Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 07.05.2008
Die Freude war groß, als Square Enix auf der E3 2006 einen Ableger der „Dragon Quest“-Reihe für Wii ankündigte. Skepsis kam allerdings auf, als bekannt wurde, dass es sich um eine Art Rail-Rollenspiel mit vorgegebenen Wegen handelt. Nun ist der Titel endlich auch in Europa erhältlich und wir sind mit Schwert und Schild losgezogen, um zu erfahren, ob das eigenwillige Konzept trotz fehlender Bewegungsfreiheit überzeugen kann.
Startpunkt Avalonia
Das Abenteuer beginnt an eurem sechzehnten Geburtstag, an dem Ihr wie jeder Junge im Königreich Avalonia ein ganz besonderes Ritual durchmachen müsst. Um in Zukunft als Mann akzeptiert zu werden, gilt es nämlich, alleine zu einer Höhle zu reisen und dort einen gefährlichen Gegner zu besiegen. Allerdings zweifelt kein Bewohner des Königreiches daran, das Ihr das schaffen werdet. Schließlich seid Ihr der Sohn des berühmten Helden Degenhardt. Tatsächlich sollte Euch diese erste Mission nicht überfordern. Wenig später werdet Ihr aber in viel gefährlichere Ereignisse verwickelt, die vor allem mit der Königin von Avalonia zusammenhängen. Diese trägt nämlich seit Tagen eine seltsame Maske, die sie zu verändern scheint und von der eine unheimliche Bedrohung ausgeht.

Die Geschichte ist in einzelne Missionen unterteilt, deren Ausgangspunkt immer die Stadt Avalonia ist. Neben dem Haus des Helden und der Burg der Königsfamilie gibt es hier noch viele weitere wichtige Anlaufpunkte. In der Schänke lassen sich oft interessante Informationen aufschnappen, während die Beichte in der Kirche zum Speichern dient. Allerdings müsst Ihr nicht immer den weiten Weg zum Gotteshaus auf Euch nehmen, um den Spielstand zu sichern. Ihr habt auch nach jeder absolvierten Mission die Möglichkeit zum Speichern.
Von der Stadt startet Ihr in eure Abenteuer und hier landet Ihr nach jeder Mission auch automatisch wieder. Außerdem kehrt Ihr auch in die Stadt zurück, wenn Ihr im Kampf besiegt werdet. Allerdings verliert Ihr bei dieser Zwangsrückkehr die Hälfte eures Goldes. Das solltet Ihr besser vermeiden, schließlich gibt es hier auch viele Läden, die gegen Bezahlung eure Waffen verbessern und neue Ausrüstung verkaufen. Die Stadt ist außerdem der einzige Ort, an dem Ihr Euch frei bewegen könnt. Leider haben die Entwickler dabei voll und ganz auf den alleinigen Gebrauch der Wii-Remote gesetzt, sodass Ihr euren Helden mit dem digitalen Steuerkreuz manövrieren müsst. Dieser Steuerung erweist sich, vor allem in Anbetracht der Ego-Perspektive, schnell als unkomfortabel.
Auf der Suche nach Freiheit und Tiefgang
Sobald Ihr die Stadt verlasst, erscheint eine Weltkarte. Hier könnt Ihr einzelne Orte auswählen, die nach und nach zugänglich werden und Missionen repräsentieren. Habt Ihr Euch für einen Ort entschieden, könnt Ihr sofort mit dessen Erforschung beginnen. Wie gesagt handelt es sich bei „Dragon Quest Swords“ um eine Art Rail-Rollenspiel. Wie es einige Wii-Besitzer schon von „Resident Evil: The Umbrella Chronicles“ kennen werden, sind die Wege somit fest vorgegeben. Ihr müsst einfach nur den B-Knopf drücke, damit sich eure Figur in Bewegung setzt. Auf die Richtung habt Ihr keinen Einfluss. Die einzigen Entscheidungsmöglichkeiten werden Euch an seltenen Weggabelungen gewährt, an denen Ihr Euch für eine von zwei Richtungen entscheiden dürft.

Die mangelnde Bewegungsfreiheit wird schnell zum Störfaktor. Das On-Rail-Spielprinzip mag bei Shootern recht gut funktionieren, zum Rollenspiel-Genre passt es aber wenig. Oft werdet Ihr den Wunsch verspüren, den Weg verlassen zu dürfen, um die Spielwelt frei zu erforschen. Und nach kurzer Zeit wird es Rollenspiel-Fans nerven, einem absolut linearen Weg folgen zu müssen, ohne die Chance auf Sidequests zu bekommen.
Der Tiefgang leidet bei diesem Rollenspiel aber nicht nur unter der fehlenden Bewegungsfreiheit. Das Gameplay ist nämlich ganz allgemein simpler ausgefallen, als es für dieses Genre ratsam wäre. Das verrät eigentlich schon der Blick auf den Statusbildschirm eures Helden. Während bei den meisten Genrevertretern dort unzählige Werte zu sehen sind, beschränken sich die Eigenschaften eures Charakters hier auf Angriff, Abwehr und maximale Lebenspunkte.
Begnadeter Schwertschwinger
Insgesamt bedient „Dragon Quest Swords“ Freunde unkomplizierter Action wesentlich besser, als Rollenspiel-Fans. Schließlich besteht ein Großteil des Spiels auch aus Kämpfen, die den Spielspaß eine gewisse Zeit lang oben halten können. Durch den intensiven Einsatz der Wii-Remote haben die Entwickler nämlich ein interessantes Kampfsystem geschaffen. Ihr bestreitet alle Auseinandersetzungen aus der Ego-Perspektive und könnt dabei mit der Remote Schwertschläge simulieren. Dabei werden horizontale, vertikale und diagonale Schläge, sowie Stöße in Richtung des Feindes erkannt. Mit Druck auf dem B-Knopf tauscht Ihr euer Schwert außerdem gegen einen Schild, mit dem sich feindliche Schläge, Geschosse und Magieangriffe abwehren lassen.

Die Möglichkeit, das Schwert quasi selbst schwingen zu können, übt vor allem zu Beginn einen großen Reiz aus. Die Bewegungen werden dabei zwar nicht immer, aber zumindest meistens gut erkannt und umgesetzt. Beim Zielen hilft eine Markierung, die auf dem Bildschirm gesetzt werden kann und auf die sich ab dann alle eure Schläge ausrichten. Mit dem richtigen Timing lassen sich mit dem Schwert sogar gegnerische Geschosse zurückschleudern. Mit der Zeit verliert das Kampfsystem aber immer mehr von seinem Reiz. Denn auch wenn es viel Action bietet, fehlt auch hier der Tiefgang. Selbst die großen Gegner am Ende jeder Mission sind mit einfachen Schwerthieben zu besiegen, Taktik braucht Ihr dabei nicht, nur mehr Geduld. Im Spielverlauf entwickelt sich das Kampfsystem leider auch nicht weiter, sodass Ihr dessen Facetten alle schon in der ersten Mission kennenlernt.
Zumindest wird aber die Auswahl an Meisterstreichen nach und nach immer größer. Diese besonders kräftigen Angriffe dürft Ihr ausführen, sobald Ihr durch viele normale Attacken eine kleine Leiste am Bildschirmrand gefühlt habt. Sobald Ihr einen der Meisterstreiche aktiviert habt, müsst Ihr bestimmte Bewegungen genau und innerhalb eines Zeitlimits nachmachen. Beim „Mächtigen Schlag“ streckt Ihr die Wii-Remote und damit auch Schwert beispielsweise über euren Kopf, um wenig später einen kräftigen Hieb nach unter auszuführen, der die Lebensenergie eures Gegners merklich reduziert.

Außerdem erhaltet Ihr in den Kämpfen Unterstützung von euren drei Gefährten, bei denen es sich um euren Vater, den Prinzen von Avalonia und ein junges Mädchen, die ihre Traurigkeit hinter schrägen Outfits versteckt, handelt. Diese mischen sich zwar nicht mit dem Schwert in die Kämpfe ein, greifen Euch aber durch Magie unter die Arme. Das machen sich zum einen automatisch, zu anderen könnt Ihr aber auch gezielt Zaubersprüche anfordern. Im Grunde hätte die Funktion der Gefährten auch erfüllt werden können, wenn die Entwickler dem Helden eigene magische Fähigkeiten spendiert hätten. So kann aber zumindest die Story leichter vorangetrieben werden und Ihr müsst nicht alleine reisen.
Kurze Reise
„Dragon Quest Swords“ unterscheidet sich nicht nur durch die fehlende Bewegungsfreiheit und das arg simple Gameplay von anderen Rollenspielen, sondern auch in Punkto Umfang. Dieser ist nämlich enttäuschend gering ausgefallen. Nach spätestens acht Stunden werdet Ihr auch die letzte Mission geschafft haben und das obwohl der Titel zum Vollpreis erhältlich ist. Wer unbedingt nach Avalonia reisen möchte, ist mit dem bloßen Ausleihen des Titels wohl besser beraten. Der Wiederspielwert ist eh nicht besonders hoch. Zwar können gemeisterte Missionen jeder Zeit erneut angegangen werden, dafür gibt es neben Rankings aber keine besonderen Anreize.
Die Grafik zeigt sich im Cel-Shading-Look, der durchwachsen ausgefallen ist. Die Umgebungen machen teilweise einen wirklich guten Eindruck, die Modelle der Charaktere und Kreaturen sind aber sehr einfach ausgefallen. Außerdem hätten dem Spiel mehr Details gut getan, da die Spielwelt immer recht leblos wirkt. Durchwachsen beschreibt auch die Qualität des Sounds gut. Die schönen Hintergrundmelodien werden nämlich durch schwache Soundeffekte getrübt, die an längst vergangene Retro-Zeiten erinnern.
Sascha Geldermann meint...
„Dragon Quest Swords“ wird vielleicht Freunden von Rail-Shootern gefallen, Rollenspiel-Fans erleben aber eine herbe Enttäuschung. Das simple Gameplay und die vorgegebenen Wege rauben dem Titel nämlich jeglichen Tiefgang. Der Spielspaß wird nur von dem actiongeladenen Kampfsystem aufrecht erhalten, das aber im kurzen Spielverlauf immer mehr von seinem Reiz verliert.
„Dragon Quest Swords“ wird vielleicht Freunden von Rail-Shootern gefallen, Rollenspiel-Fans erleben aber eine herbe Enttäuschung. Das simple Gameplay und die vorgegebenen Wege rauben dem Titel nämlich jeglichen Tiefgang. Der Spielspaß wird nur von dem actiongeladenen Kampfsystem aufrecht erhalten, das aber im kurzen Spielverlauf immer mehr von seinem Reiz verliert.

GRAFIK
Der Cel-Shading-Look passt zum Gameplay, bietet aber nur wenige Details.
Der Cel-Shading-Look passt zum Gameplay, bietet aber nur wenige Details.

SOUND
Die hübsche Musik will nicht ganz zu den veralteten Soundeffekten passen.
Die hübsche Musik will nicht ganz zu den veralteten Soundeffekten passen.

BEDIENUNG
Die Steuerung funktioniert im Kampf sehr intuitiv, ist in der Stadt aber etwas zu umständlich.
Die Steuerung funktioniert im Kampf sehr intuitiv, ist in der Stadt aber etwas zu umständlich.

UMFANG
Das Abenteuer ist sehr kurz, immerhin lassen sich alle Missionen aber jederzeit wiederholen.
Das Abenteuer ist sehr kurz, immerhin lassen sich alle Missionen aber jederzeit wiederholen.
SPIELSPASS
Simples Rollenspiel ohne Freiheiten.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Simples Rollenspiel ohne Freiheiten.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel