Advance Wars: Dark Conflict
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 10.02.2008
Die Welt ist am Ende. Meteoritenhagel haben riesige Krater in den Planeten geschlagen, Feuerbrünste zerstören die Städte, Erdbeben erschüttern das Land und das Meer entsendet tobende Tsunamis. Staubwolken verdunkeln die Sonne und es ist still geworden. Nur zehn Prozent der Weltbevölkerung haben diese Apokalypse überlebt. Wer dieses Szenario zum ersten Mal betritt, kann kaum glauben, dass dies die Welt des neuen „Advance Wars“ ist.
Dunkle Zeiten für die Welt
Vorbei ist die Zeit, in der Armeen nach allen Regenbogenfarben benannt waren und sich über bunte Schlachtfelder bewegt haben. Und auch die kindlichen Charaktere der Vorgänger haben in dieser Welt keinen Platz mehr. Die Serie ist düster geworden und erwachsen. Das sorgt anfangs vielleicht für etwas Skepsis, die aber nicht lange anhält. Schnell zeigt sich, dass der neue Look eine ganze Reihe von Möglichkeiten bietet, die dem Spiel zu Gute kommen. So hat auch die Story reichlich an Qualität gewonnen und präsentiert sich viel tiefgründiger als in den Vorgängern. Der Kommandant O´Brian hat eine Gruppe von Soldaten um sich geschart und versucht in den zerstörten Städten so viele Überlebende zu retten, wie nur möglich. Dabei muss er sich nicht nur gegen egoistische Zivilisten zur Wehr setzen, sondern auch gegen feindliche Streitkräfte. Während sich seiner Armee am Anfang noch schlecht ausgestattete Plünderer in den Weg stellen, gerät er später mit weitaus mächtigeren Feinden in Konflikt.
Die Geschichte behandelt den Krieg sehr ernst und übt auch immer wieder deutlich Kritik an unmoralischer Kampfführung. Die Spannung wird dabei vor allem durch einzelne Charaktere aufrechterhalten. So rettet Ihr zu Beginn ein Mädchen aus den Trümmern eines Hauses, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Außerdem wird eure Gegenseite auch von einem mysteriösen Mann unterstützt, der Gefallen an der Zerstörung der Welt gefunden hat. Im Verlauf der insgesamt 26 Missionen werden deren Geschichten Schritt für Schritt aufgedeckt, was Spannung bis zum Ende garantiert. Außerdem erfährt die Story auch einige Wendungen und enthält Überraschungen, die Ihr in dieser Form von der „Advance Wars“-Serie noch nicht kanntet.
Dabei wird auch eine Atmosphäre erzeugt, die bisher noch kein Teil der Reihe hervorzubringen vermochte. Ganz abgesehen davon, sieht das Spiel nun auch einfach ein wenig besser aus. Zwar ist die Darstellung sowohl auf der Karte, als auch in den Kampfsequenzen immer noch sehr einfach, die Truppen sehen im Vergleich zu „Dual Strike“ aber etwas detaillierter aus und auch die Umgebung macht einen weitaus besseren Eindruck.
Zurück auf dem Schlachtfeld
An dem seit jeher hochwertigen Gameplay der Reihe hat sich auch im neusten Teil der Serie nicht viel geändert. Wieder zieht Ihr in rundenbasierte Schlachten, in denen Ihr als Kommandant eure Einheiten taktisch klug über die Karten schickt. Dabei garantiert der Touchscreen eine direkte, schnelle und präzise Steuerung, die absolut problemlos funktioniert. Wer sich damit dennoch nicht anfreunden kann, darf aber natürlich auch auf die Knöpfe zurückgreifen, um die Truppen über das Schlachtfeld zu navigieren. Die Übersicht wird dabei durch eine neue Zoom-Funktion erleichtert, mit der Ihr einen ausgezeichneten Blick über das Schlachtfeld bekommt, der das Einhalten der ersten Kriegsregel erleichtert: Erst einmal ein Bild von der Situation schaffen.
Karten verfügen wieder über ein Design, das bis in die letzte Ecke durchdacht ist. Ihr werdet dabei immer mit neuen Situationen und anderen Ausgangslage konfrontiert. In manchen Missionen nehmen Euch Staubwolken die Sicht, in anderen arbeitet die Zeit gegen Euch und es gibt sogar Aufträge, in denen Ihr bestimmte Einheiten zeitweise nicht mehr einsetzen dürft. Mal startet ihr einen Großangriff auf den feindlichen Stützpunkt, an einer anderen Stelle steht ein Rückzug über eine Eisfläche auf dem Programm und manchmal gilt es auch Zivilisten zu retten, die vom Feind umzingelt wurden. Von grauem Kriegsalltag kann trotz dunklem Look also keine Rede sein.
Grundlegend ist es natürlich entscheidend, welche Einheiten Ihr gegen den Feind einsetzt. Dabei steht Euch eine große Auswahl an Truppen zur Verfügung, die sich an Land, zu Luft und im Wasser einsetzen lassen. Die Truppenliste aus dem Vorgänger „Dual Strike“ wurde dabei um einige Einheiten erleichtert, aber auch um viele ergänzt. Besonders beeindruckend sind dabei die Schlachtschiffe, die direkt nach ihrer Bewegung feuern können und dabei eine Reichweite an den Tag legen, die selbst weit entfernten Landeinheiten das Leben kosten kann. Neue Einheiten eröffnen natürlich auch neue Strategien. Hervorzuheben sind dabei die Motorräder, die sich viel weiter als Fußeinheiten bewegen, aber genauso wie diese Städte einnehmen können. Dadurch bekommt Ihr die Möglichkeit, einen Blitzangriff auf die nächste Siedlung zu starten und diese an Euch zu reißen, bevor der Feind überhaupt realisiert, was los ist.
Dieses Einnehmen von Städten sollte immer ein primäres Anliegen von Euch sein. Zum einen lassen sich dort eure Einheiten heilen und mit Munition und Treibstoff versorgen und zum anderen füllen die Städte jede Runde eure Kriegskasse. Dieses Geld läst sich dann in neue Einheiten investieren, die sich in Fabriken, Flughäfen und Häfen produzieren lassen. Während am Anfang diese Produktion noch euer Vorteil ist, verfügt natürlich auch bald der Feind über solche Möglichkeiten. Das führt dann zu langen Schlachten, in denen Ihr nach und nach die Städte und Produktionsstätten des Gegners einnehmt, bis dieser vollkommen machtlos ist. Die alternative und sicherlich elegantere Möglichkeit zum Sieg bietet die Einnahme des feindlichen Hauptquartiers, mit der die Schlacht sofort für Euch entschieden ist. Auf der anderen Seite müsst Ihr aber auch auf euer eigenes Hauptquartier achten. Ist dieses ungeschützt, kann Euch schneller eine Niederlage blühen, als Ihr „Panzer“ sagen könnt.
Kein Sieg ohne Strategie
„Dark Conflict“ beginnt locker und mit vielen Erklärungen, die dieses Mal nicht als Tutorial, sondern geschickt eingebunden in den Missionen vermittelt werden. Der Schwierigkeitsgrad steigt danach langsam und motivierend an, bis Ihr in den letzten Schlachten all euer Können unter Beweis stellen müsst, um den Gegner in die Knie zu zwingen. Kurz vor dem Ende kann das schon einige Nerven kosten, ist aber nie so unfair, dass es zu Frust führen würde. Im Notfall dürft Ihr Euch im Pausenmenü auch jeder Zeit eine hilfreiche Taktik erklären lassen. Während alte Veteranen diese Möglichkeit stolz ablehnen, werden Neulinge sich in auswegslosen Situationen über diese Ratschläge sehr freuen. Außerdem dürft Ihr auch innerhalb der Missionen speichern, was Ihr auch unbedingt machen solltet, wenn es einmal richtig gut für Euch läuft. Dieses Mal steht dafür allerdings nur noch ein einziger Speicherplatz zu Verfügung, was verhindert, dass diese Funktion zu einem zu großen Vorteil wird.
Der obere Bildschirm ist euer bester Freund, wenn es darum geht, wirkungsvolle Strategien aufzustellen. Dieser liefert nämlich Informationen zu allen Geländeformen, Gebäuden und Einheiten, die Ihr auf dem Touchscreen markiert. Damit wisst Ihr immer, wo eure Fußtruppen die beste Sicht haben oder wie viel Treibstoff Panzer auf dem aktuellen Untergrund verbrauchen. Noch wichtiger ist der Blick auf die Einheiten, damit Ihr wisst, wie viel Munition sie noch mit sich führen, gegen welche Feinde sie keine Chance haben und über welchen Level sie verfügen. Diese Levels sind ein neues Element des Spiels. Durch das Zerstören von Feinden steigen eure Truppen nämlich bis zu drei Stufen auf, die sie stärker und widerstandskräftiger machen. Diese Einheiten solltet Ihr dann natürlich unter gar keinen Umständen in den sicheren Tod schicken, sondern im Gegenteil sogar Geld in ihre Reparatur investieren.
Abseits dieser Informationen kommt dem oberen Bildschirm keine Funktion mehr zu. Die Doppelkämpfe aus „Dual Strike“ wurden nämlich gestrichen, sodass Ihr Euch nun immer nur auf ein Schlachtfeld konzentrieren müsst. Auch die Doppelgaben sind nicht mehr vorhanden. Der Einsatz der Gaben spielt dieses Mal eh eine untergeordnete Rolle, was sich schon daran erkennen lässt, dass sie erst ab Mission 15 zur Verfügung stehen. Dieses Mal dürfen die Kommandeure aber nicht einfach im Hauptquartier sitzen bleiben, sondern werden in Fabriken Einheiten hinzugefügt, mit denen sie dann unterwegs sind. Dabei haben sie einen bestimmten Einflussbereich, in dem eure Einheiten, abhängig vom jeweiligen Befehlshaber, mehr Angriffskraft, eine höhere Verteidigung oder eine weitere Sicht bekommen.
Außerdem lässt sich auf dem Schlachtfeld durch die Zerstörung von Feinden auch der Gabenpegel erhöhen, der dann die bekannten Spezialkräfte der Charaktere erlaubt. Deren Kraft hat in „Dark Conflict“ allerdings stark abgenommen, sodass diese kein allzu großer Vorteil mehr sind und euer geschicktes Agieren auf dem Schlachtfeld wichtiger ist. Übrigens müsst Ihr keine Angst haben, dass die Charaktere in der Schlacht sterben. Sollte ihre Einheit zerstört werden, stehen sie schon am nächsten Tag wieder in alter Frische in den Fabriken bereit, in denen sie sich dann wieder neuen Truppen zuteilen lassen.
Somit bietet „Dark Conflict“ nicht nur eine Reihe neuer Einheiten, sondern auch ganz neue Möglichkeiten, die frischen Wind in die Reihe bringen, ohne das Grundkonzept zu zerstören. Außerdem wurde auf umstrittene Elemente, wie die Doppelkämpfe, verzichtet und das Gameplay weiter verfeinert. Das führt dazu, dass der dieser Teil eine Ecke runder wirkt, als die Vorgänger und diese somit dezent übertrumpft.
Wenige Modi – Großer Umfang
Auf dem Schlachtfeld leistet sich „Dark Conflic“ keine Fehler, dafür kann es aber im Hauptmenü zu einem Schock kommen. Dieses ist nämlich ungewöhnlich leer. Einige Modi des Vorgängers scheinen mit der Zerstörung der Welt untergegangen zu sein und wurden ganz einfach aus dem Spiel gestrichen. Kein „Kriegsgebiet“, kein „Survival-Modus“ und kein „Echtzeit-Kampf“ mehr. Sogar das KO-Zubehör ist unverständlicher Weise nicht mehr vorhanden, das unter anderem durch neue Outfits noch bei „Dual Strike“ für Motivation sorgte. Der eine oder andere Fan könnte somit bitter enttäuscht sein, schließlich machten all diese Modi beim Vorgänger eine gute Figur.
Das Fehlen so vieler Modi ist zwar eine Enttäuschung, bedeutet aber nicht, dass der Umfang kleiner geworden ist. Neben den 26 Hauptmissionen, die schon etliche Stunden beschäftigen können, tauchen auf der Weltkarte nämlich immer wieder Nebenmissionen auf, von denen es über 30 Stück gibt. In diesen stürzt Ihr Euch in Schlachten, die vollkommen unabhängig von der Geschichte sind und euch strategische Probleme lösen lassen. Natürlich können diese Missionen, genauso wie die Hautkarten, immer wieder gespielt werden. Ein Anreiz dafür sind die Bewertungen nach jeder gewonnenen Schlacht, durch die Euch auch Ränge verliehen werden. Ehrgeizige Spieler werden den Stylus somit wohl nicht weglegen, bevor sie nicht überall einen S-Ranking erreicht haben.
Außerdem steht neben dem Story-Modus auch noch das feie Spiel zu Auswahl, das noch mal über 100 Karten bereithält. Auf diesen legt Ihr Euch nicht nur alleine mit einem CPU-Gegnern an, sondern auf Wunsch auch mit bis zu drei Freunden, wobei der Nintendo DS dann aber herumgereicht werden muss. Natürlich gibt es aber auch einen richtigen Mehrspieler-Modus, bei dem jeder der vier Spieler einen eigenen Nintendo DS nutzt. Leider sind dann aber auch vier Cartrigdes nötig. Die Serie hat es nämlich ärgerlicher Weise immer noch nicht geschafft, das Einzelkarten-Spiel zu unterstützen.
Dafür verfügt „Dark Conflict“ aber endlich über einen Online-Modus. Damit steht einem weltweiten Krieg nichts mehr im Wege. Bei der Gegnersuche könnt Ihr entweder nach einem potenziellen Feind Ausschau halten, dessen Rang eurem ähnlich ist, oder ganz ohne Einschränkungen irgendeinen Widersacher auswählen. Natürlich ist es aber auch möglich, durch die Eingabe von Freundescodes einen ganz bestimmter Gegner herauszufordern. Der Krieg gegen Freunde hat den Vorteil, dass dabei auch ein VoiceChat zur Verfügung steht, dank dem Ihr Euch auch gegenseitig provozieren dürft.
Dank des Online-Modus bietet „Dark Conflict“ besonders lange Beschäftigung. Schließlich kann dieser auch genutzt werden, um selbst kreierte Karten auszutauschen. Der Karten-Editor wurde dabei kräftig ausgebaut und bietet nun zahlreiche Möglichkeiten, dank denen sich komplexe Kriegsschauplätze ganz nach euren Wünschen gestalten lassen. Selbst wenn Ihr alle vorgegebenen Karten gemeistert habt, ist also noch kein Frieden in Sicht und das ist in dieser virtuellen Welt ausnahmsweise mal eine gute Nachricht.
Sascha Geldermann meint...
„Dark Conflict“ ist ein überragendes Strategiespiel, dem der düstere Look ausgezeichnet steht. Das serientypische Gameplay wurde weiter verfeinert und fesselt zusammen mit der spannenden Story bis zur letzten Schlacht. Und selbst danach bieten zahlreiche Nebenmissionen und der Online-Modus noch genügend Anreize, um erneut in den Krieg zu ziehen.
„Dark Conflict“ ist ein überragendes Strategiespiel, dem der düstere Look ausgezeichnet steht. Das serientypische Gameplay wurde weiter verfeinert und fesselt zusammen mit der spannenden Story bis zur letzten Schlacht. Und selbst danach bieten zahlreiche Nebenmissionen und der Online-Modus noch genügend Anreize, um erneut in den Krieg zu ziehen.

GRAFIK
Der Look ist erfrischend düstern.
Der Look ist erfrischend düstern.

SOUND
Der Sound untermalt das Kriegsgeschehen passend.
Der Sound untermalt das Kriegsgeschehen passend.

BEDIENUNG
Einwandfreie Kontrolle über die Einheiten.
Einwandfreie Kontrolle über die Einheiten.

UMFANG
Einige bekannt Modi fehlen, das gleichen die Bonusmissionen und vor allem die Online-Kriege aber wieder aus.
Einige bekannt Modi fehlen, das gleichen die Bonusmissionen und vor allem die Online-Kriege aber wieder aus.
SPIELSPASS
Perfektes Strategie-Gameplay - endlich mit Online-Modus!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Perfektes Strategie-Gameplay - endlich mit Online-Modus!
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel