Trauma Center: Second Opinion
Artikel verfasst von Gennaro Grippo am 23.07.2008
In „Trauma Center: Under the Knife“ hat das Team rund um Dr. Derek Stiles am Hope Krankenhaus in Angeles Bay Großes geleistet. Gefährlich waren bekanntlich im Jahre 2018 nicht mehr Krebs, HIV oder H5N1 sondern GUILT. Während man bei Caduceus International mittlerweile davon ausging, dass diese gefährliche Krankheit endgültig vernichtet wurde, macht die erste Waffe des medizinischen Terrorismus' erneut seine Runden. Diesmal wartet die Bedrohung auf der Nintendo Wii in „Trauma Center: Second Opinion“.
Ein alter Freund...
Die Bedrohung durch GUILT feierte bereits in der Nintendo DS – Version „Trauma Center: Under the Knife“ ihr Debüt. Als Dr. Derek Stiles lag es an Euch die Patienten zu operieren und zu heilen. Falls Ihr wieder Lust bekommen habt Menschen zu retten oder einfach mit den chirurgischen Instrumenten die Innereien der Patienten zu erkunden, ist „Trauma Center: Second Opinion“ einen Blick wert. Unglücklicherweise erfindet die Nintendo Wii – Version das Rad im wahrsten Sinne des Wortes nicht neu, denn es ist im Prinzip ein Remake des Nintendo DS – Teils. Viele Operationen, sowie die Story um GUILT sind alte Hasen. Genauso bekannt dürfte Euch der mörderische Schwierigkeitsgrad sein, der es leider auch auf die Wii geschafft hat. Erneut dürft Ihr unter Zeitdruck Operationen ausführen, was vor allem im späteren Spielverlauf eine wahre Qual ist da die Operationen immer kniffliger und komplexer werden. Erfreulicherweise hat Atlus dem Spiel aber etwas frischen Wind eingeweht und so dürfen wir uns wenigstens über einige kleine Neuigkeiten freuen. Dr. Derek Stiles übernimmt demnach in „Trauma Center: Second Opinion“ nicht erneut die alleinige Hauptrolle, sondern erhält Verstärkung oder je nach Blickwinkel Konkurrenz. Der Neuzugang heißt Dr. Nozomi Weaver, einer begabten jungen Chirurgin aus Japan. Im Verlauf des Spiels werdet Ihr auch in ihre Rolle schlüpfen und Patienten operieren dürfen. Diese Abschnitte und Operationen sind neu in der Wii-Version hinzugekommen.

Allzu viel hat sich sonst am Chirurgenalltag nicht geändert. Kranke Patienten werden ins Krankenhaus eingeliefert und stehen oder besser gesagt liegen früh oder später auf dem OP-Tisch. Ein kurzes OP-Briefing macht Euch mit den wichtigsten Details vertraut, anschließend widmet Ihr Euch der Operation. Hier macht Ihr Bekanntschaft mit einer weiteren Neuerung, die ganz so neu eigentlich gar nicht ist. Schließlich kann man auf der Nintendo Wii nicht mit Stylus und Touchscreen spielen. Diese Aufgabe übernehmen nun Bildschirm und Wii-Fernbedienung. Die Wii-Remote wird nämlich zu Eurer Hand, in der Ihr beispielsweise mit dem Skalpell zum Schnitt ansetzt oder eine Wunde desinfiziert. Der Nunchuk erlaubt es Euch aus dem Sortiment der chirurgischen Werkzeuge zu wählen. Am linken unteren Bildschirmrand seht Ihr einen Kreis, an dem diverse Icons angeordnet sind. Jedes Icon stellt ein Instrument dar, zum Beispiel eine Spritze, ein Skalpel, Antibiotisches Gel, Ultraschall oder einen Laser. Wie auch in der Nintendo DS – Version wird auch in „Second Opinion“ Gebrauch von der Heilenden Hand gemacht, die die Zeit verlangsamt und Euch somit mehr Zeit zum Operieren gewährt. Darüber hinaus hat es jedoch ein weiteres Instrument auf die Wii-Version geschafft, der Defibrillator.
Viele werden sicherlich von diesem Instrument gehört haben. Ab und zu kann es nämlich während einer Operation dazu kommen, dass das Herz aufhört zu schlagen. Wo keine flüssige Medikamente via Injektion mehr helfen, muss der Defibrillator her. Dieses Gerät, welches im Prinzip aus zwei Paddles besteht, erzeugt einen Stromschlag. Interessant: Ihr bedient den Defibrillator im Spiel sehr originalgetreu, zumindest erweckt es diesen Anschein. Dazu werden Wii-Remote und Nunchuk etwas auseinander vor Euch gehalten, sobald die entsprechende Stromstärke erreicht ist schiebt Ihr beide Steuerungseinheiten gleichzeitig nach Vorne auf die virtuelle Brust Eures Patienten und erzeugt dadurch einen Stromschlag. Ob es etwas gebracht hat oder nicht, könnt Ihr anschließend anhand des dauerhaft eingeblendeten Kardiographen einsehen. Im Idealfall sollte dieser nämlich wieder pulsieren.
Altes Leid, neues Leid
„Trauma Center: Second Opinion“ punktet dort wo auch die DS – Version zu gefallen wusste und enttäuscht unglücklicherweise auch in den Bereichen, die uns aus „Trauma Center: Under the Knife“ bekannt sind. Der Spielablauf ist einfacher als eine Partie Fußball: Zu Beginn jeder Operation erhaltet Ihr das OP-Briefing, in dem Euch die Schwester mit den nötigsten Informationen und der Diagnose vertraut macht. Anschließend geht es in den OP-Saal, wo Ihr unter Zeitdruck Euer Bestes rausholen müsst. Am Ende einer jeden Operation wird Euch Euer Ergebnis eingeblendet und Euer Rang mitgeteilt. Zwischendurch werden im hübschen Manga-Stil Dialoge abgehalten, die die Story vorantreiben, die Ihr jedoch größtenteils bereits aus „Trauma Center: Under the Knife“ kennt. Einige Neuerungen gibt es jedoch auch hinsichtlich der Grafik, wenn auch nur marginal. Die Organe der Patienten bestehen diesmal aus 3D-Polygonen und wirken etwas realer als es noch auf dem Nintendo DS der Fall war. Auch die Charaktere und die OP-Effekte sehen merklich besser aus als auf dem Nintendo DS. Am hohen Schwierigkeitsgrad und der schwachen Musikbegleitung hat sich auch in der Wii-Version nichts geändert, so dass Ihr auch diesmal wieder über frustrierende Operationen fluchen werdet und Euch wünschen würdet die Möglichkeit zu haben, den unfairen Zeitlimit auszuschalten. Wie in der DS – Version werdet Ihr zu Beginn Eurer Karriere von einer Schwester, wenn wir es so sagen wollen, unterrichtet. Im späteren Verlauf müsst Ihr jedoch eigenständig Tumore beseitigen. Wer da mal vergisst, welches Werkzeug oder generell welcher Schritt nun gefordert ist, hat schon verloren. In der Realität werden Chirurgen sicherlich auch während der OP kein Nickerchen halten, aber etwas Zeit zum Nachdenken sollte schon drin sein, oder?

Nichtsdestotrotz macht „Trauma Center: Second Opinion“, wie auch die DS – Version, Spaß und darauf kommt es schließlich an. Die Operationen wirken recht glaubwürdig und durch die Steuerungsvariante Wii-Remote und Nunchuk-Erweiterung wird Euch ein neues Spielerlebnis geboten, was wirklich unterhaltsam ist. Sehr interessant ist außerdem die Tatsache, dass Ihr sogar mit einem Freund spielen könnt. Hierbei kann einer die Wii-Remote und somit die Operationen an sich übernehmen, während der andere sich mit dem Nunchuk um die Instrumente kümmert. Leider kann das über den vorhandenen hohen Schwierigkeitsgrad nicht hinwegtäuschen. Ferner scheint „Trauma Center: Second Opinion“ nur für diejenigen empfehlenswert zu sein, die „Trauma Center: Under the Knife“ für den Nintendo DS gespielt haben. Im Prinzip wird nämlich nichts großesartiges Neues präsentiert und demnach verpassen die DS – Chirurgen nichts. Auch der Neuzugang von Dr. Nozomi Weaver und deren neuen Operationen, sowie neue Instrumente wie der Defibrillator rechtfertigen keinen Kauf. Wer hingegen dem Titel verfallen ist und neuen Spaß sucht, idealerweise auf dem Nintendo Wii, kann sich das Spiel ohne großen Zwang antun. Für weitere Einzelheiten, die hier nicht angesprochen wurden, empfehle ich das Review zu „Trauma Center: Under the Knife“ durchzulesen.

Gennaro Grippo meint...
„Trauma Center: Second Opinion“ macht Spaß und bringt den OP-Tisch nun auch in die Wohnzimmer. Mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk-Erweiterung steuert es sich wesentlich intuitiver und schneller. Wer mit dem Titel Fuß in diesem neuen Segment der Arztspiele setzt, wird definitiv auf seine Kosten kommen. Kennt man jedoch die Nintendo DS – Version, bietet die Neuauflage für die Wii leider zu wenig Neuerungen.
„Trauma Center: Second Opinion“ macht Spaß und bringt den OP-Tisch nun auch in die Wohnzimmer. Mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk-Erweiterung steuert es sich wesentlich intuitiver und schneller. Wer mit dem Titel Fuß in diesem neuen Segment der Arztspiele setzt, wird definitiv auf seine Kosten kommen. Kennt man jedoch die Nintendo DS – Version, bietet die Neuauflage für die Wii leider zu wenig Neuerungen.

GRAFIK
Aufwendige 3D-Grafiken im OP-Saal, die zwischenmenschlichen Geschehnisse basieren auf vorgefertigten Grafiken
Aufwendige 3D-Grafiken im OP-Saal, die zwischenmenschlichen Geschehnisse basieren auf vorgefertigten Grafiken

SOUND
Sanfte Musikuntermalung, die je nach Patientenzustand auch dramatisch werden kann
Sanfte Musikuntermalung, die je nach Patientenzustand auch dramatisch werden kann

BEDIENUNG
Unglaublich präzises und intensives Steuerungsgefühl
Unglaublich präzises und intensives Steuerungsgefühl

UMFANG
Wie die Nintendo DS-Version ist nach den vorgesetzten OPs auch Schluss, einen Mehrspieler gibt es nicht
Wie die Nintendo DS-Version ist nach den vorgesetzten OPs auch Schluss, einen Mehrspieler gibt es nicht
SPIELSPASS
Trauma Center feiert einen gelungenen Einstand auf der Nintendo Wii, ähnelt zwar stark der DS-Version aber vermittelt ein noch realistischeres Flair
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Trauma Center feiert einen gelungenen Einstand auf der Nintendo Wii, ähnelt zwar stark der DS-Version aber vermittelt ein noch realistischeres Flair
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Adventure
Entwickler
Atlus
Publisher
Nintendo
Releasedatum
10.08.2007
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Adventure
Entwickler
Atlus
Publisher
Nintendo
Releasedatum
10.08.2007
USK-Freigabe

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