Etrian Odyssey
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 23.06.2008
Abenteurer aus aller Welt pilgern nach Etria, seitdem in der Nähe dieser Stadt ein unterirdisches Labyrinth entdeckt wurde. Viele haben sich schon Ruhm und Reichtum versprochen, fanden dann aber nichts als den Tod. Das hält Euch aber nicht davon ab, ebenfalls zu diesem mysteriösen Ort zu reisen, um dessen Geheimnis zu lüften.
Die richtige Vorbereitung
In der Stadt angekommen, gründet Ihr erst einmal eine Gilde. Allein in das Labyrinth aufzubrechen, wäre nämlich reiner Selbstmord. Dann könnt Ihr junge Abenteuer in eure Gilde aufnehmen, was die Erstellung von eigenen Charakteren bedeutet. Dabei ist eine vielseitige Gruppe der Weg zum Erfolg. Sechs Klassen stehen von Anfang an zur Auswahl, wie der Landsknecht mit seiner Erfahrung im Schwertkampf oder der Fährtenleser, der zielsicher mit Pfeil und Bogen umgeht. Unverzichtbar ist aber auf jeden Fall auch der Medicus, der die Wunden der Gefährten heilen kann.

Ihr dürft so viele Mitglieder in eure Gilde aufnehmen, wie Ihr wollt. Mit auf die Reise dürfen aber nur maximal fünf. Diese bringt Ihr vor der Abreise noch in die richtige Formation. In der vorderen Reihe teilen die Kämpfer mehr Schaden aus, müssen aber auch mehr einstecken. Magier und Heiler mit schwachem Angriff und dürftiger Abwehr sind also in der hinteren Reihe besser aufgehoben.
Nachdem die Gruppe steht, solltet Ihr Euch auch noch ein bisschen in der Stadt umsehen. Auf dem Touchscreen könnt Ihr einfach wichtige Anlaufpunkte auswählen, zu denen Ihr Euch dann direkt begebt. Während Euch die Apotheke mit Heilkräutern versorgt, findet Ihr auf dem Basar Waffen, Rüstungen und andere Items. Als Ihr dann die Hallen zu Radha betretet, wird Euch eine erste Bewährungsprüfung gestellt. Ihr sollt eine Karte von der ersten Ebene des Labyrinths anfertigen. Also los geht´s. Mit einem kurzen Umweg über den Gasthof, der einzige Speicherpunkt des Spiels, begebt Ihr Euch zum geheimnisvollen Labyrinth.
Abenteuer im Labyrinth
Im Labyrinth angekommen entfaltet sich auf dem oberen Bildschirm die 3D-Umgebung, während der Touchscreen eine recht unvollständige Karte zeigt. Doch euer erster Auftrag ist es ja schließlich, diese zu füllen. Das solltet Ihr gleich als Übung ansehen, da sich das Kartieren bald als ein wichtiges Element herausstellt. Das ganze läuft zum Glück einfach und bequem ab. Fertige Felder sind auf dem Papier schließlich schon vorhanden, die jeweils einen Schritt markieren. Ihr müsst mit dem Stylus nun nur noch die Wände einzeichnen, sowie Symbole für besondere Gefahren oder Schatztruhen einfügen. Somit ergibt sich nach und nach eine übersichtliche Karte, die Euch gute Dienste leistet. Das selbständige Kartieren stellt daher ein interessantes Feature dar, das so einfach von der Hand geht, dass es nie zu nerven anfängt.

Während Ihr eure ersten Schritte in das Labyrinth wagt, seht Ihr auf der Karte auch Monster herumwandern. Sie machen immer dann einen Schritt, wenn Ihr auch einen macht. Wer darauf achtet und sich geschickt anstellt, kann vielen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen. Manche Kämpfe sind aber unvermeidlich. Dann stürzt sich eine Horde wilder Kreaturen auf eure Recken, das Geschehen auf dem Bildschirm wechselt und Ihr befindet Euch mitten in einen Kampf auf Leben und Tod.
Die Auseinandersetzungen laufen rundenbasiert ab. Seid Ihr am Zug, wählt Ihr zwischen Angriff, Verteidigung, Items oder Fähigkeiten. Die Fähigkeiten werden nach und nach erlernt und sind Abhängig von der Klasse des Charakters. Kämpfer erhalten neue Angriffe, Alchemisten Zaubersprüche und Medici effektivere Heilzauber. Erteilt Ihr kluge Befehle und gehen eure Kämpfer als Sieger hervor, erhaltet Ihr Items und Erfahrungspunkte. Da die Gegner oft in großen Gruppen auftreten und nicht selten übertrieben stark sind, lassen sich Niederlagen manchmal aber einfach nicht vermeiden. Das bedeutet dann aber leider den Neustart in der Stadt und den Verlust aller Fortschritte seit dem letzten Speichern. Zumindest bleiben aber die Kartendaten vorhanden, sodass das Kartieren nie vergeudete Mühe war.
Tausend Tode
Wer ein Rollenspiel erst dann richtig interessant findet, wenn er tausend Tode stirbt, wird mit Etrian Odyssey gut bedient. Für alle anderen werden vor allem die ersten Spielstunden aber zur Belastungsprobe. Wer hier überleben möchte, sollte nie allzu lange im Labyrinth bleiben, sondern immer wieder zum Ausruhen, Einkaufen und Speichern in die Stadt zurückkehren. Der verdammt hohe Schwierigkeitsgrad trübt den Spielspaß somit ein bisschen und stellt den größten Kritikpunkt des Spiels dar. Das eigentliche Problem ist es, dass das Sammeln von Erfahrungspunkten und der daraus resultierende Level-Aufstieg einfach zu lange dauern. Sobald eure Abenteurer erst einmal ein gewisses Maß an Stärke gewonnen und viele nützliche Eigenschaften erlernt haben, wird das Spiel ein ganzes Stück einfacher. Aber auch dann werdet Ihr den Game Over-Bildschirm noch öfters sehen als Euch lieb ist. Wer schweren Spielen noch nie etwas abgewinnen konnte, sollte dem Labyrinth von Etria also lieber fern bleiben.

Wenn Ihr aber der hohen Belastung standhaltet und von Videospielen gerne gefordert werdet, wird es für Euch so schnell kein Entkommen aus dem Labyrinth geben. Nicht weil die Gefahr des Verlaufens so groß ist, sondern weil das Rollenspiel einfach mitreißt. Das liegt schon an der stimmungsvollen Erzählungsweise. Sprachausgabe gibt es zwar nicht, dafür wird Euch erzählt, wie Ihr den Weg zu einem Ort antretet oder wie sich andere Personen Euch gegenüber verhalten. Als Ihr zum Beispiel einen Soldaten fragt, was er im Labyrinth mache, wird dessen Antwort von diesem Hinweis begleitet: „Der Soldat überlegt kurz und antwortet dann zögerlich“. Das erweckt manchmal den Eindruck, als würdet Ihr dem Meister eines Pen&Paper-Rollenspieles lauschen.
Für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgen aber auch die ruhigen Melodien im Hintergrund. Sie passen einfach zu diesem epischen Rollenspiel und bilden eine gelungene Begleitung bei der Erforschung des Labyrinths. Die Optik überzeugt leider weniger. Die 3D-Umgebung im Labyrinth bietet wenig Abwechslung und kaum Details. Wesentlich schlimmer ist aber die Gestaltung der Monster. Diese sind in 2D gehalten und erinnern ein bisschen an die ersten Pokémon-Spiele, was völlig deplatziert wirkt.
Komplexe Möglichkeiten
Neben der mitreißenden Atmosphäre gibt es noch mehr Gründe dafür, dass Euch das Rollenspiel problemlos länger als 20 Stunden in seinen Bann zieht. Dazu gehören zum einen die vielfältigen Aufträge, die Euch gestellt werden. Sicherlich aber auch die interessanten Ideen die in dem Spiel stecken. Das Kartieren ist nur eine davon. Eine andere ist die Moral, die als Punkte in den Kämpfen gewonnen werden kann. Habt Ihr ein bestimmtes Maß an Moral gewonnen, stärkt das eure gesamte Truppe, die dann besonders erfolgreich gegen die Angreifer vorgeht.

Viel Zeit könnt Ihr aber auch in die komplexe Charakterentwicklung stecken. Die Figuren verbessern nicht nur Level für Level ihre Attribute, sondern verdienen auch Fähigkeitspunkte, die sich dann eben in ihre Fertigkeiten investieren lassen. Dabei eröffnen sich Euch weitreichende Möglichkeiten. Sobald Ihr eine Fähigkeit gefördert habt, werden dadurch nämlich oft auch neue zugänglich, in die Ihr dann ebenfalls Punkte investieren könnt. Wer seinen Alchemisten in Feuermagie schult, darf nach einiger Zeit somit auch ganz bestimmte Feuer-Zauber fördern.
Rollenspiel-Fans können sich hier also so richtig ausleben. Und wenn Ihr einen Charakter erst einmal zu einem unbesiegbaren Helden gemacht habt, dürft Ihr diesen auch gerne in Rente schicken. Dann erstellt Ihr Euch einfach eine neue Figur, die Ihr dann wieder mit stundenlanger Beschäftigung aufzieht. Attraktiv wird das vor allem durch die verschiedenen Klassen. Vor allem, da im weiteren Spielverlauf noch weitere besonders interessante Klassen verfügbar werden. Dank so einer Motivation kehrt Ihr garantiert immer wieder in das Labyrinth zurück, ganz egal wie oft Ihr an ihm auch verzweifeln mögt.
Sascha Geldermann meint...
Der hohe Schwierigkeitsgrad macht Etrian Odyssey vor allem anfangs zu einer harten Belastungsprobe. Wer dieser standhält wird sich von diesem Rollenspiel mit seiner stimmungsvollen Atmosphäre und komplexen Möglichkeiten aber lange Zeit nicht mehr losreißen können.
Der hohe Schwierigkeitsgrad macht Etrian Odyssey vor allem anfangs zu einer harten Belastungsprobe. Wer dieser standhält wird sich von diesem Rollenspiel mit seiner stimmungsvollen Atmosphäre und komplexen Möglichkeiten aber lange Zeit nicht mehr losreißen können.

GRAFIK
Die 3D-Umgebung sieht nett aus, das Gegner-Design ist aber einfach nur schrecklich.
Die 3D-Umgebung sieht nett aus, das Gegner-Design ist aber einfach nur schrecklich.

SOUND
Die Melodien passen stets zum Geschehen.
Die Melodien passen stets zum Geschehen.

BEDIENUNG
Die Steuerung geht gut von der Hand und das Zeichnen eigener Karten ist ein interessantes wie hilfreiches Feature.
Die Steuerung geht gut von der Hand und das Zeichnen eigener Karten ist ein interessantes wie hilfreiches Feature.

UMFANG
Das Abenteuer wird euch viele Stunden beschäftigen.
Das Abenteuer wird euch viele Stunden beschäftigen.
SPIELSPASS
Komplexes Rollenspiel für die ganz harten Spieler.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Komplexes Rollenspiel für die ganz harten Spieler.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel