The World Ends with You
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 31.07.2008
Stimmen. Ihr steht mitten im modernen Tokio und von überall strömen Stimmen auf euch ein. Ihr blickt auf eure Hand. Dort liegt ein Anstecker. Wo kommt er her? Hat er etwas damit zu tun? Euer Blick wandert wieder zu der Menschenmenge vor euch. Hört ihr etwa die Gedanken dieser Menschen? Eure Hand beginnt zu schmerzen. Auf ihr ist plötzlich ein Countdown erschienen, der unaufhaltsam abläuft. Euer Handy klingelt und eine Nachricht kommt an: „Erledige unsere Aufgaben vor Ablauf des Zeitlimits, oder deine Existenz wird augenblicklich ausgelöscht“.
Spiel um Leben und Tod
Der Beginn von „The World Ends with You“ ist verstörend. Ihr seid ein Jugendlicher auf einer belebten Kreuzung in Tokio. Ihr wisst nicht genau, wie ihr überhaupt hierher gekommen seid. Und ihr wisst nicht was hier vor sich geht. Etwas Licht kommt erst in die Sache, als ihr die 15-Jährige Neku trefft, die sich mit euch verbündet. Von diesem Mädchen erfahrt ihr, dass ihr unfreiwillig Teil eines perversen Spiels geworden seid, das von der mysteriösen Vereinigung der Reaper organisiert wird. Sie stellen die Aufgaben und sie haben die Macht eure Existenz bei einem Misserfolg einfach auszulöschen. Euch bleibt keine andere Wahl als mitzumachen. Zusammen mit Neku erlebt ihr in Tokio die absurdeste Woche eures Lebens.

Square Enix liefert mit „The World Ends with You” ein erstaunlich erfrischendes Rollenspiel ab. Anstatt eines mittelalterlichen Szenarios durchstreift ihr das moderne Tokio auf der Suche nach Antworten. Dementsprechend legt ihr auch keine Eisenhelme und Harnische als Rüstung an, sondern die Mode von heute. In einer Stadt wie Tokio müsst ihr dabei natürlich auch auf die richtigen Marken achten. Nur wenn eure Klamotten dem Trend des Stadtviertels entsprechen, profitiert ihr voll von deren Attributsteigerungen. Sture Individualisten können aber auch einfach ihre Lieblingsmarke tragen, um deren Ansehen langsam zu steigern, bis sie voll im Trend liegt.
Auch wenn die Zeit drängt, solltet ihr ab und zu eine Kleinigkeit essen. Alle Lebensmittel steigern nämlich kurzzeitig eure Attribute oder verbessern die Harmonie zwischen euch und eurer Partnerin Neku. Anders als bei Popeye und seinem Spinat entfalten diese Lebensmittel ihre Wirkung aber nicht sofort. Erst einmal müssen sie verdaut werden. Das geht am besten bei den anstrengenden Kämpfen, denen ihr euch immer wieder stellen müsst.
Doppelter Kampfstress
Immer wieder tauchen abgedrehte Kreaturen und Gestalten auf, die in Echtzeitkämpfen auf dem Touchscreen bezwungen werden müssen. Wer ein T-Shirt als Rüstung trägt, geht natürlich nicht mit einem Schwert auf seine Feinde zu. Als Waffen dienen, und das ist ein neuer Beweis für die unglaubliche Kreativität der Entwickler, einfache Anstecker. Diese sammelt ihr im Laufe des Abenteuers und bastelt euch daraus Decks. In den Kämpfen befinden sich die ausgewählten Anstecker dann am Bildschirmrand und können mit dem Stylus ausgewählt werden.
Alle Anstecker entfesseln starke Angriffe und Zauber auf eure Gegner - aber nur wenn ihr richtig mit ihnen umgeht. Bei machen Anstecken müssen die Gegner nur mit dem Stylus berührt werden. Bei anderen müsst ihr aber auch Kreisbewegungen machen, Linien ziehen oder sogar in das Mikrofon schreien. So viele unterschiedliche Gesten erfordern eine lange Eingewöhnungszeit. Der Anfang von „The World Ends with You“ gestaltet sich somit sehr schwierig. Vor allem, da das Geschehen auf dem Touchscreen nur das halbe Kampfsystem ausmacht.

Auf dem oberen Bildschirm kämpft nämlich gleichzeitig auch Neku gegen Gegner – und ihr müsst sie steuern! Das geschieht über das Steuerkreuz oder die Tasten. Im Grunde wird von euch gefordert, angezeigte Tastenkombinationen schnell und richtig einzugeben, damit eure Partnerin einen Angriff nach dem anderen auf die Gegner loslässt. Ihr kämpft also gleichzeitig mit dem Stylus auf dem Touchscreen und mit dem Steuerkreuz auf dem oberen Bildschirm. Anfängliche Überforderung ist dabei natürlich vorprogrammiert. Zum Glück gibt es aber eine Funktion für Anfänger, dank der Neku im Notfall auch eigenständig agiert. So habt ihr etwas Zeit, um euch an das ungewöhnliche Kampfsystem zu gewöhnen.
Die ersten Spielminuten bedeuten somit vor allem Stress für euch. Ihr solltet aber nicht entmutigt den Sytlus in die Ecke werfen, sondern euch lieber durchbeißen. Das Kampfsystem geht schneller in Fleisch und Blut über als gedacht. Und habt ihr das Geschehen erst einmal unter Kontrolle, werdet ihr den Entwicklern für so viel Mut und Kreativität danken. Die Kämpfe fühlen sich nämlich nicht nur frisch an, sie machen auch sehr viel Spaß. Das Kampfsystem bietet komplexe Möglichkeiten, die sich erst Stück für Stück entfalten. Mit der Zeit lernt ihr auch, wie wichtig die Zusammenarbeit mit eurer Partnerin ist. So spielt ihr durch Kombos eine grüne Energiekugel zwischen dem Touchscreen und dem oberen Bildschirm hin und her. Dadurch gewinnen die Attacken immer mehr an Kraft.
Ein Blick in Tokios Gedanken
So kämpf ihr euch durch Tokio und erhaltet immer mehr Antworten auf eure Fragen. Dabei verdient ihr immer wieder neue Anstecker und auch Erfahrungspunkte, durch die ihr Level aufsteigt. Eure Kraft wird also immer größer, genauso wie eure Möglichkeiten im Kampf. Doch natürlich dreht sich nicht das ganze Spiel um Kämpfe. Abwechslung wird groß geschrieben, sodass bei eurer Erkundungstour durch Tokio auch immer wieder raffinierte Rätsel auf euch warten.
Bei den Rätseln kommt meistens ein ganz besonderer Anstecker zum Einsatz, dank dem ihr die Gedanken anderer Menschen lesen könnt. Das ist nicht nur interessant, sondern auch äußerst hilfreich. Dadurch bringt ihr nämlich wichtige Informationen in Erfahrung, mit denen ihr oft Aufgaben der Reaper lösen könnt.

Besonders interessant wird die ganze Sache dadurch, dass ihr anderen Menschen bestimmte Gedanken in den Kopf pflanzen könnt. Damit greift ihr vergesslichen Bürgern Tokios unter die Arme, die sich plötzlich wieder an wichtige Vorhaben erinnern. Diese setzen sie dann auch gleich in die Tat um, was in der Regel neue Wege für euch öffnet.
Gerade für diese Gedankenrätsel sind aber unbedingt Englischkenntnisse nötig. Square Enix hat es nämlich nicht für nötig empfunden, Text und Sprachausgabe ins Deutsche zu übersetzen. Geringe Englischkenntnisse reichen aber aus, um das Spiel in vollen Zügen genießen zu können. Die Sprachbarriere sollte euch also nicht davon abhalten, euch in dieses außergewöhnliche Rollenspiel zu stürzen. Zumal die Spielanleitung ins Deutsche übersetzt wurde und viele Unklarheiten aus der Welt schaffen kann.
Bizarres Kunstwerk
Die unendliche Kreativität der Entwickler macht vor keinem Bereich des Spiels halt. Daher gestaltet sich selbst der Mehrspieler-Modus außergewöhnlich. Während ihr „The World Ends with You“ spielt, ist die Wi-Fi-Fähigkeit des Nintendo DS automatisch auf der Jagd nach anderen NDS-Geräten. Wird ein anderer Nintendo DS geortet, schreibt euch das Spiel Boni gut. Dabei ist es ganz egal, welches Game der andere NDS-Besitzer spielt. Sollte er aber zufällig auch „The World Ends with You“ in seinem Handheld stecken haben, könnt ihr sogar Kontakt zu ihm aufnehmen.

Ist das der Fall, können die Spieler Klamotten und Anstecker tauschen. Außerdem steht das Minispiel „Tin Pin Slummer“ zur Verfügung. Hierbei geht es im Grunde darum, mit euren Ansteckern die eures Gegners zu rammen. Dieses Minispiel ist recht einfach gestrickt, macht aber dennoch Spaß und ist damit ein unterhaltsames Extra.
„The World Ends with You“ überzeugt nicht nur in spielerischer Hinsicht, sondern setzt auch technisch neue Maßstäbe. Ein kunstvoller Comic-Stil unterstreicht das absurde Geschehen und erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. Vor allem die Charaktere und ihre butterweichen Animationen stechen dabei ins Auge. Noch mehr Lob verdient aber der Soundtrack. Wunderschöne Melodien mitsamt Gesang begleiten das Spiel mal rockig mal ruhig, aber immer passend. Grafik und Sound rahmen das Gameplay also perfekt ein und machen es zu einem bizarr bezaubernden Kunstwerk.
Sascha Geldermann meint...
„The World Ends with You“ ist ein absoluter Ausnahmetitel voller Ideen und Abwechslung. Szenario, Story, Rätsel – alles ist erfrischend anders. Das gilt auch für das großartige Kampfsystem, das einen nach einer längeren Eingewöhnungszeit gar nicht mehr loslässt. Wer über Englischkenntnisse verfügt, darf dieses überragende Rollenspiel nicht verpassen!
„The World Ends with You“ ist ein absoluter Ausnahmetitel voller Ideen und Abwechslung. Szenario, Story, Rätsel – alles ist erfrischend anders. Das gilt auch für das großartige Kampfsystem, das einen nach einer längeren Eingewöhnungszeit gar nicht mehr loslässt. Wer über Englischkenntnisse verfügt, darf dieses überragende Rollenspiel nicht verpassen!

GRAFIK
Die Grafik sieht super aus.
Die Grafik sieht super aus.

SOUND
Ein großartiger Soundtrack untermalt das Abenteuer.
Ein großartiger Soundtrack untermalt das Abenteuer.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert sehr gut.
Die Steuerung funktioniert sehr gut.

UMFANG
Hier wird ein umfangreiches Rollenspiel serviert.
Hier wird ein umfangreiches Rollenspiel serviert.
SPIELSPASS
Ungewöhnliches Rollenspiel mit erfrischendem Kampfsystem.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Ungewöhnliches Rollenspiel mit erfrischendem Kampfsystem.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel