Mystery Dungeon: Shiren the Wanderer
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 17.04.2008
Mit „Mystery Dungeon“ verfrachtet Sega einen SNES-Klassiker auf den Nintendo DS. Dabei ließ der Publisher das Gameplay von 1995 fast unberührt, womit das Spiel als Zeitreise zu den Anfängen des Rollenspiel-Genres verstanden werden kann. Doch bevor Retro-Fans nun freudig aufspringen und Ihr Schwert ergreifen, ist eine Warnung angebracht. Damit die Wanderschaft mit Shiren nicht zum Höllentrip wird, solltet Ihr die richtigen Voraussetzungen mitbringen.
Erste Voraussetzung: Gute Englischkenntnisse
Als Shiren begebt Ihr Euch auf eine Reise, um das goldene Land des Kondors zu finden. Begleitet werdet Ihr dabei von einem sprechenden Wiesel und eurem Schwert, das Euch noch treue Dienste erweisen wird. Die eigentliche Geschichte des Spiels wird nach dem Intro leider etwas vernachlässigt, sodass weitere Informationen über das goldene Land nur noch in Dörfern zu ergattern sind, in denen die Bewohner gerne mal aus dem Nähkästchen plaudern. Wer hier keine guten Englischkenntnisse vorweisen kann, hat allerdings schlechte Karten. Sega es sich mit der PAL-Version etwas zu einfach gemacht und auf eine deutsche Übersetzung verzichtet. Das könnte zu dem einen oder anderen Verständnisproblem führen, zumal Euch die Dorfbewohner nicht gerade Alltagsvorkabeln an den Kopf werfen.
Sobald Ihr ein Dorf verlasst, landet Ihr in einem Verlies. Schließlich handelt es sich bei „Mystery Dungeon“ auch um einen reinrassigen Dungeoncrawler. Retro-Feeling stellt sich schon nach wenigen Sekunden ein, was Fans der alten Videospielschule Freudentränen in die Augen treiben sollte. Nun durchstöbert Ihr die Dungeons aus der Vogelperspektive, besiegt Feinde, weicht tückischen Fallen aus und haltet immer Ausschau nach dem Ausgang. Besonders interessant wird die ganze Sache dadurch, dass die Dungeons stets durch einen Zufallsgenerator neu zusammengesetzt werden. Somit gestaltet sich jedes Verlies beim erneuten Betreten vollkommen anders, was den Wiederspielwert natürlich erheblich steigert.

Das Spiel läuft in einzelnen Runden ab, wobei jeder eurer Schritte eine Runde ist. Das bedeutet, dass auch alle Feinde sich nur dann von der Stelle rühren, wenn Ihr Euch bewegt. Dieses Spielprinzip führt dazu, dass Ihr Kämpfe auf eine taktische Art und Weise austragen könnt und auch Fallen Schritt für Schritt umgehen dürft. Das Gameplay hebt sich also völlig von dem ab, was heutige Spiele von Euch verlangen. Außerdem punktet das Spiel durch einige interessante Möglichkeiten. So könnt Ihr eurer hart erkämpftes Geld sparen und Ladendiebstahl begehen, wobei Ihr dann aber auf die Verfolgung durch den Sheriff und seine Wachhunde gefasst sein müsst. Außerdem dürft Ihr virtuelle Begleiter anheuern, die dann Seite an Seite mit Euch kämpfen.
Die Steuerung läuft bei allen Aktionen problemlos ab. Dabei ist es egal ob Ihr mit Steuerkreuz und Knöpfen oder doch lieber per Touchscreen spielt. Shiren lässt sich punktgenau durch die Dungeons manövrieren, wobei Euch eine Karte und ein Gitterfenster helfen. Beides ist besonders nützlich, wenn in gefährlichen Situationen jede Runde, also jeder Schritt, zählt. Als nützlich erweist sich außerdem die übersichtliche Inventarverwaltung. Hier könnt Ihr die große Zahl an Gegenständen ordnen, die in den Gängen auf Euch warten und die eure Lebensanzeige füllen, euren Hunger stillen oder mächtige Attacken erlauben. Dabei findet Ihr natürlich auch immer stärkere Waffen, die sich beim Schmied sogar noch weiter verbessern lassen. Als nützlich erweisen sich auch euer Schild zur Abwehr, Pfeile für den Fernkampf und Gefäße, in denen Lebensmittel konserviert und sicher aufbewahrt werden.
Zweite Voraussetzung: Hohe Frusttoleranz
Durch den Zufallsgenerator hält jeder Dungeon immer wieder unvorhersehbare Überraschungen bereitet. Das kann im besten Falle der Ausgang im Eingangsbereich sein, manchmal aber auch eine fiese Falle oder ein plötzlicher Hinterhalt mehrerer Feinde. Ein Ableben lässt sich somit manchmal kaum vermeiden. Das wäre an sich auch nicht allzu schlimm, wenn der virtuelle Tod bei diesem Spiel nicht reale Qualen nach sich ziehen würde. Ihr könnt zwar Gegenstände in einem Lagerhaus abspeichern, ansonsten sieht es in Sachen Speichern aber düster aus. Sobald Ihr in einem Dungeon sterbt, ganz egal auf welcher noch so hohen Ebene, müsst Ihr wieder von vorne beginnen. Dabei geht jedes Mal der komplette Spielfortschritt verloren. Habt Ihr einen Haufen Erfahrungspunkte ergattert? Die sind nun alle weg und Shiren startet wieder bei Level 0! Habt Ihr euer stärkstes Schwert vielfach verbessern lassen? Das ist nun für immer futsch! Es ist sehr schade, dass kein zeitgemäßes Speichersystem oder Checkpoints in das Spiel integriert wurden, denn so kann schnell großer Frust aufkommen.
Den Entwicklern ist dieses Problem scheinbar aufgefallen, ihre Reaktion darauf ist aber äußerst komisch. Sie haben nämlich eine Online-Funktion integriert, die Ihr bei eurem Ableben nutzen könnt. Mit dieser schicken gefallene Kämpfer nämlich ein Hilferuf per Internet an andere Spieler. Dann solltet Ihr Euch auf eine Wartezeit gefasst machen und Tee trinken oder in der, übrigens deutschsprachigen Spielanleitung lesen. Wenn Ihr Glück habt, hat ein Spieler euren Hilferuf erhört, sodass dieser dann in euren Dungeon springt, sich bis zu Euch vorkämpft und einen Wiederbelebungszauber spricht. Bei einem Game Over könnt Ihr Euch also zwischen dem Verlust des Spielfortschritts und einer unglaublich umständlichen und langweiligen Prozedur entscheiden, die in jeder Rangliste der sinnlosesten Online-Features den ersten Platz belegen würde. Es bleibt ein Rätsel, warum sich die Entwickler die Zeit dafür nicht gespart und stattdessen in ein neues Speichersystem investiert haben.

Viel mehr Sinn macht die Online-Rangliste. Mit jeder absolvierten Dungeonebene und mit jedem besiegten Monster steigt nämlich euer Punktestand, den Ihr dann via Wi-Fi Connection der ganzen Welt präsentieren könnt. In der Rangliste werden dann die besten Wanderer des Monats und natürlich auch die siegesreichsten Spieler aller Zeiten gekürt. Einen eigentlichen Mehrspieler-Modus gibt es aber nicht, sodass Ihr immer nur einsam durch die Verliesgänge irrt.
Die Überarbeitungen des Spiels beziehen sich einzig und allein auf die zusätzlichen Online-Funktionen. Das eigentliche Gameplay blieb unangetastet und auch die Technik bewegt sich auf SNES-Niveau. Dabei gestalten sich die Dörfer zwar recht hübsch, die eigentlichen Verliese sind aber sehr einfach gehalten und oft schlichtweg unansehnlich. Zwar wurde die grafische Gestaltung sicherlich durch den Zufallsgenerator erschwert, das Spiel bleibt aber dennoch definitiv hinter den grafischen Möglichkeiten zurück. Der Sound gestaltet sich etwas besser, die einfachen Effekte und eintönigen Melodien sind aber dennoch nicht mehr als Durchschnitt. Eine Generalüberholung hätte also sowohl der Technik, als auch der Spielmechanik sehr gut getan.
Sascha Geldermann meint...
Mit seinem gelungenen Gameplay ist dieser Dungeoncrawler ein interessantes Spiel für Retro-Fans. Allerdings nur wenn diese gute Englischkenntnisse und vor allem eine unerschütterliche Frusttoleranz mitbringen. Mit jedem Ableben gehen hier nämlich nicht nur sämtliche Erfahrung und alle Items verloren, sondern auch Motivation und Spielspaß.
Mit seinem gelungenen Gameplay ist dieser Dungeoncrawler ein interessantes Spiel für Retro-Fans. Allerdings nur wenn diese gute Englischkenntnisse und vor allem eine unerschütterliche Frusttoleranz mitbringen. Mit jedem Ableben gehen hier nämlich nicht nur sämtliche Erfahrung und alle Items verloren, sondern auch Motivation und Spielspaß.

GRAFIK
Die Dörfer sind hübsch, die Verliese aber leider unansehnlich.
Die Dörfer sind hübsch, die Verliese aber leider unansehnlich.

SOUND
Die Musik passt zum Geschehen.
Die Musik passt zum Geschehen.

BEDIENUNG
Bei der Steuerung gibt es keine Probleme.
Bei der Steuerung gibt es keine Probleme.

UMFANG
Die per Zufallsgenerator erstellten Dungeons sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die Online-Funktionen sind allerdings komplett sinnlos.
Die per Zufallsgenerator erstellten Dungeons sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die Online-Funktionen sind allerdings komplett sinnlos.
SPIELSPASS
Dungeoncrawler mit Retro-Feeling und Frustgefahr.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Dungeoncrawler mit Retro-Feeling und Frustgefahr.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel