Speed Racer
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 18.05.2008
Man nehme: halsbrecherische Strecken, schnelle Autos, sensationshungrige Fans und eine Menge Korruption, mische das ganze mit einer Knallbunten Bonbon Grafik und gebe als letzte Zutat noch die Lizenz eines Filmes der Wachowski-Brüder dazu. Und was dabei rauskommt, ist keines falls ein weiteres Matrix Spiel, sondern das Spiel zum neusten Rennspektakel in den Kinos: Speed Racer. Und ausnahmsweise handelt es sich nicht nur um ein bloßes Lizenzprodukt um auf der Erfolgswelle des Filmes mit zuschwimmen.
Benzin im Blut und Bleifuß am Gas
Ein junger, aufstrebender Rennfahrer, natürlich mit dem Nachnamen "Racer", steht ganz alleine gegen Korruption, Schmiergelder und Verrat - und das alles auf der Rennstrecke - natürlich nicht zu vergessen die große Portion Liebe. So könnte man den Film "Speed Racer" beschreiben. Und natürlich kommt zu diesem Spektakel ein Spiel. Und dennoch steckt hinter Speed Racer - The Videogame weitaus mehr als eine Adaption der Geschichte für die Hosentasche zum selberspielen. Hinter dem Titel verbirgt sich der Ansatz zu einem wirklich gelungenem Funracer, dem es nur an etwas mehr Feintuning gefehlt hätte. Aber was steckt genau hinter den 500 km/h starken Boliden?

Eins vorweg, Speed Racer ist ein reinrassiges Rennspiel. Bis auf die Fahrer und einige der Streckenumgebungen hat das Spiel nicht viel mit dem Film gemeinsam, es gibt also keine Story rund um Speed, seine Familie oder seine Gegner.
Auf insgesamt 19 Kursen in 7 Verschiedenen Umgebungen gilt es, möglichst schnell über halsbrecherische Strecken zu heizen und dabei dann noch gekonnt Stunts zu vollführen und unsere Gegner mit dem sog. "Car-Fu" auf die hinteren Plätze zu befördern.
Das aus anderen Rennspielen, zum Beispiel Mario Kart DS, bekannte Cup-System kommt auch bei Speed Racer zum Einsatz. Insgesamt stehen im Spiel 7 Wettbewerbe zur Verfügung, 6 Davon mit jeweils 3 Kursen, und ein großes Finale. Diese Wettbewerbe können wir dann noch einmal in 3 Verschiedenen Schwierigkeitsgraden meistern. Für genug Umfang ist also, zumindest im Singleplayer, gesorgt.
Ein Sprung bei Mach-3
Das Spiel selbst läuft erstaunlich flüssig über den Bildschirm, und das trotz recht ansehnlicher 3D-Grafik. In jedem Rennen gibt es 6 Widersacher, die wir natürlich möglichst weit hinter uns lassen müssen. Und das ist nicht immer ganz so einfach, denn alle sind recht gut im Fahren und machen es uns schon im niedrigsten Schwierigkeitsgrad recht schwer, an ihnen vorbei zu kommen. Dafür gibt es allerdings andere Möglichkeiten: das Car-Fu.
Hinter Car-Fu versteckt sich sozusagen die Kunst, mit dem Auto zu Kämpfen. Das geht auf Verschiedene Art und Weisen, jedoch ist die einfachste, auf einen Gegner aufzufahren, um ihn, sobald das "B" über ihm erscheint, in einem Minispiel aufs Dach zu hüpfen, was ihn dann natürlich aus der Bahn wirft. In diesem Minispiel müssen wir dann einfach rechtzeitig entweder den X oder den Y Knopf drücken, um unseren "Button" näher am Mittelkreis zu Positionieren, als der unseres Widersachers.
Die andere Möglichkeit ist es einfach, sich, wenn ein Gegner nah genug ist, schnell in der Luft zu drehen und ihn so gegen die Bande zu befördern. Jedoch wird die Minispiel Methode in jedem Fall öfter zum Einsatz kommen. Aber egal welche Methode ihr wählt, bei Erfolg gibt es satte Fanpunkte. Fanpunkte? Ja, denn bei Speed Racer geht es nicht einfach nur darum, zu gewinnen und möglichst gute Zeiten hinzulegen. Vielmehr müssen wir, während wir über die leider recht unübersichtlichen Kurse heizen, diverse Tricks, Stunts und eben Car-Fus durchführen. Je spektakulärer ein Trick, desto mehr Fans gewinnen wir, und am Ende eines Events (= 3 Rennen) werden die insgesamt gesammelten Fans zusammengerechnet und neue Strecken, Fahrer oder Events freigeschaltet. Zwar ist es kaum möglich, nicht mindestens bei jedem zweiten Sprung mindestens einen Salto oder eine Drehung in der Luft hinzulegen, oder einen spektakulären Drift hinzulegen, aber dennoch wächst die Herausforderung bei jedem neuen Extra, denn die "Preise" für selbige wachsen später ins unermessliche. Außerdem werden uns für missglückte Tricks oder Car-Fus wieder Fans abgezogen.

Neben den Fans bekommen wir für alle "guten" Aktionen im Spiel nach und nach den Turbo aufgeladen. Dieser kann im ersten Stadium ganz normal als Geschwindigkeitsboost eingesetzt werden, geduldige Fahrer erhalten aber mit der Zeit eine zweite Leiste, und wenn diese Gefüllt ist, können wir in den Superturbo-Modus schalten. In diesem Modus fährt unser Wagen von alleine die Ideallinie entlang, bis der Turbo vollständig verbraucht ist. Wir brauchen nur noch Gas zu geben. Wenn uns dabei ein Gegner in die Quere kommt, wird er weggeschleudert, was uns wieder Fans einbringt. Allerdings wird das Spiel durch diese Features etwas zu einfach - zumindest in der Amateurliga.
Ein kleiner wehrmutstropfen im Spiel ist allerdings ein Teil der Fahrphysik. Zwar lassen sich die Autos durch rammen und auch nach dem landen nach einem Sprung recht gut aus der Bahn werfen (kurz: sie rutschen), aber andererseits kleben die massigen Boliden geradezu am Asphalt. Kleinere Fehler, wie die Möglichkeit, mitten in einem Looping stehen bleiben zu können, lassen das ansonsten recht nette Fahrgefühl doch etwas unprofessionell wirken. Ein weiterer kleiner einschnitt im Spiel ist, dass sich die Fahrzeuge kaum unterscheiden. Speed Racer's "Mach-5" Wagen ist der einzige wahre Allrounder im Spiel, alle anderen haben zwar klare Stärken, aber dafür auch nicht zu unterschätzende Schwächen - zumindest im Auswahlbildschirm. Denn vom Fahrgefühl unterscheiden sich die Wagen fast gar nicht. Außer, dass alle schlechter sind, als der Bolide von Speed Racer selbst.
Je mehr wir im WRL (World Racing League) Modus fahren, umso mehr strecken schalten wir frei, die wir dann auch im Arcademodus fahren können. Zudem können wir ein Stunt Event und ein Zeitrennen fahren. Im Stunt Event geht es darum, möglichst viele Fans mit den eben schon beschriebenen Aktionen zu gewinnen - und das Zeitrennen braucht man nicht wirklich erklären.
Großes Lob muss im Übrigen auch an das Streckendesign ausgesprochen werden. Zwar sind die Strecken selbst sehr verzwickt und unübersichtlich, aber dennoch bringt der Titel eine wahre Fülle von langen, spannenden Streckenelementen mit, an denen sich andere Rennspiele ein Beispiel nehmen können. Loopings, Spiralen, und teilweise mehrere 100 Meter lange Sprungschluchten sowie Speedpoints und Halfpipe-abschnitte machen jedes Rennen zu einem langen, aber niemals langweilig werdenden Rennspektakel.

Wie schnell fahren wir?
Optisch braucht sich der Lizenztitel nicht vor anderen Spielen wie Mario Kart verstecken, denn Speed Racer glänzt mit einer kunterbunten, knalligen 3D Optik, die zwar bei längeren Pausen etwas detailarm wirkt, aber dafür beim Fahren nette Bilder auf den Bildschirm zaubert. Einzig und allein der untere Bildschirm wird geradezu sträflich vernachlässigt, denn anstatt einer wirklich sinnvollen Minikarte sehen wir nur, wie nah bzw. weit weg unsere Gegner von uns sind, wie unsere Rundenzeit ist und wie viele Fans wir in diesem Rennen gewonnen haben. Aber vielleicht haben die Entwickler gemerkt, wie verzwickt und unübersichtlich ihr Streckendesign letztendlich geworden ist, und haben deshalb die Minikarten weggelassen.
Ein Weiteres Manko der Grafik ist leider auch, dass während des Spieles keinerlei Geschwindigkeitsgefühl auftritt. Zwar haben wir am unteren Rand eine Anzeige, die auch recht schnell auf um die 500 km/h aufschnellt, dennoch kommt es dem Fahrer meist nicht so vor, als würde er diese Geschwindigkeit auch wirklich im Spiel fahren.
So gut die Grafik dann doch ist, so "schlecht" der Sound. Zwar kann man nicht wirklich sagen, dass die Soundqualität schlecht ist, denn die Motoren und Fangeräusche und auch die Hintergrundmusik als einzelnes sind recht gut ausgefallen, allerdings ergibt alles zusammen ein ätzendes, hochfrequentes Rauschen. Die Motorengeräusche sind zu laut und die Hintergrundmusik geht darin unter und dröhnt nur als nerviges Hintergrundgeräusch aus den Lautsprechern. Und auch der Beifall, der kommt, wenn wir wieder einige Fans beeindruckt haben, klingt mehr wie das Schreien eines von der Strecke gejagten Gegners.

Die Steuerung ist wiederrum ganz gut ausgefallen. Das Steuerungsschema kennen wir bereits von anderen Rennspielen: mit A geben wir Gas, mit der linken Schultertaste driften wir, mit der anderen setzen wir den Turbo ein und mit B und X starten wir die Attacken. Besonders die Steuerung beim Minispiel "Car-Fu" geht besonders leicht von der Hand: ihr müsst nur den richtigen Knopf zur richtigen Zeit drücken, und schon jagt ihr den Fahrer vor euch von der Strecke - bzw. fallt auf ihn und bremst ihn so aus. Auch die Möglichkeiten, ein rutschendes Fahrzeug wieder in die richtige Position zu bringen (und zwar per X-Knopf) wurde gut ausgenutzt, macht es aber leider doch etwas zu einfach, Fahrfehler wieder auszubügeln.
Letztendlich ein Wort zum Multiplayer. Bis zu 6 Spieler mit je einer Cardridge können gegeneinander antreten - wie im normalen Spiel eben. Ob spaßig oder nicht bleibt einem selbst überlassen, aber für denjenigen, der gegen die recht starken Bots besteht und eine weitere Herausforderung sucht, sicherlich gut geeignet.
Aljoscha Reuther meint...
Es ist schon toll zu sehen, dass es anscheinend nicht immer nur schlechte Spiele zu aktuellen Kinofilmen geben muss – denn gerade der DS ist leider immer wieder Opfer solcher „Müllspiele“. Speed Racer ist da anders, die Grafik ist toll und das Spiel macht über mehrere Stunden Spaß. Etwas mehr Feinarbeit, und wir hätten einen Top-Titel auf dem Doppelschirm.
Es ist schon toll zu sehen, dass es anscheinend nicht immer nur schlechte Spiele zu aktuellen Kinofilmen geben muss – denn gerade der DS ist leider immer wieder Opfer solcher „Müllspiele“. Speed Racer ist da anders, die Grafik ist toll und das Spiel macht über mehrere Stunden Spaß. Etwas mehr Feinarbeit, und wir hätten einen Top-Titel auf dem Doppelschirm.

GRAFIK
Schöne Optik, allerdings etwas zu Bunt. Wie der Kinofilm.
Schöne Optik, allerdings etwas zu Bunt. Wie der Kinofilm.

SOUND
Der Sound hätte besser sein können.
Der Sound hätte besser sein können.

BEDIENUNG
Standard, der funktioniert.
Standard, der funktioniert.

UMFANG
Die Anzahl an Strecken und Autos ist in Ordnung.
Die Anzahl an Strecken und Autos ist in Ordnung.
SPIELSPASS
Schönes Rennspiel zum Film
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Schönes Rennspiel zum Film
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel