Trauma Center: Under the Knife
Artikel verfasst von Gennaro Grippo am 24.05.2008
Im Laufe der Jahre hat die Medizin große Fortschritte gemacht. Während Tumore einst den Tod bedeuteten, sind heutzutage die Genesungschancen deutlich höher. Was jedoch der Medizin heute Kopfzerbrechen bereitet, ist der gefährliche HI-Virus. In „Trauma Center: Under the Knife“, welches im Jahre 2018 spielt, gehört selbst diese schreckliche Krankheit der Vergangenheit an. Dennoch, die Menschheit ist mit einer neuen Bedrohung konfrontiert: medizinischer Terrorismus. Ein Virus, welches unter den Namen GUILT (Generelle Utropin Immun Latenz Toxizität) bekannt ist, gefährdet das Leben zahlreichen Menschen. Das größte Problem? Wie heilt man eine Krankheit, von der man nichts weiß...
Gestatten, Dr. Stiles!
In „Trauma Center: Under the Knife“ schlüpft Ihr in die Rolle von Dr. Derek Stiles, einem frischgebackenen Chirurgen am Hope Krankenhaus in Angeles Bay. Er hat gerade sein praktisches Jahr abgeschlossen und fiebert sehnsüchtig seiner Vollzeitbeschäftigung entgegen. Und er braucht auch gar nicht lange zu warten, denn die erste Operation steht bereits in den Startlöchern: Als er gerade eine Runde drehen wollte, begegnet er Schwester Fulton. Ein Patient wurde eingeliefert mit starken Schmerzen am Oberarm. Das OP-Briefing bescheinigt einen stabilen Zustand, mehrere Schnittwunden und Fremdkörper im rechten Oberarm. Wir dürfen keine Zeit verlieren, also widmen wir uns sofort der Operation. Auf den ersten Blick erkennen wir Glassplitter, sowie offene Wunden. Letzteres können wir mit einer Nadel zunähen. Die Glassplitter entfernen wir sanft mit einer Pinzette. Nun müssen wir einen Blick ins Innere werfen, kurz antibiotisches Gel aufgetragen und mit einem Skalpell zum Schnitt anlegen. Es erwarten uns weitere Splitter, die mühelos mit der Pinzette entfernt werden. Anschließend Gel auftragen zur Desinfektion, Wunde zunähen und Verband auflegen. Voilà, die erste Operation war ein Meisterwerk. Was sagt das OP-Ergebnis? Nur Rang C, Jung-Arzt? Damit geben wir uns nicht zufrieden...

In den Operationen habt Ihr die volle Kontrolle über Dr. Stiles. Doch alleine würdet Ihr schnell überfordert sein und womöglich den ein oder anderen Patienten auf den OP-Tisch verlieren. Zum Glück steht Euch eine OP-Schwester tatkräftig zur Seite und versorgt Euch mit allen nötigen Informationen. Jedoch solltet Ihr Euch nicht zu sehr an diese klammern, denn Hilfe erfahrt Ihr lediglich in den ersten Operationen. Im Verlauf des Spiels werdet Ihr zunehmend auf Euch alleine gestellt. Deshalb gilt es immer sorgfältig die Ratschläge der Schwester zu beherzigen und aus Fehlern zu lernen. Unterlaufen Euch während der OP zu viele Fehler, scheidet Euer Patient dahin. Im Großen und Ganzen reicht es eine ruhige Hand zu haben und einen kühlen Kopf zu bewahren, dann kann Euch nichts so schnell aus der Fassung bringen. Ihr habt schon einmal den Vorteil, Euch lediglich um die Operation zu kümmern. Eine Diagnose oder ein Bluttest braucht Ihr nicht durchführen, das OP-Briefing liefert Euch alle wichtigen Informationen zur bevorstehenden Aufgabe. Das Leben als Chirurg wäre wirklich schön, wenn man lediglich paar Wunden zunähen und einige Fremdkörper entfernen müsste. Doch die wahren Herausforderungen warten noch auf Euch.
Die Waffen eines Chirurgen
In den Operationen habt Ihr Zugriff auf insgesamt zehn Instrumente: Laser, Antibiotisches Gel, Drainage-Pumpe, Zange, Hand, Scanner, Skalpell, Nadel, Spritze und Verband. Das antibiotische Gel, die Zange, das Skalpell und die Nadel sowie den Verband habe ich Euch bereits anhand der ersten Operation in „Trauma Center: Under the Knife“ näher gebracht. Der Laser kommt beim Verbrennen von Tumoren oder Viren zum Einsatz. Um diese im Körper des Patienten zu lokalisieren, ist der Scanner ein hilfreiches Werkzeug. Die Drainage-Pumpe hingegen wird eingesetzt, wenn überflüssiges Blut abgesaugt werden muss. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass Ihr von Zeit zu Zeit Spritzen verabreichen müsst. Hierdurch könnt Ihr die flüssigen Medikamente direkt auf die Problemstelle injizieren oder den Zustand des Patienten stabilisieren, falls dessen Puls gegen Null fällt. Sollte dies der Fall sein, ist Game Over angesagt. Dasselbe gilt übrigens auch bei Fehlern. In den Anfangs-Operationen mag man hierüber noch schmunzeln, doch mit der Zeit werdet Ihr und der Game Over – Bildschirm richtig gute Freunde. Der Schwierigkeitsgrad nimmt nahezu exponentiell zu, der Kampf gegen GUILT ist eine wahre Qual – für die Patienten und Euch.

In einem richtigen OP-Saal unterstützen Euch Anästhesist, Kardiologe, Assistent-Arzt und Schwestern. Bei „Trauma Center: Under the Knife“ kommt Ihr Euch wirklich alleine vor. Zwar werden Tipps und Hinweise weitergegeben, im Ganzen liegt der Verlauf der OP jedoch an Euch. Ihr müsst demnach nicht nur hinsichtlich der Operation konzentriert sein, sondern auch stets den Zustand des Patienten im Auge behalten. Teilweise können marginale Fehler zu einem abrupten Fall des Pulses führen, jegliche Rettungsmaßnahme kommt in solch einem Fall zu spät. Je nach Beschwerde können auch andere Komplikationen auftreten. Der allererste Kontakt mit der Krankheit GUILT wird Euch die Augen öffnen: Kleine Parasiten schwirren im Körper des Patienten herum und zerstören im Sekundentakt Arterien und Gewebe. Während wir also beim Behandeln einer Wunde sind, treten weitere Wunden auf. Kaum behandeln wir diese kommen andere Wunden zum Vorschein. Dadurch bleibt uns kaum die Zeit das eigentliche Problem zu stoppen, nämlich den Virus. Erfreulicherweise besitzt Dr. Derek Stiles eine einmalige Fähigkeit, die den OP-Saal in die Matrix versetzt: Die Heilende Hand.
Operationen in Zeitlupe
Wie bereits erwähnt können Komplikationen während einer Operation auftreten, und den Zustand des Patienten gefährden. Um der Herausforderung Herr zu werden, verfügt Dr. Derek Stiles über die Heilende Hand. Dem Namen zufolge müsste man annehmen, dass eigentlich alle Chirurgen solch eine Hand haben sollten, doch in „Trauma Center: Under the Knife“ verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung etwas anderes. Mit der Heilenden Hand kann Dr. Stiles nämlich die Zeit verlangsamen, während Eure Aktionen jedoch weiterhin in Echtzeit ablaufen. Um die Heilende Hand zu benutzen, klickt Ihr lediglich zweimal auf das Hand-Symbol unten links auf dem Touchscreen. Es wird nun ein Stern eingeblendet, den Ihr mit dem Touchpen nachzeichnen müsst. Ist die Heilende Hand aktiviert, operiert es sich schon wesentlich lockerer. Auch Fehler werden Euch unter dieser Bedingung seltener unterlaufen. Dies hat wiederum zur Folge, dass Euer OP-Ergebnis besser ausfällt. Doch keine Panik, falls Ihr nur Rang C erreichen solltet. Zum Einen ist der Patient auf jeden Fall gerettet, zum anderen gibt es im Hauptmenü zusätzlich zum Story-Modus eine Arcade-Variante namens Operationen. Hier dürft Ihr alle Operationen noch einmal Revue passieren lassen und Euch gegebenfalls verbessern, sprich mit einem besseren Rang abschneiden.

„Trauma Center: Under the Knife“ ist einzigartig und in dieser Form wirklich nur auf dem Nintendo DS möglich. Dreh- und Angelpunkt ist der Touchscreen, anhand dessen Ihr Eure Operationen bewältigt. Am oberen Rand könnt Ihr den Zustand des Patienten anhand der Farbe des Elektrokardiogramms, sowie des Pulsschlags einsehen. Rechts und links sind jeweils fünf Instrumente mit Icons gelistet, die je nach zu bewältigender Problematik durch simples Anklicken benutzt werden können. Im Herzen des Touchscreens seht Ihr dann die Organe, die übrigens in 3D modelliert wurden. Im Großen und Ganzen wird dadurch und durch die Verwendung der chirurgischen Instrumente ein recht glaubwürdiges OP-Setting präsentiert. Jedoch sollte man keinesfalls glauben, dass beispielsweise ein Tumor lediglich durch ein Laser entfernt wird. Die Aufgabe eines Chirurgen ist weitaus komplexer und schwieriger, als uns „Trauma Center: Under the Knife“ Glauben lassen möchte, dem Spielspaß stört es nicht.
In technischer Hinsicht ist „Trauma Center: Under the Knife“ um ehrlich zu sein ein zweischneidiges Schwert: Einerseits faszinieren die recht glaubwürdigen Operationen, sowie der detaillierte Manga-Stil, der in Standbildern die Story vorantreibt. Darüber hinaus weiß ebenfalls die Steuerung zu begeistern. Enttäuscht darf man hingegen über den recht hohen Schwierigkeitsgrad und der schwachen Musikuntermalung sein. Zwar wechseln sich einige Musiksamples situationsabhängig ab, werden bei dramatischen Momenten im OP-Saal schneller und der rapide Pulsschlag des Patienten trägt ebenfalls seinen Teil zur Atmosphäre bei, alles in allem jedoch nichts Weltbewegendes. Es passt zwar allemal zur Thematik, doch man dürfte ruhig mehr fürs Ohr erwarten. Eine Sprachausgabe hat es zum Beispiel in „Trauma Center: Under the Knife“, was äußerst textlastig ist, nicht geschafft. Ab und zu hört man zwar die Schwester „Dr. Stiles“ durch die Räume rufen, aber das war es im Prinzip auch.
Gennaro Grippo meint...
„Trauma Center: Under the Knife“ ist nicht nur eine weitere Bereicherung für den Nintendo DS, nebenbei hat Entwickler Atlus auch das Genre der Arztspiele erschaffen. Die Operationen kommen äußerst glaubwürdig daher, die Dramatik ist gut eingefangen. Technisch hinkt das Spiel etwas hinter seinen Möglichkeiten hinterher, beweist jedoch ein weiteres Mal, dass Spielspaß wichtiger ist als Grafik.
„Trauma Center: Under the Knife“ ist nicht nur eine weitere Bereicherung für den Nintendo DS, nebenbei hat Entwickler Atlus auch das Genre der Arztspiele erschaffen. Die Operationen kommen äußerst glaubwürdig daher, die Dramatik ist gut eingefangen. Technisch hinkt das Spiel etwas hinter seinen Möglichkeiten hinterher, beweist jedoch ein weiteres Mal, dass Spielspaß wichtiger ist als Grafik.

GRAFIK
Größtenteils vorgefertige Grafiken und Dialoge, die Operationen sehen aber fein aus
Größtenteils vorgefertige Grafiken und Dialoge, die Operationen sehen aber fein aus

SOUND
Klassische Krankenhaus-Soap Melodien, die durchaus zu gefallen wissen aber keine Freudensprünge auslösen
Klassische Krankenhaus-Soap Melodien, die durchaus zu gefallen wissen aber keine Freudensprünge auslösen

BEDIENUNG
Der Touchscreen dominiert auf ganzer Linie, die OPs gehen leicht und präzise von der Hand
Der Touchscreen dominiert auf ganzer Linie, die OPs gehen leicht und präzise von der Hand

UMFANG
Zahlreiche, unterschiedliche Operationen gepaart mit typischen Krankenhaus-Dilemmas zwischen Ärzten und Krankenschwestern
Zahlreiche, unterschiedliche Operationen gepaart mit typischen Krankenhaus-Dilemmas zwischen Ärzten und Krankenschwestern
SPIELSPASS
Trauma Center zeigt nicht nur gekonnt was man aus dem Nintendo DS machen kann, sondern erschafft nebenbei ein völlig neues, unterhaltsames Genre
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Trauma Center zeigt nicht nur gekonnt was man aus dem Nintendo DS machen kann, sondern erschafft nebenbei ein völlig neues, unterhaltsames Genre
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel

Genre
Adventure
Entwickler
Atlus
Publisher
Nintendo
Releasedatum
27.04.2006
USK-Freigabe

» Weitere Infos zum Titel
Adventure
Entwickler
Atlus
Publisher
Nintendo
Releasedatum
27.04.2006
USK-Freigabe

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