Ninja Gaiden: Dragon Sword
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 05.07.2008
„Ein Spiel, das so aussieht, hast du für Nintendo DS noch nie gesehen“ – Diese Behauptung preist das erste „Ninja Gaiden“-Spiel an, das für Nintendos Handheld erscheint. Das in diesem Satz viel Wahrheit steckt, wird schon kurz nach Spielbeginn klar. Wenn Ihr Euch mit dem Ninja Ryu Hayabusa in unzählige Kämpfe stürzt, gibt es nämlich vieles zu sehen, was bisherige NDS-Spiele noch nicht auf die beiden Bildschirme gezaubert haben.
Drachen und Dämonen
Die seitliche Haltung des Nintendo DS, wie bei einem Buch, gehört sicherlich nicht zu den außergewöhnlichsten Dingen, die es bei „Ninja Gaiden DS“ zu sehen gibt. Das haben schon diverse Puzzlespiele und Edutainment-Produkte zu einem alten Hut degradiert. Interessant ist diese Haltung aber dennoch, da der Spielausschnitt somit in der Breite stark begrenzt ist, in die Tiefe und Höhe aber viel Platz lässt. Schließlich läuft das eigentliche Geschehen nur rechts auf dem Touchscreen ab, während der linke Bildschirm eine Karte anzeigt, die den jeweiligen Schauplatz detailiert darstellt.

In der seitlichen Haltung wird auch die Geschichte des Spiels präsentiert. Diese dreht sich im engeren Sinne um die Entführung der Ninja-Dame Momiji. Im weiterem Sinne geht es aber um den Konflikt zwischen Menschen und Dämonen, sowie acht dunkle Drachensteine, die wiedervereint einen bösartigen schwarzen Drachen auf die Welt bringen würden. Kenner vorheriger Teile freuen sich über einige interessante Details, doch auch für Serien-Neulinge ist die Story absolut verständlich.
Die Geschichte bietet nicht besonders viel Tiefgang und weist auch nur wenige eher unspektakuläre Wendungen auf. Sie ist aber immer noch spannend genug, um gut durch das Spiel zu leiten. Ein großer Pluspunkt ist auch die ansehnliche Präsentation der Zwischensequenzen durch wunderschöne Standbilder. Der comichafte Stil kommt dabei vollkommen ohne Blut aus, präsentiert sich aber durchweg erwachsen.
Action ohne Ende
Die ersten Schritte als Ninja sind nicht schwer. Vor allem, da die gesamte Steuerung über den Stylus abläuft. Ryu bewegt sich zu dem Punkt auf dem Bildschirm, auf dem der Stylus zeigt. Wird der Stylus von unten nach oben gezogen, führt der Ninja einen Sprung aus. Bei einer Wiederholung dieser Bewegung in der Luft setzt er sogar mit einem Doppelsprung noch einen drauf. Bevor der erste Gegner aus dem Gebüsch springt, kann auch das Üben von Verteidigungen nicht schaden. Ryu nimmt eine abwehrende Haltung ein, sobald ein beliebiger Knopf oder das Steuerkreuz gedrückt wird. Berührt der Stylus in dieser Haltung den Bildschirm, führt der Kämpfer eine Rolle in die entsprechende Richtung aus. Eine Bewegung, die immer wieder das Leben des Ninjas retten wird. Gut vorbereitet, ist es Zeit aufzubrechen. Fest vorgegebene Wege führen Ryu. Das Geschehen läuft dabei in drei Dimensionen ab, wobei es aber manchmal auch aus einer seitlichen Perspektive gezeigt wird, die die Kämpfe kurzzeitig in 2D ablaufen lässt.

Sobald der erste Gegner aufkreuz geht richtig die Post ab. Die Kämpfe sind das Hauptelement des Spiels, die nur selten durch andere Aktivitäten unterbrochen werden. Diese Kämpfe sind immer lang, da stets mehre Gegner gleichzeitig angreifen und besiegten Widersachern neue Feinde eine ganze Zeit lang nachrücken. Die Flucht ist nur selten eine Option. Oft versperren nämlich magische Portale den Weg, die erst verschwinden, sobald Ryu alle Gegner ausgeschaltet hat.
Also Stylus gezückt und auf in den Kampf. Der Stylus wird zum Schwert, mit dem auf dem Touchscreen die Hiebe gezogen werden. Von oben, unten, links oder rechts. Im Stehen, aus dem Lauf oder im Sprung. Wenn das Schwert zu kurz ist helfen Shuriken und später Pfeil und Bogen weiter. Diese Geschosse stehen ohne Begrenzung zur Verfügung und lassen sich auf entfernte Gegner schleudern, wenn diese einfach nur angetippt werden. Mit solch einem Repertoire an Angriffen haben die Gegner eigentlich gar keine Chance.

Sobald diese Kämpfe beginnen wird klar, was so einzigartig an „Ninja Gaiden DS“ ist. So viel Action hat einfach noch kein anderes Nintendo DS Spiel auf die Bildschirme gebracht. Ryu springt in hohem Tempo über den Bildschirm, verteilt Hiebe, weicht zur Seite, schleudert Shuriken und das oft minutenlang, bis kein Gegner mehr steht. Kein Wunder also, dass die Kombo-Anzeige am Bildschirmrand manchmal den dreistelligen Bereich erklimmt. Durch schnelles Reiben über dem Touchscreen werden außerdem so genannte Eliteangriffe ausgeführt. Je länger der Stylus über den Bildschirm geführt wird, desto verheerender fallen die mächtigen Angriffe aus. Diese Action reißt einfach mit, lässt nicht mehr los und macht unglaublich viel Spaß.
Kein Platz für Langeweile
In den ersten der insgesamt 13 Kapitel kann durchaus das Gefühl aufkommen, das Geschehen selbst nicht ganz unter Kontrolle zu haben. Bis vollkommene Kontrolle ab dem dritten oder vierten Kapitel überlebenswichtig wird, ist die Steuerung aber schon in Fleisch und Blut übergegangen. Bei so vielen schnellen Bewegungen wäre es wenig überraschend gewesen, wenn der Touchscreen überfordert gewesen wäre. Dieser hält der größten Belastungsprobe seines Lebens aber mit Bravour stand und setzt alle Befehle schnell und präzise um. Die Steuerung klappt somit einwandfrei und gibt den Kämpfen die Dynamik, die für den Spielspaß wichtig ist. Probleme treten höchstens auf, wenn Ihr versehentlich aus dem Bildschirmrand und damit aus der Szene hinausläuft. Dann landet Ihr nämlich in dem vorherigen oder dem folgenden Raum und werdet kurz aus dem Geschehen herausgerissen. Das sollte aber nur selten passieren und stellt auch keinen allzu großen Störfaktor da.
Schon in den ersten Kapiteln kommt die Frage auf, ob jede Menge lange Kämpfe auf Dauer nicht zu monoton werden. Kann das Spiel auch auf lange Sicht motivieren? Diese Frage ist mit einem klaren „Ja, kann es!“ zu beantworten. Den Entwicklern ist es nämlich gelungen jedes Mal dann neue Attacken verfügbar zu machen, wenn gerade die Gefahr von Monotonie aufkommt. Schriftrollen statten Euch mit neuen Techniken aus. Mit einer davon schnappt Ihr Euch beispielsweise einen Gegner und springt mit ihm in die Luft, um ihn dann blitzschnell auf unschöne Art und Weise wieder mit dem Boden bekannt zu machen. Noch mehr Spaß kommt durch den Einsatz von Zaubern auf. Diese sind zwar nur begrenzt einsetzbar, räumen aber so richtig auf. Feuerbälle lassen sich mit dem Stylus über den Bildschirm bewegen, Wirbelstürme richten große Verwüstung an und Blitze zucken mit verheerenden Folgen über den Bildschirm. Um einen Zauberspruch auszuführen, muss aber erst einmal ein Zeichen auf dem Touchscreen nachgezeichnet werden. Das muss zwar innerhalb eines Zeitlimits geschehen, das aber so lang ist, dass es keine Probleme geben sollte.

Manchmal lassen sich Zauber und Kampftechniken in den Abschnitten finden, die meisten müssen aber bei dem Händler Muramasa gekauft werden. Das Geld dafür ist eine freundliche Spende besiegter Gegner, die abgesehen davon auch Lebensengerie hinterlassen. Diese füllt dann eure in Mitleidenschaft gezogene Lebensleiste wieder auf, für die Muramasa in seinem Laden auch Verlängerungen anbietet, dank denen Ihr immer mehr einstecken könnt. Diese sind auf jeden Fall ihr Geld wert, genauso wie Verbesserungen eures Schwertes, das so zu einer immer mächtigeren Waffe wird. Ihr solltet den Händler also immer wieder aufsuchen, der in Ryus Heimatdorf wartet. Dort trefft Ihr auch auf viele andere Charaktere, die gute Ratschläge verteilen oder Euch Glück für euer Abenteuer wünschen. Das Dorf lässt sich auch im späteren Spielverlauf durch Portale bequem erreichen, ohne dass irgendwelche Laufwege nötig wären.
Neue Zauber und Kampftechniken bringen also Abwechslung in die Kämpfe, genauso wie die verschiedenen Gegnertypen, die mal mit Geschossen, mal mit riesigen Äxten und mal mit magischen Fähigkeiten ausgestattet sind. Dazu kommen noch Auflockerungen abseits der Kämpfe. Dazu zählen kleine Sprungpassagen, aber auch Rätsel. Bei letzteren kommt manchmal auf da Mikrofon zum Einsatz, beispielsweise um anfangs den schlafenden Murasama durch Rufe zu wecken. Bei vielen Denkaufgaben ist aber auch der Einsatz von Zaubern der Schlüssel zum Erfolg. Scheinbar unüberwindbare Spinnennetze geben nach einem Feuerzauber versperrte Wege schnell wieder frei.
So zieht Ihr also durch die abwechslungsreichen Abschnitte, die unter anderem durch ein dunkles Kloster, eine feurige Hölle und ein unterirdisches Mausoleum führen. Ihr bestreitet viele Kämpfe, bewältig seltene Sprungpassagen, bestreitet viele Kämpfe, löst kleinere Rätsel und bewältig wieder unzählige Kämpfe. Dabei werdet Ihr jedes Mal einen Freudenschrei ausstoßen, wenn Ihr einen Speicherpunkt sichtet. Dieser dient nämlich nicht nur dem Sichern des Spielstandes, sondern auch dem Auffüllen der magischen Energie und der stark strapazieren Lebensleiste. Positiv fällt dabei die absolut faire Verteilung der Speicherpunkte auf. Immer wenn Ihr einen besonders harten Kampf geschafft habt oder eine besonders fordernde Herausforderung vor Euch liegt, sind diese hilfreichen Speicherpunkte in Form von Drachenstatuen zur Stelle und ermöglichen einen frustfreien Spielablauf.

Zu diesen erwähnten besonders fordernden Herausforderungen zählen manchmal auch die Bosskämpfe am Ende jedes Levels. Aber eben nur manchmal, denn nur zwei oder drei der gewaltigen Gegner werden Euch richtig in Schwitzen bringen. Die meisten anderen sehen zwar genauso spektakulär aus, sind aber lächerlich einfach in die Knie zu zwingen. Bei einigen reicht pausenloses Zuschlagen durchaus aus, was einfach nicht sein dürfte. Die Bosskämpfe sind somit leider ein Schwachpunkt des Spiels. Härtere Gegner hätten das Erlebnis noch einmal bereichern können.
Neue Maßstäbe
Unzählige Kämpfe müssen überstanden werden, bevor der Abspann über den Bildschirm flimmert. Das liegt aber an der großen Gegnerdichte und nicht am Umfang. Dieser ist mit 13 Kapiteln die zwischen 20 und 40 Minuten in Anspruch nehmen nämlich deutlich zu gering ausgefallen. Das Abenteuer mag zwar imposant ja sogar episch sein, nach sechs oder sieben Stunden ist es aber leider schon vorbei, was einfach viel zu früh ist.
Immerhin wird nach dem Durchspielen ein höherer Schwierigkeitsgrad verfügbar, der einen Anreiz für einen zweiten Durchlauf gibt. Eine Einladung, die Ihr gerne annehmen werdet. Schließlich juckt Euch nach dem ersten Durchgang noch der Kampfwille in den Fingern. Nach dem Abspann wird außerdem ein Menüpunkt mit Preisen verfügbar. Hier könnt Ihr im Spiel gesammelte Holzamulette gegen Boni eintauschen. Dabei handelt es sich um Zwischensequenzen und Charakterprofile, aber auch um Tagebucheinträge von Nebenpersonen, die eine neue Perspektive auf das Geschehen geben oder unterhaltsame Gedanken offenbaren.
Motivierend ist für weitere Durchgänge auch ein Online-Ranking. Durch die Kämpfe und gelungene Aktionen sammelt Ihr Karma-Punkte. Der Punktestand wird mit denen aller anderen Spieler verglichen, um die Frage zu klären, wer der beste Ninja ist, der jemals den Doppelbildschirm unsicher machte.

Doch kommen wir noch einmal zur Behauptung zurück, dass Ihr ein Spiel, das so aussieht, auf dem Nintendo DS noch nicht gesehen hättet. Diese trifft nämlich nicht nur auf die kaum noch zu überbietenden Action zu, sondern ist auch wörtlich zu verstehen. Die Grafik des Spiels setzt nämlich neue Maßstäbe auf dem Nintendo DS. Tolle Charaktermodelle, werden von Hintergründen übertroffen, die die Hardware an ihr Limit treiben. Das Geheimnis dahinter sind vorgerenderte Hintergründe, die das Spiel allerdings nicht fühlbar einschränken und somit eine Ausgezeichnete Wahl der Entwickler waren.
Gekörnt wird das ganze noch von spektakulären Effekten. Diese sind einerseits akustischer Natur. Mitreißende Musik aus den Lautsprechern untermalt die Action auf dem Bildschirm ausgezeichnet und die gelungene Geräuschkulisse aus Kampfschreien und Schwerthieben erzeigt eine dichte Atmosphäre. Sogar ein paar japanische Wörter haben ihren Weg ins Spiel gefunden. Natürlich gibt es aber auch zahlreiche optische Effekte, die regelmäßig den ganzen Bildschirm erstrahlen und ein Fest für die Augen sind. Sowas habt Ihr auf dem Nintendo DS wahrlich noch nicht gesehen.
Sascha Geldermann meint...
Ninja Gaiden DS sieht beeindruckend aus, steuert sich fantastisch und macht auch noch jede Menge Spaß. Die Action in den zahlreichen Kämpfen ist durch keinen Superlativ mehr zu beschreiben und reißt den Spieler bis zum verfrühten Ende einfach mit. Somit gehört dieses Spektakel, trotz kleiner Schwächen, zu den imposantesten und unterhaltsamsten Spielen des Nintendo DS.
Ninja Gaiden DS sieht beeindruckend aus, steuert sich fantastisch und macht auch noch jede Menge Spaß. Die Action in den zahlreichen Kämpfen ist durch keinen Superlativ mehr zu beschreiben und reißt den Spieler bis zum verfrühten Ende einfach mit. Somit gehört dieses Spektakel, trotz kleiner Schwächen, zu den imposantesten und unterhaltsamsten Spielen des Nintendo DS.

GRAFIK
Die Grafik setzt auf dem Nintendo DS neue Maßstäbe.
Die Grafik setzt auf dem Nintendo DS neue Maßstäbe.

SOUND
Der Sound passt super zum Kampfgeschehen.
Der Sound passt super zum Kampfgeschehen.

BEDIENUNG
Viel besser könnte die Steuerung nicht von der Hand gehen.
Viel besser könnte die Steuerung nicht von der Hand gehen.

UMFANG
Das Abenteuer ist sehr kurz. Zumindest gibt es aber ein Online-Ranking, das für Motivation sorgt.
Das Abenteuer ist sehr kurz. Zumindest gibt es aber ein Online-Ranking, das für Motivation sorgt.
SPIELSPASS
Actionreiche Spaßgranate mit beeindruckender Technik.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Actionreiche Spaßgranate mit beeindruckender Technik.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel