Orcs & Elves DS
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 21.03.2008
Ein riesen Berg, ein Drache, ein drohendes Unheil und ein sprechender Zauberstab sowie zahlreiche Dungeons voller Monster, Geister und Items - was braucht man mehr für ein reinrassiges Rollenspiel? Egal was es ist, Orcs & Elves hat es und setzt es gekonnt mit einem Mix aus Echtzeit und Rundenbasiert in Szene - und verpasst dem Ganzen eine tolle Story mit einer guten Portion Humor um den kleinen Elfen Elli.
Tief im Berg
Um Orcs & Elves zu beschreiben, muss man nicht sehr weit ausholen: das Spiel folgt den Grundregeln der RPG-Welt, es gibt Dungeons, Zauber, ein drohendes Unheil für ein Königreich und natürlich den tollpatschigen Helden, der ganz allein gegen Horden von allerhand Monstern und, natürlich, Orks gestellt wird. Ganz allein? Nein, denn unser kleiner Ego-Alter-Ego, übrigens ein Elf, erhält tatkräftige Unterstützung von Ellon, dem sprechenden Zauberstab seines Vaters Eol (scheinbar scheint fast jeder Name im Spiel mit E zu beginnen). Dieser erhält eine verschlüsselte Nachricht, von der er glaubt, dass sie vom König Brahm (ah, ein Name ohne E), seines Zeichens König einer Zwergenfestung namens Zharrkarag, stammt und er in Schwierigkeiten steckt. Und es kommt wie es kommen muss, natürlich kommt Elli zu spät, die Festung ist von Orks verwüstet worden, Ellon's Kräfte haben stark nachgelassen (auf mysteriöse Weise) und Brahm ist nirgendwo zu finden. Die Aufgabe? Klar. Brahm finden, die Festung säubern und Ellon's Energie wiederherstellen.

Das ganze klingt natürlich mehr als Standard, denn fast jedes Rollenspiel ist nach diesem - oder zumindest einem ähnlichem Prinzip aufgebaut. Was Orcs & Elves anders macht, ist das Spielprinzip: wir bewegen uns "Zugweise" durch die verflochtenen Dungeons unterhalb der Festung Zharrkarag, das heißt, wir machen einen "Zug", dann bewegt sich "alles andere", man könnte sagen das Spiel ist etwas Rundenbasiert. Zum Beispiel stürmt ein wütender Ork nicht einfach auf uns zu, sondern bleibt stehen und wartet, bis wir eine "Zugrelevante" Aktion gemacht haben, beispielsweise eben eine Bewegung oder der Einsatz eines Trankes/Zaubers oder einer Waffe. Das ganze hat einen entscheidenden Vorteil: die herben Schläge der Monster können ruhig und bedacht eingesteckt werden, wenn wir Zeit haben, den passenden Trank herauszusuchen, der entweder die vorher zugefügten Blessuren entfernt oder uns hilft, unseren Widersacher noch vor unserem "Ableben nach Punkten" von der Platte zu fegen. Der Nachteil ist, dass wir kaum Möglichkeiten haben, vor Gegnern zu fliehen, da sie uns ständig mit gleicher Geschwindigkeit auf den Fersen sind und uns so, kurz gesagt, zu Tode hetzen können. Alles in allem ist das Zug-Prinzip aber sehr ausgewogen und bringt sich prima in den Spielablauf ein. Wie bei Rundenbasierten Spielen bewegen wir uns in Planquadraten vorwärts, das heißt wir machen immer einen Schritt ins nächste Quadrat vor uns, dann ist der Zug gelaufen. Übrigens brauchen wir nicht zu warten, bis alle Monster in der aktuellen Instanz gezogen haben, die Spielwelt zieht alles in einem Zug gleichzeitig.

Zaubern, Zoffen und Zerschlagen
Während der Geschichte rund um den Berg und die Festung Zharrkarag treten immer wieder zwei Spielfiguren in erscheinung: Gaya und unser Zauberstab Ellon. Gaya ist eine riesige Kupferdrachendame, die hoch oben im Berg haust und eine Art Auftraggeber darstellt, da sie uns immer wieder tiefer in den Berg schickt, um Edelsteine oder andere Materialien zu holen. Zudem ist sie gleichzeitig ein Handelspartner, da sie, neben den Geistern, die Einzige verbündete im Spiel ist. Für das Gold, das wir während unserer Reise durch die Dungeons sammeln, können wir bei ihr neue Waffen, Zauber oder Tränke kaufen. Für die großen Edelsteine lehrt sie uns bestimmte Fähigkeiten oder gibt uns Items, die für das vorrankommen der Story von Nöten sind.
Ellon, der Zauberstab, wurde bisher ja schon öfter erwähnt, aber was genau er tut sollte bisher noch nicht ganz klar sein. Ellon kann, wie schon gesagt, Sprechen - und fühlen. Er ist der engste Vertraute im Spiel und gibt uns des öfteren Tipps und Hinweise, die wir nach möglichkeit auch Beachten sollten. Zudem übernimmt er die gesamte Leitung durch das Spiel, sei es während Konversationen oder den Anweisungen, die wir zu erledigen haben. Von Elli, unserem Alter Ego, merken wir nicht einmal, dass er existiert - bis auf die Tatsache, dass wir ihn spielen. Ellon ist zudem noch eine Art Warnanzeige im Spiel, er sagt uns bescheid, wann wir unsere Rüstung reparieren müssen, unsere Gesundheit niedrig steht, das Mana langsam ausgeht oder wir in bestimmten Fällen einen Zauber/eine Waffe nicht einsetzen können. Hier ist auch der humoristische Part des Spieles zu finden, denn die teilweise recht bissigen Kommentare des Stabes dürften schon das ein oder andere Grinsen ins Spielergesicht "zaubern". Später im Spiel lernen wir auch noch Ellon's "Bruder" kennen, den Hammer Abraxas, der uns auch als Waffe zur Verfügung stehen kann.

Andere, freundlich gesinnte Charaktere sind die ab und an auftauchenden Geister von getöteten Zwergen, die meist Türen und Tore bewachen, und oft von uns verlangen, mit ihnen ein oder zwei Bier zu trinken, bevor sie das Tor öffnen oder uns die Kombination für selbiges verraten.
Das restliche Spiel besteht, was die Charaktere angeht, nur aus Gegnern: hier versammelt sich die Standardbesetzung der Fantasygarde: Orks, Riesenratten, Wargs (2-Köpfige Hunde), Riesenspinnen, Lebendiger Schlamm oder Lava, Dunkelelfen… und so weiter. Manche dieser Gegner können nur mit Magie, andere nur mit dem Schwert und wieder andere nur mit einem bestimmten Schwert zur Strecke gebracht werden - es ist also Kombinationsgabe gefragt, zum Beispiel dürfte es durchaus logisch erscheinen, dass man mit einem Feuerschwert einem lebendigen Lavaklumpen nicht wirklich weh tun kann. Orcs & Elves ist also kein Spiel, das man mit einem einzelnen Schwert oder Zauber durchschreiten kann, teilweise ist es sogar unmöglich, das Spiel mit den falschen Items zu meistern - denn der Schwierigkeitsgrad verlangt schon auf Stufe "Normal" einiges vom Spieler ab.

Items, nicht zu vergessen. RPG Typisch läd auch Orcs & Elves zum Jagen und Sammeln von allerlei Tränken, Schriftrollen und Waffen ein, mit den tollsten Namenskombinationen. Neben den fast schon Normalen Flammen, Unglücks und Eisenschwertern gibt es noch den Drachenhauch, eine Rune, die Feuerbälle auf Gegner schießt, oder die Phönixeier - sozusagen die Handgranaten des Fantasyzeitalters. Auch Rüstungen gibt es in verschiedenen Stufen, manche haben mehr, manche weniger Punkte. Allerdings muss jede Rüstung von Zeit zu Zeit repariert werden, sonst ist sie Nutzlos.
Tränke wie Bier, Gesundheits- und Stärketrank sollten bekannt sein, und auch mehrfach-Tränke wie das Meisterbräu, das gleichzeitig Stärke, Präzision und Verteidigung für eine bestimmte Anzahl von Zügen erhöht, ist nichts neues für eingefleischte Rollenspieler. Und natürlich ist das levelbasierte Erfahrungssystem ebenfalls enthalten.
Präsentation im Doom-Stil
Alten Hasen wird sicherlich auffallen, dass das Spiel ziemlich an die alten Zeiten von id Software's Doom erinnert (nur zur erinnerung, Orcs & Elves ist ebenfalls von id), hat es doch fast die selbe Spielmechanik (mit ausnahme des Zugbasierten Gameplays). Die Präsentation wirkt dennoch Solide und Zaubert ein schönes, dynamisches Spektakel auf den Oberen Bildschirm des DS - der Touchscreen dient als Menü und wird im Spiel nicht wirklich gebraucht, außer wenn ein aufwendigerer Zauber gesprochen wird. Für die Steuerung des Spieles werden dadurch die Pfeil- und Schultertasten sowie die Knöpfe gebraucht. Die Steuerung ist insgesamt gut geworden, nur in den Menüs, oder vor allem in den Menüs, könnte sie besser sein.
Die Grafik wirkt solide - auch wenn die verwendeten Static-Meshes (Objekte, die sich immer in Richtung des Spielers bzw. der Kamera drehen, da sie 2D sind) manchmal etwas komisch und die Animationen oft asynchron zu den eigentlichen Bewegungen sind. Ansonsten bewegt sich die Kamera sehr leichtfüßig durch die Gänge, wenn wir uns ein Planquadrat weiter bewegen. Auch die Animationen der Spielwelt laufen recht flüssig ab, besonders das Wasser und die Lava sind sehr nett animiert worden. Gespeichert kann im Spiel übrigens an jeder Stelle - sogar Ellon weist euch des Öfteren in brenzlichen Situationen darauf hin, es gibt also keine Speicherpunkte, die erreicht werden müssen. Die Grafik insgesamt ist dennoch nicht das, was man auf dem DS hätte realisieren können, aber sie fügt sich gut in das Spielgeschehen ein und wirkt nur selten wirklich fehl-am-Platz. Allerdings ist echtes DOS-Feeling im Spiel garantiert. Die Videosequenzen sind in Ingamegrafik gehalten und finden direkt im Spiel statt, jedoch schwenkt die Kamera mehrmals durch den gesamten Raum.
Der Sound hingegen wirkt lieblos und liegt selbst beim niedrigen Grafiklevel des Spiels weit unter den Erwartungen. Öde Midi-Musik mit langweiligen Soundeffekten stören das Spielgeschehen zunehmend - vor allem wenn man nicht weiß, ob der Tiefstimmige "Ouch"-Laut dem eigenen Spielcharakter, zu dem es nicht passen würde, oder dem Kontrahenten, bei dem er zu spät kommt, gehört. Immerhin wurden für die verschiedenen Umgebungen auch verschiedene Soundeffekte hinzugefügt, so plätschert es zum Beispiel aus den Lautsprechern wenn wir durch hüft-tiefes Wasser schreiten.
Aljoscha Reuther meint...
Orcs & Elves ist toll, aber nicht Weltklasse. Vor allem der hohe Schwierigkeitsgrad hat bei mir für viel Frust gesorgt, was mich letztendlich auch dazu getrieben hat, das Spiel vorzeitig aufzuhören - wer 5 mal an der selben Stelle scheitert verliert schnell die Lust. Trotzdem hat mir Orcs & Elves bis zu diesem Punkt viel Spaß gemacht. Toller Titel. Wenn auch nicht der Beste.
Orcs & Elves ist toll, aber nicht Weltklasse. Vor allem der hohe Schwierigkeitsgrad hat bei mir für viel Frust gesorgt, was mich letztendlich auch dazu getrieben hat, das Spiel vorzeitig aufzuhören - wer 5 mal an der selben Stelle scheitert verliert schnell die Lust. Trotzdem hat mir Orcs & Elves bis zu diesem Punkt viel Spaß gemacht. Toller Titel. Wenn auch nicht der Beste.

GRAFIK
Man sieht dem Spiel seine Herkunft aus dem Handy-Sektor an, allerdings sieht die DS-Version im Vergleich viel besser aus. Das gute alte Doom-Feeling.
Man sieht dem Spiel seine Herkunft aus dem Handy-Sektor an, allerdings sieht die DS-Version im Vergleich viel besser aus. Das gute alte Doom-Feeling.

SOUND
Öde Midi-Musik und verkratzte Sounds liegen weit unter den Erwartungen, selbst wenn diese nicht all zu hoch waren.
Öde Midi-Musik und verkratzte Sounds liegen weit unter den Erwartungen, selbst wenn diese nicht all zu hoch waren.

BEDIENUNG
Einfach, simpel, standard.
Einfach, simpel, standard.

UMFANG
Guter Umfang, allerdings ist der Schwierigkeitsgrad an manchen stellen viel zu hoch, sodass man praktisch am weiterkommen gehindert wird.
Guter Umfang, allerdings ist der Schwierigkeitsgrad an manchen stellen viel zu hoch, sodass man praktisch am weiterkommen gehindert wird.
SPIELSPASS
Ein schöner Retro-Trip mit guter Story
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Ein schöner Retro-Trip mit guter Story
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel