Kochkurs
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 06.07.2008
Kochen ist in – und zwar nicht seit diverse Fernsehköche in mehr oder weniger guten Sendungen ein Essen nach dem anderen herunter klappern, bis ihr persönliches Kochbuch abgearbeitet ist – dann starten die Wiederholungen. Doch nun nimmt die Kunst der Mahlzeitenzubereitung einen (Koch)Kurs auf den DS – und überzeugt mit Vielfalt, tollen Anleitungen und netten Features – schwächelt aber stark in der Übersicht. Ich hab‘ mich für euch hinter den Herd geschwungen und Freunde und Familie zu (mehr oder weniger) willigen Testobjekten degradiert… ein voller Erfolg?
Ich hab‘ da schon mal was vorbereitet…
Alleine zu Hause und die „Schnauze voll“ von Pommes, Fertigpizza und Hühnerfrikassee für die Mikrowelle? Oder einen Partner, der mehr von Euch zum Jahrestag verlangen könnte, als Toast mit Wurst und Käse? Alle, die bisher Probleme hatten, selbst Wasser vor dem Anbrennen zu bewahren, können nun aufatmen, denn Nintendo bringt zusammen mit der „Tsuji Cooking Academy“ den „Kochkurs“, der den DS in völlig neue Bereiche vorschiebt – weitab vom Casual „Gaming“.

Denn der Kochkurs ist nicht etwa nur eine kleine Spielerei – er ist vielmehr ein detailiertes Kochbuch, das uns auf dem gesamten Weg, vom Einkaufen bis hin zum Servieren, begleitet – und dabei immer geduldig wartet, bis wir fertig sind. Aber gut, machen wir das ganze einfach an einem Beispiel fest:
Panna Cotta.
Zuerst müssen wir das Rezept finden, und dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Als erstes können wir die 245 Rezepte nach Art sortieren lassen: Salat, Reis und Nudeln, Fleisch, Fisch, Desserts – und so weiter. Eine andere Möglichkeit ist es, die Rezepte nach Ländern geordnet anzeigen zu lassen. In dieser Ansicht bekommen wir eine Weltkarte, die in 3 Bereiche aufgeteilt ist: Amerika, Europa, Asien. Klicken wir auf ein Land, bekommen wir die dazugehörigen Rezepte angezeigt. Ob diese Zuordnungen immer ganz Stimmen, ist nicht immer sicher, aber es hilft zumindest etwas, wenn man zum Beispiel gerne einmal Chinesisch kochen möchte. An die Alphabetische Auflistung aller Rezepte kommt man leider nur über einen Umweg. Zudem kann man die Rezepte nach Zutaten und Vorgaben (wie Kochzeit, Kalorien, Schwierigkeit, Zutaten – etc.) sortieren lassen, sowie eine Stichwortsuche durchführen.
Wenn vorher schon einmal gekocht wurde, kann auch das Lieblingsessen angezeigt werden, oder im Kalender, wo bis zu 3 Rezepte pro Tag eingespeichert werden können, nachgesucht werden.
Wenn wir dann, natürlich in Europa, bei den Desserts, das Rezept „Panna Cotta“ gefunden haben, sehen wir auf dem Oberen Schirm eine kleine Zusammenfassung, was wir da eigentlich gerade angeklickt haben. Darunter eine kleine Beschreibung (in diesem Fall „Ein Reichhaltiges Dessert aus Sahne mit Karamellsoße“), die Zubereitungszeit (die leider immer sehr knapp gewählt ist) und die Kalorienanzahl für 4 Personen.
Mit einem erneuten Klick auf das Bild (jedes der 245 Rezepte hat ein eigenes Foto) sehen wir dann eine etwas detailierte Beschreibung des Gerichts.
Der Nächste Schritt, nachdem wir nun auf „OK“ geklickt haben, ist sozusagen der „Ausgangsbildschirm“ des Rezeptes. Hier finden wir auf dem oberen Bildschirm „Tipps und Tricks“ (je nach Rezept können dies mehrere Seiten sein). Interessanter wird da der Touchscreen, denn hier können wir uns Notizen machen (was allerdings sehr schwer ausfällt)und uns alles genau angucken: in der Mitte finden wir 3 Buttons: Zutaten, Arbeitsgänge und Kochen. Mit einem Klick auf „Zutaten“ kommen wir zur Zutatenliste des Gerichts – die erste wichtige Station im Programm.

Mit dem DS in den Supermarkt
In der Zutatenliste können wir dann zuerst einstellen, wie viele Personen an unserem Gericht teilhaben sollen: 1,2, 4 oder 6. Je nach Personenzahl ändern sich natürlich die Mengen an Zutaten, die wir brauchen.
Danach geht die Checkliste los, und hier ist der erste große Verwirrungsfaktor im Programm vorhanden: um die Einkaufslistenfunktion zu nutzen, auf die ich später noch zu sprechen komme, müssen hier die Zutaten mit einem Haken versehen werden, die noch gekauft werden müssen – was aufgrund des Symbols nicht gerade verständlich ist. Haben wir also keine Sahne im Haus, müssen wir es Ankreuzen – und so weiter.
Zudem sehen wir auf der Zutatenliste, ob wir eventuell mehrere dinge Zubereiten müssen (hier ist es einmal die Panna Cotta selbst, und einmal eine Karamellsoße).
Wenn wir dann alle Zutaten, die noch gekauft werden müssen abgehakt, und uns vielleicht noch die benötigten Kochutensilien (ebenfalls in der Zutatenliste) angesehen haben, geht es zum Einkaufen. Hier kommt die eben schon erwähnte Einkaufsliste zum Einsatz, für die wir erst wieder komplett aus dem Rezept herausmüssen – auf den Startbildschirm. Wichtig: wir müssen zuerst die Zutatenliste verlassen, mit einem Klick auf „Zurück“, denn sonst werden unsere Markierungen nicht gespeichert.
Wenn wir dann beim Startbildschirm angelangt sind, sehen wir über der „Einkaufsliste“ einen Haken – was bedeutet, dass noch dinge eingekauft werden müssen. Ein Klick darauf öffnet die Liste natürlich, sozusagen ein Einkaufszettel. Wer sich nicht davor scheut, seinen DS mit in den nächsten Supermarkt zu nehmen, bekommt hier eine gute Möglichkeit, speziell mit dem praktischen Taschenrechner, die Zutaten genau richtig einzukaufen. Wenn eine Zutat gekauft wurde, reicht eine Berührung des kleinen Kästchens daneben aus, um es mit „OK“ zu markieren. Dummerweise kann die Einkaufsliste nur sehr umständlich gelöscht werden, indem die Zutaten in den jeweiligen Rezepten demarkiert werden.

Zusätzlich wird bei jeder Zutat auf dem Oberen Bildschirm noch angezeigt, von welchem Rezept sie stammt, und mit einem Klick auf Zutateninfo bekommen wir noch weitere Hinweise zu dieser Zutat (zum Beispiel bei der Gelatine dass sie aus „Tieren“ gemacht wird). Damit es nicht ganz so umständlich wird, kann mit einem einfachen Klick auf „Kochen“ das Rezept, dessen Zutat gerade ausgewählt ist, direkt die Rezeptstartseite aufgerufen werden – Nützlich, wenn man mehrere Gerichte kochen möchte.
Nachdem die Zutaten nun alle abgearbeitet wurden, sollten wir uns nun die Arbeitsgänge ansehen, die sozusagen der Rote Faden sind, welcher uns durch den Kochvorgang führt. Unter anderem sind hier auch die benötigten Utensilien aufgeführt (Töpfe, Sieb, Waage – etc.). Es empfiehlt sich, die Liste einmal durchzugehen, weil das Programm diese Liste strikt durcharbeitet, und manche Dinge schon erledigt werden können, während zum Beispiel die Gelatine noch eingeweicht wird.
Mit einem Klick auf den Arbeitsgang sieht man nun, was gemacht werden soll – passend untermalt mit den etwa stattfindenden Kochgeräuschen… Naja.
Zudem kann man, wenn man das Rezept zum Beispiel vorher abgebrochen hat, ab einem bestimmten Arbeitsgang beginnen, sodass man sich nicht erst durch alle anderen Schritte klicken muss.
Es brodelt…
Wenn man dann alle Schritte durchgegangen ist, genügt ein Klick auf „Kochen“, und es geht los. Ab jetzt kann man, laut Nintendo, den Stylus in den DS schieben und das Programm mithilfe der Stimme steuern. Doch dazu kommen wir später, doch empfehlenswert ist es, den Stylus doch vorerst draußen zu lassen. Also, kochen wir!
Von nun an leitet uns der komplett synchronisierte DS Koch durch das Spiel. Jeder einzelne Schritt wird von ihm erklärt, und dann auf dem oberen Bildschirm zusammengefasst. Unten finden wir eine Menge Buttons, doch die größten sind „Schritt zurück!“ und „Weiter!“, und ein kleinerer „Wiederholen!“ Button. Dies sind die Befehle, die der DS Versteht. Zudem können mit dem Stylus noch einmal Arbeitsgänge und Zutaten, sowie das Kochlexikon, die Einstellungen und die „Pause“ aufgerufen werden. Meist startet ein Rezept damit, dass man einfach nur die benötigten Kochutensilien heraussucht – was uns der Koch auch direkt sagt („Zuerst wird die Blattgelatine eingeweicht – dafür benötigen sie eine Schüssel“).
Eindrucksvollerweise werden nicht einfach nur bestimmte Sätze wie „Legen sie die Zutaten bereit, die auf dem oberen Bildschirm zu sehen sind“, sondern jede Zutat wird einzeln benannt und auf das Rezept angepasst – hier kann der DS wirklich einfach hingelegt werden und muss während des Kochens nur selten angesehen werden – man kann sich vollständig auf die Stimme des Kochlehrers verlassen.

Indem wir laut und deutlich „Weiter“, „Wiederholen“ oder „Schritt zurück“ sagen, navigieren wir durch das Programm. Immer wenn wir eine Aktion ausgeführt haben, müssen wir theoretisch nur zum DS Sprechen, und schon kommt der nächste Schritt auf dem Weg zum Meisterwerk. Leider nur Theoretisch, denn wie bei vielen Spielen, scheitert dieses nette Feature leider an der recht mageren Spracherkennung des DS. Beim laut und deutlichen Sprechen unterscheidet der DS zwar gut zwischen den drei Befehlen, wenn der DS jedoch weiter weg liegt, oder sogar Küchengeräusche zu hören sind, reagiert die Steuerung ebenfalls. Da kann es leider ab und an mal passieren, dass lautes Töpfe klappern als „Wiederholen“ oder „Schritt zurück“ verstanden wird – und leider auch manchmal die normalen Sprachbefehle. Glücklicherweise scheint das Programm aber extrem auf das „Weiter“ getrimmt worden zu sein, sodass die meisten Nebengeräusche nur „Wiederholen“, und noch seltener als „Schritt zurück“ erkannt werden. So wiederholt der DS nur öfters seine aktuellen Anweisungen.
Man kann natürlich auch mit dem Stylus die Buttons bedienen, riskiert dabei aber natürlich flecken etc. auf dem DS. Die Spracherkennung ist zudem komplett abschaltbar.
Ein weiteres, nettes Feature, ist die „Küchenuhr“, die auch mittels Sprachbefehl aufgerufen werden kann, wenn sie Eingeblendet wird (oben rechts). Wenn zum Beispiel die Gelatine 10 Minuten eingeweicht werden soll, reicht das (deutlich) gesprochene „Küchenuhr“, und danach ein „Uhr starten“, um die Uhr auf die bereits voreingestellten 10 Minuten laufen zu lassen und zum Rezept zurück zu kehren. Leider gibt es mit dieser Küchenuhr ein paar kleine Probleme: sie läuft zwar absolut problemlos, dennoch muss der Nutzer den Stylus verwenden, um sie zu Stoppen, es können nicht zwei Uhren gleichzeitig verwendet werden, was bei manchen Rezepten allerdings nötig wäre, und manchmal können während der Zeit, in der die Uhr abläuft weitere Schritte gemacht werden – das Programm weist allerdings nicht darauf hin – in den meisten Fällen, nicht immer. Zudem sollten diejenigen, die ihren DS nicht vollständig entleeren wollen, lieber auf eine normale Küchenuhr zurückgreifen – denn die Uhr läuft nicht weiter, während der DS zum Beispiel geschlossen ist, oder eine Pause eingelegt wird.
Ab und an gibt es Schritte, zu denen es mehr Informationen gibt, zum Beispiel was mit „Mittlerer Hitze“ gemeint ist, oder wie man eine Zwiebel richtig schneidet. Hier erscheint dann auf der linken Seite (oben) ein Rotes Feld mit „Mehr Infos“, ebenfalls per Sprachbefehl aufrufbar, und ebenfalls mit gesprochenem Text. Meist stammen diese Informationen aus dem Kochlexikon, die auch Demovideos enthalten können, die zum Beispiel direkt zeigen, wie man eine Zwiebel vernünftig schneidet oder einen Fisch filetiert. Sehr gutes Anschauungsmaterial wird hier geboten, wenn auch die Sprünge in den Videos manchmal etwas verwirrend sind.
So geht es dann durch alle Schritte, und selbst das sehr schwierig herzustellende Karamell klappt, wenn man die Anleitung richtig befolgt, wie am Schnürchen. Am Ende steht dann ein Waschechtes Panna Cotta mit Karamellsoße vor den Testpersonen – und, was soll ich sagen, es hat allen wunderbar geschmeckt. Genau wie das Hache Parmentier, ein französisches Gratin mit Kartoffeln und Hackfleisch, dem Salat mit gegrilltem Gemüse und dem Fischgratin aus Skandinavien.
Wenn ein Rezept abgeschlossen wurde, werden übrigens alle Zutaten aus der Einkaufsliste gelöscht, die mit diesem Rezept zusammenhängen.
Vollgepacktes Kochpaket
Nun, das war natürlich das, worum es im „Kochkurs“ geht, doch das Programm kann weit aus mehr, als nur sehr gut erklären, wie man wahre Gaumenfreuden zaubert. Das Kochlexikon enthält sehr viele nützliche Ratschläge, zu Zutaten, Utensilien, Vorbereitung, und so weiter. Sehr löblich: für viele Asiatische Gerichte werden Zutaten verwendet, die in unseren Breitengraden eher schwer zu bekommen sind – auch wenn Chinesisches Essen in Deutschland durchaus nicht mehr nur beim Chinesen zu bekommen ist. Dennoch gibt es Zutaten, die nicht wirklich einfach zu finden sind. Hier hält dieser Bereich des Lexikons eine Liste von alternativen Zutaten bereit, die diese Zutaten so gut wie möglich ersetzen können. Leider sind dies aber ebenfalls oft Asiatische zutaten – was davon zu halten ist, bleibt also fraglich. Aber immerhin wurde bei der Lokalisierung des Titels daran gedacht.
Leider gilt dies aber nur für asiatische Zutaten, wer, wie ich hofft, für bestimmte Zutaten, die er nicht verträgt (wie in meinem Fall Knoblauch), eine Alternative zu finden, guckt leider in die Röhre.
Zusätzlich gibt es hier auch noch einmal die eben angesprochenen Lehrvideos, insgesamt 20 kurze Videos sind im Programm enthalten.

Kommen wir dann zu den Einstellungen. Auch hier lassen sich einige gute Optionen finden, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Zum Beispiel können wir hier zumindest einstellen, welche Zutaten nicht erwünscht sind – Fleisch, Fisch, oder eben auch Knoblauch. Rezepte, welche diese Zutat enthalten, werden dann in allen Listenformen (Weltkarte, Alphabet…) mit einem „x“ markiert. Natürlich kann so die Zahl der 245 Rezepte schwinden – und leider werden auch nur die Rezepte selber durchsucht, nicht aber die evtl. nötigen „Unterrezepte“, zum Beispiel die Fleischsoße für bestimmte Spaghettisorten.
Zudem kann die recht nervige und sich immer wieder wiederholende Hintergrundmusik ausgestellt werden – oder eben dass sie nicht beim Kochen abgespielt werden soll, und die Stimmgeschwindigkeit des DS-Koches kann in der Schnelligkeit angepasst werden – um der nerven willen.
Die Spracherkennung kann sowohl ein als auch ausgeschaltet werden, und es kann ein (leider sinnloser) Mikrofontest ausgeführt werden, und nach dem man in einem Rezept die Küchenuhr verwendet hat (und zwar bis zum „klingeln“) wird im Spiel ein altes Game & Watch Spiel freigeschaltet, dass man dann sowohl beim Kochen (ebenfalls bei der Küchenuhr) oder in den Optionen spielen kann.
Ein Manko am gesamten Titel ist die recht hohe Unübersichtlichkeit, denn bis man die Einzelnen Einstellungen, Rezeptmöglichkeiten und Kochlexika gefunden hat, wird man eine Weile suchen müssen, gerade wenn man mit dem DS noch nicht so sehr vertraut ist. Zudem könnte die Sprachsteuerung etwas besser sein, doch wenn deutlich genug gesprochen wird, erkennt das Programm die Befehle problemlos. Zudem könnte die Küchenuhr weiterlaufen, wenn der DS geschlossen wird – um während langer Wartezeiten Strom zu sparen. Die Aufmachung des ganzen wirkt etwas „hingewürfelt“, ist aber zweckmäßig und erfüllt die Anforderungen an ein gutes Kochbuch allemal.
Aljoscha Reuther meint...
Das Essen ist serviert! Der Kochkurs macht seinem Namen alle Ehre, denn selbst die schwereren Gerichte lassen sich mithilfe der angenehmen Stimme fast wie von selbst Kochen – wobei das natürlich immer noch am Koch selbst liegt. Kein Wunderprogramm, aber eine Solide und toll ausgestattete Rezeptsammlung, die ich jedem Empfehlen kann!
Das Essen ist serviert! Der Kochkurs macht seinem Namen alle Ehre, denn selbst die schwereren Gerichte lassen sich mithilfe der angenehmen Stimme fast wie von selbst Kochen – wobei das natürlich immer noch am Koch selbst liegt. Kein Wunderprogramm, aber eine Solide und toll ausgestattete Rezeptsammlung, die ich jedem Empfehlen kann!

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