuerung sorgt für ein angenehmes Spielerlebnis.

UMFANG
Zahlreiche Sonic-Charaktere haben ihren Weg in dieses Rollenspiel gefunden. Vermisst wird ein Mehrspieler-Modus.
Zahlreiche Sonic-Charaktere haben ihren Weg in dieses Rollenspiel gefunden. Vermisst wird ein Mehrspieler-Modus.
SPIELSPASS
Überraschend komplexes Rollenspiel mit der Sonic-Crew.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Überraschend komplexes Rollenspiel mit der Sonic-Crew.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel