Guitar Hero III
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 23.07.2008
Legenden der Rockgeschichte - nein, das ist nicht die neuste Dauerwerbesendung für irgendwelche CD Sets im Fernsehen, sondern der (noch) aktuelle Teil der Guitar Hero Serie, einem der wohl erfolgreichsten Musikspielfranchises der Welt. Nicht unerheblich dafür ist der Gitarren-Controller, einer kleinen Ausgabe einer E-Gitarre, mit Knöpfen anstatt Saiten. Und mit Teil 3 der Serie hat es der Gitarrenhimmel auch endlich auf die Wii geschafft - und sieht besser aus denn je!
I want Rock!
Nun, was kann man zu so einem Spiel schon sagen. Am besten erst einmal eine Beschreibung, was der Spieler, also wir, zum Rocken tun muss. Wie schon gesagt wird das Spiel mit dem Gitarren-Controller ausgeliefert, der extra für die Wii Version gefertigt wurde. Die Wii-Fernbedienung wird dabei in den Gitarrencontroller eingelegt und mit ihm Verbunden - die Pointerfunktion wird nicht benötigt.

Fortan wird das gesamte Spiel mit der Gitarre - am besten um den Hals gehängt - gespielt und bedient. Der Controller weist 5 Tasten am Gitarrenhals (Grün, Rot, Gelb, Blau und Orange), sowie einen "Anschlag" und ein Tremolo auf - das sind zumindest die Dinge die ihr zum Spielen benötigt. Zusätzlich gibt es noch zwei Knöpfe - einen + und einen - Knopf, die einfach die beiden Knöpfe auf der Wii-FB ersetzen.
Mit dem Anschlag (man kann ihn entweder nach oben oder nach unten bewegen) wird durch das Menü navigiert, mit Grün bestätigt oder mit Rot abgebrochen.
Das Menü umfasst sowohl die Karriere, als auch die Co-Op Karriere (für reiche Leute, denn hierfür braucht man einen zweiten Gitarren Controller), ein schnelles Spiel (jeder Song mit jedem Schwierigkeitsgrad spielbar), ein Tutorial, die Optionen (Lautstärke etc.) und die Nintendo WFC.
Was, WFC? Ja, genau, denn man kann mit Guitar Hero 3: Legends of Rock tatsächlich Online mit anderen Spielern um die Wette klimpern!
Doch zuerst zu etwas Anderem: wählen wir die Karriere aus, stehen uns weitere Punkte zur Verfügung: zum einen können wir unseren Avatar im Spiel auswählen (aber nicht selber zusammenstellen), können das Design unserer Gitarre ändern und neue Designs und Bonus-Songs für unser in der Karriere erspieltes Geld im Shop kaufen. Natürlich nur für Spielgeld.

Wenn wir die Karriere gestartet haben, sehen wir in Comicartigen (leicht animierten) Szenen ungefähr was passiert. Die Story um GH3 ist recht simpel, wir sind als Gitarrist in einer kleinen Garagenband, die natürlich zum obersten Stern des Rockhimmels aufsteigt. Um das zu erreichen, müssen wir verschiedene Auftritte meistern, und jeweils 3 von 4 verfügbaren Songs "durchspielen". Durchspielen heißt dabei nichts weiter, als den Song von Anfang bis Ende zu Spielen - egal wie viele Fehler wir machen, wir dürfen nur nicht "verlieren". Je besser unser Auftritt war (also je weniger Fehler und je mehr Punkte wir kassieren), desto mehr Geld bekommen wir am Ende und können uns (in erster Linie) neue Songs kaufen.
Ist der letzte Song dann geschafft, erwartet uns meistens eine Zugabe, was einen weiteren Song freischaltet. Nach dieser Zugabe bekommen wir einen neuen Vertrag, mehr Geld, und der nächste "Level", bzw. das nächste Konzert, wird freigeschaltet. Ohne viel vorweg zu nehmen werden die Songs nur bedingt schwerer, natürlich ist "Slow Ride" von Foghat um einiges Einfacher als "Raining Blood" von Slayer. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Lieder, die im Gegensatz zu den anderen im aktuellen Konzert sehr einfach gehalten sind - aber das kann natürlich auch Geschmackssache sein.
Mehrmals wird es im Spiel auch vorkommen, dass ihr gegen eine berühmte Rockpersönlichkeit, wie Tom Morello oder Slash, im Guitar-Battle antreten müsst. In diesem Teil des Spieles geht es nicht nur darum, möglichst viele Punkte zu sammeln und so viele Noten wie möglich zu treffen, sondern eher darum, den Gegner zum aufgeben zu "zwingen". Bewerkstelligen können wir dies, indem wir im Spiel Power-Ups sammeln (z.B. gerissene Saite, Verstärkerüberlastung oder Tremolo), und diese dann zu unserem Gegner herüber schleudern - vorzugsweise wenn er gerade am Spielen ist und dadurch seine "Rock"-Anzeige sinkt.
Die "Rock"-Anzeige ist der Punkt, der euch im gesamten Spiel "verlieren" lässt, wenn sie zu tief sinkt. Wenn wir zu viele Noten falsch spielen, bzw. zu viele von ihnen verfehlen, sinkt die Anzeige mehr und mehr. Fällt sie auf 0, ist der Auftritt gescheitert.

Von Santana bis Metallica
Natürlich spielt auch das Punktesammeln eine große Rolle, besonders in den Onlinerankings. Die Punkte erreicht ihr natürlich durch das möglichst fehlerfreie Spielen von Musiktiteln, aber auch, indem die "Star Power" eingesetzt wird. Die Starpower erhalten wir, indem wir bestimmte Notenfolgen während eines Liedes fehlerfrei durchspielen (die entsprechenden Noten sind dabei rotierende Sterne). Haben wir genug Starpower zusammen (glühende Lampen über der Rock-Anzeige) müssen wir nur die Gitarre am Hals hochreißen, um den Power-Modus zu aktivieren. Hierbei glüht dann das "Spielfeld" blau, und alle Multiplikatoren zählen doppelt.
Multiplikatoren? Nun, je länger wir fehlerfrei Spielen, umso höher steigt unser Multiplikator (max. 4fach). Bei einem Fehler fällt er sofort auf 0 zurück. Beim Powermodus sind somit maximal die 8-Fachen Punkte möglich.
Sind uns die Lieder einfach zu schwer, können wir im Pausenmenü in den "Übungsmodus" wechseln, und dort einzelne Liedabschnitte oder den gesamten Song noch einmal Spielen - ohne den Stress im Nacken, zu verlieren. Der Clou: jeder einzelne Song kann in 4 Geschwindigkeitsstufen abgespielt werden, von "normal" bis "sehr langsam". Hier können wir also auch komplizierte Gitarrenriffs in aller ruhe Üben. Toll!
Während eines Rock-Battles gibt es übrigens keinen Power-Modus, da hier die eben angesprochenen Powerups durch dasselbe Prinzip (gekennzeichnete Notenfolgen fehlerfrei durchspielen) erhalten werden können, und auch genau so eingesetzt werden (hochreißen der Gitarre).

Um die besagten Noten dann zu spielen, natürlich egal ob Power- oder Normalnoten, muss "nur" die Entsprechende Farbe gedrückt werden, und dann der Anschlag gezogen bzw. gedrückt werden. Bei Längeren Spieleinlagen kann die Farbe einfach gedrückt gehalten werden, und der Anschlag bei einer neuen Note erneut gedrückt werden (was oft genug passieren wird). Nicht zu verwechseln ist dies mit langen Noten, denn hier muss die Farbtaste gedrückt gehalten werden, bis die Note zu Ende ist (während dieser Zeit kann auch das Tremolo eingesetzt werden, um einen Waber-Effekt zu erzielen, was allerdings nicht mehr Punkte bringt).
Die Spielmechanik klingt simpel, ja, doch hinter Guitar Hero 3 versteckt sich eines der fordernsten und schwersten Spiele die bisher erschienen sind. Anders als bei z.B. Elite Beat Agents, muss hier die blinde Koordination der Finger trainiert werden, um die richtigen Tasten auch zur richtigen Zeit - und dann auch noch den Anschlag - zu betätigen. Was im ersten Schwierigkeitsgrad (Leicht, mit 3 Noten: Grün, Rot, Gelb) noch recht einfach zu bewerkstelligen ist, wird bereits beim nächsten Schwierigkeitsgrad (Mittel, mit 4 Noten: Grün, Rot, Gelb, Blau) zur Bewährungsprobe, denn hier wird nicht nur eine Taste mehr gespielt (was zwangsläufig entweder ein Springen der Finger oder den Einsatz des kleinen Fingers erfordert), sondern das ganze wird auch Schneller und "voller", das heißt ihr müsst mehr Noten spielen. Wer dann den schon happigen mittleren Schwierigkeitsgrad meistert, der bekommt beim Einsatz der 5. Taste (Orange) im Grad "Schwer" noch eine zusätzliche Herausforderung, denn das Spiel wird insgesamt noch schneller (die Geschwindigkeit der Songs bleibt natürlich gleich).
Richtig happig wird dann der Schwierigkeitsgrad "Profi", der mit Sicherheit mehrere hundert Spielstunden Übung erfordert - ich für meinen Teil bin bereits bei "Slow Ride", einem sehr einfachen Lied im ersten Konzert, nach wenigen Sekunden von der Bühne gepfiffen worden. Dazu etwas Trivialwissen:
Das schwerste Lied, "Through Fire And Flames" von der Powermetal Band "DragonForce", welches nach dem durchspielen des ersten Schwierigkeitsgrades im Laden gekauft werden kann, ist über 7 Minuten lang, und wurde bisher von niemandem zu 100% im Profi-Schwierigkeitsgrad durchgespielt. Rekordhalter ist ein 16 Jähriger Amerikaner, der im Lied 840647 Punkte erzielt - oder in Prozent ausgedrückt: 97%. Er steht damit sogar im Guinness Buch.

Für Unterhaltung ist also bestens gesorgt, denn die 4 Schwierigkeitsgrade sind fordernd, aber gleichzeitig ist der Frustfaktor extrem niedrig gehalten - denn der Suchtfaktor Überwiegt stark. Zum herauslassen des kleinen Sesselhardrockers sind satte 70 Songs auf dem Datenträger enthalten, mit Rock-Größen wie Metallica, Aerosmith oder Kiss- aber auch neue Lieder, wie das recht beliebte "Ruby" von den Kaiser Chiefs sind enthalten und bieten langen Spielspaß. Dabei reicht das Aufgebot an Liedern an Evergreens, die jeder Kennt ("Welcome to the Jungle" von Gun's 'n Roses) bis hin zu eher weniger Bekannten, aber dennoch sehr guten Liedern ("Nothing for me here" von Dope). Mit Revolverheld (Generation Rock) und den Toten Hosen (Hier kommt Alex) sind sogar zwei deutschsprachige Interpreten enthalten.
Ein kleiner aber feiner Abstrich muss dennoch genannt werden, denn (sofern ich das ganze richtig verstanden habe) können manche Lieder nur mit zwei Gitarrencontrollern in der Co-Op Kampagne freigeschaltet werden, darunter auch "Suck My Kiss" von den Red Hot Chilli Peppers. Da der Controller aber locker 60 Euro kostet (zum Zeitpunkt des Reviews) ist der Preis für 5 Lieder mehr jedoch recht hoch gesetzt - sollte es keine andere Möglichkeit geben natürlich. (Dies wird bei Bedarf ergänzt und in die Wertung mit einbezogen werden).
Hier muss auch ein weiterer Kritikpunkt, speziell an der Wii-Version, geäußert werden, denn die Versionen der Xbox 360 und der Playstation 3 besitzen die Möglichkeit, sich neue Lieder (kostenpflichtig) herunter zu laden - und steigern somit das Langzeitinteresse am Titel (mittlerweile sind über 35 Titel per Download verfügbar). Diese Funktion gibt es bei der Wii Version nicht, was allerdings nicht mit in die Wertung einfließen wird, da Nintendo keine vernünftige Speichermöglichkeit (ausser natürlich die 512 MB Internen Speicher) für die Wii hergibt - und es ist fraglich, wie gut sich das ganze mit dem SD-Slot hätte realisieren lassen.
Um kurz, bevor wir zur Technik kommen, noch einmal auf den Rest des Spieles anzusprechen: Die Konzerte finden jeweils in den dazu passenden Umgebungen statt. So findet ein Konzert in einem Knast statt, ein anderes ist bei einem Videodreh auf dem Rücken eines Trucks. Unsere Band, die natürlich aus mehr besteht, als nur unserem Gitarristen, Nämlich einem Sänger und einem Schlagzeuger. Der Schlagzeuger bewegt sich (leider sehr Hölzern) passend zum... naja, zum Schlagzeug der Lieder eben, und der Sänger... nun, er Singt eben, aber ebenfalls passend und sogar ansatzweise mit der passenden Mimik und den passenden Mundbewegungen. Alles in allem sind alle Figuren zwar eher simpel gehalten - aber im Ernst, man konzentriert sich eh nur auf das, was in der Mitte des Schirms auf die 5 Notenpunkte zugerast kommt und ignoriert das drum herum nahezu komplett.
Bang the bass, turn up the treble!
Kommen wir nun zur Technik, und als erstes zur Grafik des Titels. Wie schon gesagt sind die Figuren eher hölzern animiert, und die Wii Version muss auch im Gegensatz zur PS3 oder 360-Version einige Grafikeffekte einbüßen - aber das stört nicht. Vielmehr stört es, dass die Spielfiguren so, mit Verlaub, abgrundtief hässlich sind, dass man schon von vorne herein nicht auf das Geschehen am Bildschirm achten möchte - mit Ausnahme des "Spielfeldes" natürlich. Aber zumindest ruckelt das Spiel durch die schlichte Grafik nicht.

Der Sound... oh da gibt es ein böses erwachen für alle Wii-Spieler, denn der Sound im Spiel ist, so unglaublich das klingt, komplett Mono. Ob es an der schwächeren Leistung der Wii liegt, oder ob es einfach und simpel ein Bug ist, den Activision bis heute noch nicht ausgebessert hat, ist fraglich, aber es gibt keinen Stereo- oder gar Surroundsound bei Guitar Hero 3 für die Wii - die anderen 3 Versionen haben ihn allerdings. Wie soll man ein Spiel bewerten, das komplett auf Sound ausgelegt ist, wo der Sound aber nicht einmal Stereounterstützung findet?
Alles andere am Sound ist sehr gut, der Soundtrack ist überzeugend, und auch die teilweise extra neu aufgenommenen Lieder (eine neue Version von "Anarchy in the U.K." von den mittlerweile ur-alten Sex Pistols) sind Qualitativ hochwertig, wie in keinem anderen Musikspiel. Zudem finden sich nur Originalinterpreten. Verspielen wir uns, hört das Gitarrespielen auch im Lied auf, und aus dem Lautsprecher der Wii-FB tönt ein schriller "verspiel"-Sound.
Hinweis:Das Problem mit dem Mono-Sound scheint behoben, denn Activision hat endlich reagiert und eine Umtauschaktion für das Spiel gestartet - und die aktuellen Verkaufsversionen sollten alle Stereo- bzw. Surroundsound haben. Erkennen tut Ihr dies an dem Dolby Digital-Logo, das sowohl auf der Verpackung des Spieles als auch auf der Disc zu finden ist. Beim Einkauf ist hier also darauf zu achten!
Wo bei der Grafik und (leider dann auch) beim Sound Abstriche gemacht werden müssen, punktet die Steuerung umso mehr. Denn der Gitarrenkontroller (übrigens eine Nachbildung der legendären Les Paul von Gibson) wurde perfekt für die Wii umgesetzt und arbeitet sehr gut mit den Bewegungssensoren der Wii-FB zusammen.
Auch die Verarbeitung und das Handling kann Überzeugen - kurz gesagt ist der Gitarrencontroller nahezu perfekt.
Noch kurz zum Multiplayer: der offline Co-Op konnte aus Kostengründen leider nicht getestet werden. Zum Onlinespiel kann ich nur sagen, dass es einen riesen Spaß macht, und auch die Verbindung stabil bleibt - ein wahres Multiplayererlebnis, dass auch nach längerem Spielen keineswegs abklingen dürfte - und dann gibt es ja immer noch die schon erwähnten Guitar-Battles.
Aljoscha Reuther meint...
Isch Rocke! So könnte man sagen. Guitar Hero ist laut, schnell und einfach überzeugend - wirklich das, was man ein fast perfektes Spiel nennen kann. 70 Songs zur Auswahl, dann noch der tolle Gitarrencontroller und die vier Schwierigkeitsgrade - man kann nicht aufhören! Und das trotz Mono Sound (behoben!)... Toll!
Isch Rocke! So könnte man sagen. Guitar Hero ist laut, schnell und einfach überzeugend - wirklich das, was man ein fast perfektes Spiel nennen kann. 70 Songs zur Auswahl, dann noch der tolle Gitarrencontroller und die vier Schwierigkeitsgrade - man kann nicht aufhören! Und das trotz Mono Sound (behoben!)... Toll!

GRAFIK
Schlichte Grafik mit hässlichen Spielfiguren, ein paar Effekte fehlen, dafür läuft das Spiel absolut ruckelfrei
Schlichte Grafik mit hässlichen Spielfiguren, ein paar Effekte fehlen, dafür läuft das Spiel absolut ruckelfrei

SOUND
perfekte Soundkulisse mit super angepassten Musikstücken
perfekte Soundkulisse mit super angepassten Musikstücken

BEDIENUNG
Der Gitarrencontroller ist einfach nur der Wahnsinn
Der Gitarrencontroller ist einfach nur der Wahnsinn

UMFANG
70 Songs voller Rockpower, da macht das Abrocken gleich Doppelt spaß!
70 Songs voller Rockpower, da macht das Abrocken gleich Doppelt spaß!
SPIELSPASS
So genial habt Ihr noch nie gerockt!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
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Informationen zum Spiel