Mario Kart Wii
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 18.04.2008
Alle Jahre wieder erscheinen diese Spiele, deren Potenzial bereits vorher feststeht. Erbanlage könnte man das nennen. Genetisch bedingte, von den Vorgängern geprägte Erwartungshaltung wäre dagegen eine andere Möglichkeit. Selbiges Schicksal trifft auch jeden Ableger der „Mario Kart“-Reihe. Seit vielen Jahren veröffentlicht Nintendo auf den hauseigenen Systemen die bunte und lustige Kart-Raserei. Seit vielen Jahren wissen die Spieler, worauf sie sich einstellen sollten. Mehrspieler-Freuden im technischen Mittelmaß, unzählige Spielstunden ohne wirkliche Story. Überraschen wird es nicht, dass in das typische Schema auch „Mario Kart Wii“ hineinpasst, ebenso wenig aber auch, dass der Titel wieder einmal Spielspaß in Reinkultur verkörpert.

Abenteuer: Fehlanzeige
In „Mario Kart Wii“ warten insgesamt acht Cups auf Euch. Dies ist seit dem Vorgänger des Doppelschirm-Handhelds Nintendo DS nun scheinbar zur Standardzahl in einer Episode des Renners avanciert. Damit ergeben sich 32 Strecken, deren Hälfte Euch aber immerhin bereits bekannt vorkommen dürfte. Denn, auch das kennen wir schon, 16 Kurse stammen aus den Vorgängertiteln von Super Nintendo, Nintendo 64, Nintendo DS und GameCube. So rasen wir abermals durch Donkey Kongs Bergland oder weichen Pinguinen im Sorbet Land aus. Das Retrofeeling wird durch die originalen Musikstücke der Strecken unterstützt, doch wünscht man sich andererseits auch, dass noch viel mehr der Strecken alter Klassiker den Weg ins Spiel hätten schaffen sollen.
Die 16 neuen Kurse, darunter natürlich auch wieder typische Settings wie Bowsers Festung oder eine neue Rainbow Road, sind abwechslungsreich gestaltet und bieten allerhand zu entdecken. So verändert sich nicht selten ein Kurs im Rennverlauf. Einem ausbrechenden Vulkan samt Erdbeben ist es etwa zu verdanken, dass ein Teil einer Strecke gleich gänzlich in Lavamassen verschwindet.
Durch das Beenden eines Cups werden im Einzelspieler-Modus neue Charaktere und Fahrzeuge freigeschaltet. So dürft Ihr bei entsprechendem Erfolg schnell mit neuen Gesichtern, Karts oder Motorrädern über den Asphalt düsen. Moment, Motorräder? Ja, denn in „Mario Kart Wii“ setzen Mario, Peach und Co. erstmals auch auf motorisierte Unterstützung mit zwei Rädern. Anfängliche Bedenken über eine Fehlplatzierung dieser neuen Idee zerstreuen sich bereits nach wenigen Spielminuten, die Zweiräder passen gut ins Gesamtbild der Serie und dürfen in Zukunft gerne wieder zu Besuch kommen.

Die Rennkategorien sind wieder in drei Klassen aufgeteilt. Diese bestimmen mit 50ccm, 100ccm und 150ccm die Geschwindigkeit. Zusätzlich könnt Ihr aber auch die Stärke der CPU-Gegner einstellen. Am Ende eines Grand Prix zählen dann nicht nur die nackten Punktzahlen, sondern auch die Bewertung, die Ihr für Euer fahrerisches Können erhalten habt. In diese Bewertung fließen dann auch Faktoren wie der gelungene Einsatz von Gegenständen mit ein.
Neben den üblichen Rennen könnt Ihr natürlich auch wieder einmal auf Zeitenjagd gehen. Der Time Trial-Modus hat sich dabei nicht verändert, durch die neue Möglichkeit, Stunts auszuführen, ist hier aber weitaus mehr Geschick gefragt. Erfolgreiche Kunststücke verleihen Euch nämlich einen kleinen Boost, der wertvolle Sekunden ausmachen kann. Veränderungen in dieser Hinsicht gibt es aber auch im Streckendesign. An Kanten gibt es neue Geschwindigkeitsstreifen, die Euch nach einem Hüpfer samt Drehung (wie in einer Halfpipe) ebenfalls kurz schneller fahren lassen.
Als zusätzlichen Anreiz für Einzelspieler vermissen wir erneut einen Abenteuer-Modus (gut umgesetzt in „Diddy Kong Racing“ für das Nintendo 64) und auch vom noch recht neuen Missionsmodus, der beispielsweise auf dem Nintendo DS noch einen ordentlichen Eindruck hinterließ, fehlt jede Spur. Natürlich gibt es so auch im Einzelspieler-Modus für einige Stunden genug zu tun, den Spaßfaktor zünftiger Mehrspieler-Duelle liefert dieser Teil des Titels aber nie.
Gelungene Technik: Fehlanzeige
Natürlich trumpfte Mario Kart noch nie mit opulenter Grafik auf. Der grenzenlose Spielspaß konnte hier immer wieder einen Punktsieg für sich erringen. Hierbei macht auch „Mario Kart Wii“ keine Ausnahme, unerwähnt sollte die schwache Technik dennoch nicht bleiben. Die Grafikengine scheint aus den Zeiten eines „Mario Kart Double Dash!“ recycelt worden zu sein und verzichtet gänzlich auf grafische Verbesserungen. In diesem Bereich liegt Nintendo damit leider 5 Jahre hinter dem sicherlich auch Möglichen auf Wii zurück. Immerhin läuft der Titel durchgehend butterweich über den Bildschirm.
Doch kommen wir zurück zum Spielerischen. Neben neuen Fahrern, die wir aber an dieser Stelle natürlich nicht enthüllen, gibt es auch noch weitere Veränderungen. Neue Items erweitern den Kampf auf der Strecke wieder um ein Stück. Besonders gefällt dabei die Blitzwolke, die wie eine tickende Zeitbombe funktioniert. Habt Ihr das Wölkchen erst einmal bekommen, solltet Ihr es so schnell wie möglich wieder an einen Kontrahenten abgeben (ein einfacher Rempler genügt dabei), denn ansonsten droht Euch ein Blitzeinschlag, der Euch (wie üblich in der Reihe) für einige Sekunden auf ein unglücklich kleines Format schrumpft. Darüber hinaus wurde die Wirkung des roten Panzers doch deutlich abgeschwächt. In kurvigen Streckenteilen habt Ihr nun die Möglichkeit, dem rasenden Geschoss leichter auszuweichen.

Im Mehrspieler-Modus zeigt der Titel dann wieder einmal, was so alles in ihm steckt. Bis zu vier Spieler beharken sich auf einem Bildschirm, wobei Ihr zwei Optionen habt. Fahrt Ihr gegeneinander einfache Rennen, könnt Ihr hier die Anzahl selbst bestimmen. Sieger ist dann, wer am Ende die meisten Punkte nach Hause gefahren hat. Alternativ könnt Ihr Euch auch im Battle-Modus beharken. Im bekannten Ballon-Spiel geht es dabei dieses Mal allerdings nicht darum, nur die Ballons der direkten Widersacher zu zerstören. Stattdessen sammelt Ihr Punkte für jeden feindlichen Treffer, ganz so wie man es von bekannten Deathmatch-Titeln kennt. Abschüsse eigener Kameraden bedeuten dagegen einen Minuspunkt. Leider gibt es dabei keine Möglichkeit, auf die Teamauswahl zu verzichten. Das Spiel gibt vor, dass sich zwei Teams bekämpfen. Hier könnt Ihr dann lediglich Eure Zugehörigkeit auswählen. Alternativ ist auch wieder der Münzjagd-Modus dabei, bei dem es mehr auf fahrerisches Können als auf geschickten Item-Einsatz ankommt. Die Auswahl der Arenen ist sehr gelungen. Neben fünf neuen Schauplätzen geben sich auch fünf Klassiker die Ehre. Wer erinnert sich nicht an die besonderen Momente auf dem Wolkenkratzer bei Mario Kart 64.
Spielspaß: Volltreffer
Bereits seit „Mario Kart DS“ stehen den Hobby-Kartfahrern aus aller Welt die Weiten des Internets offen. Mit „Mario Kart Wii“ geht auch erstmals eine Heimkonsolen-Version an die Online-Startlinie. Über die Nintendo Wi-Fi Connection (Freundescode inklusive) könnt Ihr so gegen Spieler aus aller Welt, von Eurem Kontinent oder natürlich auch gegen Freunde aus Eurer Freundesliste antreten. Online treten dabei bis zu 12 menschliche Spieler gegeneinander an. Die Matchmaking-Funktion des Titels funktioniert dabei tadellos. Wird eine noch nicht vollständig gefüllte Renntruppe gefunden, könnt Ihr Euch direkt ins Spiel einklinken und dem aktuellen Rennen als Zuschauer beiwohnen. So könnt Ihr beim nächsten Start automatisch auch aufs Gaspedal treten. Bei einem entsprechenden Rennverlauf bekommt Ihr dann Punkte gutgeschrieben oder abgezogen, woraus sich das Matchmaking-System dann die Information zieht, um Euch passenden Gegnern zuordnen zu können.

Ihr müsst beim Online-Spielen übrigens nicht alleine vor dem Fernseher sitzen. Ein zweiter Spieler kann als Gast ebenfalls am Spielgeschehen teilnehmen und Euch so vielleicht gegen Kontrahenten aus aller Welt unterstützen. Natürlich könnt Ihr innerhalb der Nintendo Wi-Fi Connection auch Zeiten auf Ranglisten vergleichen oder Euch Geistdaten herunterladen. Außerdem steht hier ein spezieller Mario Kart-Kanal zur Verfügung, denn Ihr zu Euren bestehenden Wii-Kanälen laden könnt. So lassen sich alle Online-Funktionen (außer dem Spielen natürlich) auch nutzen, wenn das eigentliche Spiel nicht eingelegt ist. Bestehenden Wii-Freunden könnt Ihr übrigens eine Einladung für die Freundesliste auf die Wii-Pinnwand schicken. So entfällt dann das nervige Austauschen der Freundescodes. Zumindest ist das ein kleiner Kompromiss, auch wenn wir uns von der Komplexität eines Xbox Live etwa doch meilenweit entfernt sehen müssen.
Die Steuerungsoptionen des Titels sind vielfältig. Jedes Eingabegerät, das man an Wii anschließen kann, wird von „Mario Kart Wii“ auch unterstützt. In das beiliegende Lenkrad könnt Ihr die Wii-Fernbedienung einlegen und dann die bereits bekannte Rennsteuerung nutzen. Alternativ lässt sich das Spiel natürlich auch per Wii-FB und Nunchuk steuern. Wer schlussendlich lieber klassisch spielen möchte, nutzt entweder Classic Controller oder das gute alte GameCube-Pad. Das Drift-Verhalten von Karts und Motorrädern könnt Ihr übrigens entweder selbst beeinflussen oder auf Automatik bestehen lassen. Fortgeschrittene Spieler wählen aber in jedem Fall erstere Methode, denn nur so könnt Ihr mit geschickten Lenkbewegungen einen kleinen Turboboost für Euch gewinnen.
Egal, für welche Steuerungsvariante man sich entscheidet (spielbar sind alle tadellos, es hängt also vom persönlichen Geschmack ab), wird man mit „Mario Kart Wii“ seine Freude haben. Das Spiel spricht sowohl Einsteiger als auch Veteranen an. Allerdings wünscht man sich doch immer wieder ein wenig mehr Fanservice, etwa in Form von noch viel mehr Strecken aus dem riesigen Fundus neuer Ideen und alter Retrostrecken, die Nintendo in jedem Fall noch in der Hinterhand hat.
Heiko Ellinger meint...
„Mario Kart Wii“ macht trotz der unschönen Optik einen runden Eindruck. Der Spielspaß stimmt, bei vier Spielern wird man die Konsole nicht mehr ausschalten können und Online fährt es sich ebenso tadellos. Die Steuerung funktioniert in jeder Variante, der Einzelspieler-Modus dagegen wieder nur bedingt.
„Mario Kart Wii“ macht trotz der unschönen Optik einen runden Eindruck. Der Spielspaß stimmt, bei vier Spielern wird man die Konsole nicht mehr ausschalten können und Online fährt es sich ebenso tadellos. Die Steuerung funktioniert in jeder Variante, der Einzelspieler-Modus dagegen wieder nur bedingt.

GRAFIK
Hübsche Effekte, im Multiplayer allerdings etwas mau.
Hübsche Effekte, im Multiplayer allerdings etwas mau.

SOUND
Typische Mario-Melodien, eingängige Lieder.
Typische Mario-Melodien, eingängige Lieder.

BEDIENUNG
Diverse Varianten möglich, die klassische Steuerung funktioniert aber am besten.
Diverse Varianten möglich, die klassische Steuerung funktioniert aber am besten.

UMFANG
Zahlreiche Strecken und ungezählte Mehrspieler-Stunden - Mario Kart wird für Partyabende auf Dauer gesetzt sein.
Zahlreiche Strecken und ungezählte Mehrspieler-Stunden - Mario Kart wird für Partyabende auf Dauer gesetzt sein.
SPIELSPASS
Spaßiger Fun-Racer - und die ewige Multiplayer-Granate.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Spaßiger Fun-Racer - und die ewige Multiplayer-Granate.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel