Pokémon Mystery Dungeon: Erkundungsteam Dunkelheit
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 19.07.2008
Manche Pokémon haben Pech und fristen ein trostloses Dasein eingepfercht in engen Pokébällen. Andere Pokémon haben Glück und dürfen sich in der Welt frei bewegen. Dazu gehört auch das Erkundungsteam Dunkelheit, dessen mutige Helden ein gewaltiges Abenteuer erleben, das sie in tiefe Dungeons voller Gefahren führt.
Im Körper eines Pokémon
„Erkundungsteam Dunkelheit“ unterscheidet sich kaum von der gleichzeitig erschienenen Version „Erkundungsteam Zeit“. Ihr trefft lediglich auf andere legendäre Pokémon und auch ein paar Items finden sich an anderer Stelle. Die Story ist aber die gleiche und so beginnt die Geschichte mit einer typischen Videospielsituation: ihr werdet an den Strand einer Insel gespült und könnt euch einfach nicht an eure Vergangenheit erinnern. Euch ist lediglich bewusst, dass ihr eigentlich ein Mensch seid. Nun habt ihr euch aber in ein Pokémon verwandelt. Warum ihr euch verwandelt habt und wie ihr an diesen Strand gekommen seid, bleibt aber erst einmal im Dunkeln. Das klingt nach einer 0815-Geschichte, überraschenderweise ist aber gerade die Story einer der stärksten Seite dieses Spiels. Sie entwickelt sich interessant weiter und hält sogar ein paar nette Überraschungen für euch bereit.
Ihr bleibt als Gestrandete nicht lange alleine. Ein anderes Pokémon taucht auf, das dringend eure Hilfe benötigt. Zwei Diebe haben ihm nämlich einen wichtigen Gegenstand gestohlen. Euer Gedächtnis mag beeinträchtig sein, euer Gerechtigkeitssinn ist aber noch voll da. Somit zögert ihr nicht lange und nehmt zusammen mit eurem neuen Partner die Verfolgung der Diebe auf. Somit nimmt das erste Kapitel eines langen Abenteuers seinen Lauf.

Welches Pokémon ihr verkörpert ist übrigens kein Zufall. Vor dem Beginn der Geschichte werden euch einige Fragen gestellt, etwas zu eurem Umgang mit Geld oder ob ihr einen Freudenstanz aufführt, wenn ihr glücklich seid. Zum Schluss legt ihr noch euren Finger für einen Auratest auf den Touchscreen und schon wird aus einer Auswahl von verschiedenen Startpokémon dasjenige ermittelt, das am besten zu euch passt. Solche albernen Persönlichkeitstests mögen in Zeitschriften ganz lustig sein, bei diesem Spiel nervt eine derartige Auswahl aber eher. Somit könnt ihr nämlich nicht euer Lieblingspokémon wählen, sondern bekommt einfach eins aufgezwungen, das bis zum Spielende der Held des Abenteuers bleibt. Zumindest lässt sich aber euer Partner aus einer Auswahl von sieben Pokémon frei wählen.
Rein in die Dungeons
„Pokémon Mystery Dungeon“ ist ein Dungeon-Crawler, weswegen ihr mit eurem Team hauptsächlich Verließe erforscht. Damit sind aber nicht ausschließlich Höhlen gemein, euer Weg führt euch auch in Wälder und durch Küstengebiete. Interessanterweise werden alle Dungeons dabei per Zufallsprinzip generiert. Somit ändert sich die Beschaffenheit einer Höhle selbst dann, wenn ihr sie kurz verlasst und dann wieder betretet. Das macht das Abenteuer noch etwas spannender und erhöht auch den Wiederspielwert ein wenig. Leider werdet ihr aber dennoch nur selten einen Dungeon öfter durchstreifen, als unbedingt nötig. Das Spiel kämpft nämlich ein bisschen mit Monotonie, die schnell zu Langeweile führt.
Ihr wandert in den Dungeons über die genretypischen Gitternetze, wobei sich sichtbare Feinde immer dann ein Feld vorwärts bewegen, wenn ihr selbst einen Schritt macht. Stoß ihr auf ein gegnerisches Pokémon kommt es zum Kampf. Grundsätzlich läuft dieser durch stupides Drücken des A-Knopfes ab, ihr könnt über das Menü aber auch spezifische Attacken auswählen. Diese speziellen Angriffe richten sich nach dem Element des jeweiligen Pokémon und sind je nach Gegner unterschiedlich effektiv. Eine Feuerattacke wird bei Wasserpokémon kaum Wirkung zeigen, während Pflanzenpokémon dadurch großen Schaden nehmen. Im Grunde spielt das aber keine allzu große Rolle. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr niedrig angesetzt und selbst mit dem erwähnten Drücken des A-Knopfes werdet ihr weit kommen.
Für den A-Knopf und gegen die speziellen Attacken spricht außerdem die furchtbare Menüführung, die an erste Programmierversuche zu GameBoy-Zeiten erinnern. Das Menü muss leider häufig aufgerufen werden, um Items einzusetzen, bestimmte Aktionen auszuführen oder eben um Attacken auszuwählen. Dabei macht es euch mit seiner Unübersichtlichkeit und den unnötig verschachtelten Menüpunkten das Leben schwer. Mit der Zeit gewöhnt ihr euch zwar daran, so eine unkomfortable Angelegenheit darf in der heutigen Zeit aber eigentlich nicht mehr vorkommen. Zumindest könnt ihr eine Attacke als Shortcut auf die L-Taste legen, aber eben nur eine einzige.

Neben recht anspruchslosen Kämpfen steht noch das Umgehen von Fallen und des Sammeln von Items auf dem Programm. Rätsel oder andere erfrischende Einlagen dürft ihr nicht erwarten. Während andere Pokémon-Spiele gerade durch ihren Ideenreichtum begeistern können, herrscht bei diesem Spiel geradezu Ideenarmut. Das wird durch die monotonen Aufträge auch nicht gerade besser, bei denen in fast allen Fällen entweder ein Pokémon oder ein Item in den Dungeons gefunden werden muss. Die zufallsgenerierten Dungeons sollten eigentlich dafür sorgen, dass ihr immer wieder etwas Neues erlebt. Stattdessen fühlt ihr euch aber schnell als Gefangene einer Endlosschleife, was natürlich zu Langeweile führt. Dagegen sind nur echte Fans immun, die sich nicht nur über die spannende Geschichte, sondern auch über 491 Pokémon freuen können, von denen sich euch einige im Spielverlauf anschließen.
Raus aus den Dungeons
Ihr seid immer wieder froh, wenn ihr die dunklen Dungeons mal verlassen könnt, um einen Abstecher nach Schatzstadt zu machen. Hier wird euch endlich ein bisschen Abwechslung geboten, auch wenn diese hauptsächlich aus Heilen und Einkaufen besteht. Erste Anlaufstelle sollte immer die Knuddeluff-Gilde sein. Dort könnt ihr euch nicht nur ordentlich ausschlafen, sondern auch Speichern. Außerdem lassen sich hier Aufträge aufschnappen, die sich in den Dungeons erledigen lassen.
Die Welt von „Mystery Dungeon“ wird ausschließlich von Pokémon bewohnt, mit denen ihr euch unterhalten könnt. Somit werden auch alle Einrichtungen von Taschenmonstern betrieben, sodass ihr im Knogga-Dojo trainiert oder im Kecleon-Markt einkauft. Dankbar werdet ihr außerdem für das Kangama-Lager und die Zwirrlicht-Bank sein. Eine Niederlage in den Dungeons wird nämlich eigentlich durch den Verlust von Geld und Items bestraft. In diesen Einrichtungen kann aber beides sicher abgelegt und bei Bedarf problemlos wieder abgeholt werden. Die Stadt bietet euch also alles, was ihr für das Abenteuer benötigt und wird damit zum wichtigstem Anlaufpunkt im Spiel.
Wer Items und Geld nicht sicher aufbewahrt hat und beides dennoch nach einer Niederlage behalten möchte, wird sich über eine interessante Mehrspieler-Funktion freuen. Wie schon von „Shiren the Wanderer“ bekannt, kann nach dem Ableben nämlich ein Hilferuf an andere Spieler geschickt werden, die dann zur Rettung eilen. Das ist nicht nur lokal, sondern via Wi-Fi Connection auch weltweit möglich. Eingeschränkt wird die Auswahl an Retter nur durch das Freundescode-System. Andere Möglichkeiten im Mehrspieler- und Online-Modi sind das Versenden von Items, Pokémon und sogar Aufträgen an andere Spieler. Somit werden interessante Möglichkeiten geboten. Nur schade, dass sich nicht mehrere Spieler zusammen durch die Dungeons kämpfen dürfen.
Für die Grafik des Spiels gehören die Entwickler eigentlich selbst in ein Pokémon verwandelt und in den tiefsten aller Dungeons eingemauert. Wie schon die Menüführung wurde auch die Optik vom Zahn der Zeit geradezu zernagt. Zufallsgenerator hin oder her – bei der Gestaltung der Dungeons wäre mehr drin gewesen, als immer wieder die gleichen trostlosen Räume. Die Pokémon selbst sehen ein Stück besser aus, könnten aber immer noch direkt einem GBA-Spiel entsprungen sein. Das gleiche gilt auch für den Duddel-Sound. Retro-Feeling in allen Ehren – bei eventuellen Nachfolgern müssen sowohl das Gameplay, als auch die Grafik dringend auf den neusten Stand gebracht werden.
Sascha Geldermann meint...
Dieses Pokémon-Spiel ist einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was besonders bei der umständlichen Menüführung und der veralteten Grafik deutlich wird. Auch das Gameplay hätte neue Ideen vertragen können - und mehr Abwechslung noch dazu. Echte Fans werden aufgrund der netten Story und der zahlreichen Pokémon aber dennoch ihren Spaß haben.
Dieses Pokémon-Spiel ist einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was besonders bei der umständlichen Menüführung und der veralteten Grafik deutlich wird. Auch das Gameplay hätte neue Ideen vertragen können - und mehr Abwechslung noch dazu. Echte Fans werden aufgrund der netten Story und der zahlreichen Pokémon aber dennoch ihren Spaß haben.

GRAFIK
Die Grafik ist wirklich sehr einfach gehalten.
Die Grafik ist wirklich sehr einfach gehalten.

SOUND
Die Musik hält sich im Hintergrund.
Die Musik hält sich im Hintergrund.

BEDIENUNG
Insgesamt funktioniert die Steuerung gut, die Menüführung ist aber zu umständlich.
Insgesamt funktioniert die Steuerung gut, die Menüführung ist aber zu umständlich.

UMFANG
Zufallsgenerierte Dungeons und 491 Pokémon bieten reichlich Beschäftigung.
Zufallsgenerierte Dungeons und 491 Pokémon bieten reichlich Beschäftigung.
SPIELSPASS
Umfangreicher Dungeoncrawler, der an Monotonie krankt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Umfangreicher Dungeoncrawler, der an Monotonie krankt.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel