Medal of Honor Vanguard
Artikel verfasst von Aljoscha Reuther am 15.01.2008
Per Fallschirm in die Vergangenheit
Es gibt Dinge, die gehören einfach zum Standard Portfolio eines Publishers, und dazu gehören Shooter, die im 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Ubi hat Brothers in Arms, Activision hat Call of Duty (welches sich allerdings mit dem neusten Teil dem Szenario entzog), und EA hat sicherlich die bekannteste Marke unter den WW2 Shootern: Medal of Honor. Satte 9 Spiele sind bisher für den PC und verschiedene Konsolen herausgekommen, und nun hat die Serie mit dem Spiel Medal of Honor - Vanguard auch die Wii erreicht. Lohnt sich der mittlerweile langweilige Ausflug in den 2. Weltkrieg mit Wii-FB und Nunchuk?

Das erste Medal of Honor sorgte für aufsehen. Nicht nur, dass Steven Spielberg mit dem damaligen Entwickler Dreamworks Interactive zusammen an dem Spiel arbeitete, auch war es einer der ersten Shooter, welcher die Atmosphäre des Szenarios "2. Weltkrieg" glaubhaft vermittelte. Der Teil wurde damals indiziert, genau wie der zweite Teil (MoH: Undercover), der ebenfalls von Dreamworks Entwickelt wurde. EA zog ab dem vierten Spiel, Medal of Honor: Frontline, die Stricke des Spiels komplett an sich und entwickelte die Spieleserie von dort an in den hauseigenen Studios. Viele der Titel konnten aber wegen vielen Designschnitzern und den immer mehr ausgelutschten Szenario nicht in den Wertungen punkten. Medal of Honor - Vanguard ist der erste Titel des Franchise, der die als "perfekt für Shooter geeignete" Wii erreicht, allerdings mit einer Portierung der PS2 Version. Also, auf ins Gefecht, schlagen wir die Schlachten des zweiten Weltkrieges… wieder einmal.
Was nach oben kommt, muss auch wieder runter...
Unser Alter Ego im Spiel ist Frank Keegan, Mitglied der 82. Luftkampfdivision der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika. Kurz: Fallschirmspringer. Aus seiner Sichtweise bekommen wir die, laut Verpackung, 4 wichtigsten Schlachten des zweiten Weltkrieges zu Gesicht: Operation Husky (Italien), Operation Neptun (Frankreich), Operation Market Garden (Holland) und Operation Varsity (Deutschland). Zu Anfang einer jeden Mission bekommen wir eine Originalaufnahme aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen und hören aus dem Off die Kommentare Keegans. Die Videos selbst sind belanglos für die nachfolgende Episode, bringen aber dennoch ein wenig Atmosphäre in das Spielgeschehen ein. Nach Ende der Cutscene startet das Spiel immer gleich: wir sind in einem Flugzeug mit unseren Kameraden, und kurz vor dem Absprung wird der Flieger, seltsamerweise, abgeschossen. Unten angekommen, gibt es dann eigentlich nur eine Anweisung: zum nächsten Wegpunkt sprinten und auf dem Weg dorthin möglichst viele Deutsche (oder verbündete) umnieten. Das ist dank der dürftigen Gegner KI auch kein Problem, und so können wir die Stadt-Land-Fluss Abschnitte des Spieles auch relativ schnell hinter uns bringen. Jede der vier Operationen beinhaltet nämlich (bis zu) 3 Level.

Dämliche KI? Genau, denn einer der vielen vorhandenen Designschnitzer im Spiel ist definitiv die KI der NPCs. Diese sucht zwar, mehr oder weniger erfolgreich, Schutz hinter Barrikaden und Hausmauern, jedoch ist es einfacher, die Taktik im Spiel über Bord zu werfen und wie in Serious Sam mit gezückter Waffe blindlings in die Gegnermassen hineinzurennen, als darauf zu hoffen, dass eure gescripteten Kameraden einmal nicht im Weg stehen und euch so die sicht auf die Gegner zu nehmen. Friendly Fire ist im Spiel nämlich nicht möglich.
Zudem lässt jeder getötete Gegner genug Munition fallen, um locker durch die Level spazieren zu können. Nur selten geraten wir wirklich in Munitionsnot, und können dann immer noch die teilweise noch einfachere Methode des Scharfschützen übernehmen.
Waffen könnt ihr, neben den Handgranaten, immer zwei dabei haben.
Ab und an kommen im Spiel einige Scriptsequenzen vor, in denen ihr zum Beispiel eine Welle von gegnerischen Einheiten aus einem Haus mit euren Kollegen eliminieren müsst, bevor ihr weitergehen könnt (der letzte Schuss löst dann zum Beispiel eine Explosion aus, die eine Barrikade in die Luft sprengt - oder ihr bekommt per Luftpost eine Panzerfaust geliefert). Da ihr diese Scriptsequenzen aber auch getrost euren Kameraden überlassen könnt, gibt es teilweise nur lange Phasen des Wartens und Suchens einer freien Schießscharte, wie gesagt stellen sich die NPCs gerne mal in den Weg.
Undynamischer Staubfänger
Wenn es dann an den offenen Feldkampf geht, kann es schon durchaus komplizierter werden, denn die Gegner sind teilweise in sehr verwinkelten Ecken zu finden (oder eben "nicht zu finden"), sodass hier durchaus etwas taktisches auf-dem-Boden-kriechen gefragt ist. Wenn dann allerdings ein großkalibriger Panzer der Deutschen mehrmals auf uns schießen kann ohne dass wir effektiv Schaden nehmen (= sterben), könnte man sich schon fragen, ob diese besagte Taktik überhaupt von Nöten ist. Denn eine Lebensanzeige existiert im Spiel nicht - und besagte Panzer sind nach 3 Schuss aus der immer wieder aus der niemals endenden Munitionskiste auffüllbaren Panzerfaust leicht aus dem Weg zu räumen.
Die Gegner sind aber auch das einzige, was im Spiel zerstörbar ist. In Zeiten von Munitionskisten, Ölfässern und allerhand Gegenständen aus Holz, dürfte man von einem Spiel des "Erfolgreichsten 2. Weltkriegs Franchise" durchaus erwarten, an dieser Entwicklung teilgenommen zu haben. Pustekuchen kann man da nur sagen, denn die Level im Spiel sind komplett Statisch, von Dynamik keine Spur. Ölfässer halten Panzerfaustgeschossen stand und Holzkisten wehren sich tapfer gegen MG-Feuer. Zudem ist es nicht gerade üblich, dass ein Soldat der amerikanischen Armee sich von einem Holunderstrauch oder ähnlichem aufhalten lässt - im Spiel schon. Des Öfteren kann es auch einmal vorkommen, dass wir zwischen zwei Sträuchern, Bäumen oder Zäunen hängen bleiben und weder vor noch zurück können.

Bei den Szenarien wie auch beim Gameplay gibt es absolut nichts Neues zu entdecken. Oft wurde schon gesagt, dass der 2. Weltkrieg als Szenario für Egoshooter mittlerweile ausgedient habe - und Medal of Honor - Vanguard bestätigt diese Aussage noch einmal. Die Waffen sind unspektakulär, die Schauplätze wenig individuell und großartige Wendungen im Spiel sind nicht vorhanden. Allein schon, dass jede Mission mit dem Abschuss bzw. der späteren Zerstörung unseres Transportflugzeuges beginnt - und wir dann als Teil eines spärlichen Trupps einzelkämpferisch durch Riesenmassen von Deutschen "Spezialeinheiten" marschieren sorgt für einen gewissen Gähnfaktor - insbesondere dadurch, dass das Spiel nur 4 Missionen aufzuweisen hat. Auch seltsam ist, dass unser Flugzeug zwar in einer wilden Luftschlacht auseinandergefetzt wird, wir aber beim Landeanflug auf die gegnerische Festung aber völlig unbeirrt unseren Weg nach unten finden, durch eine ruhige und bleifreie Luft.
Neue Steuerung trifft altes Spiel
Seit dem die Wii auf dem Markt ist, wird sie als "Konsole mit einzigartigen Möglichkeiten für Egoshooter" angepriesen, verlockt durch die ungewöhnlichen Steuerungsmethoden der beiden Controller - und besonders Medal of Honor soll zeigen, wie man's "richtig macht". Und man muss wirklich sagen: es stimmt. Die Steuerung im Spiel ist wesentlich intensiver und realistischer als die eines Egoshooters auf dem PC oder per Gamepad. Schade nur, dass EA zwar eine wunderbare Steuerung des Charakters eingebaut hat, aber die Sensorfähigkeiten der Wii-FB und besonders des Nunchuks weit überschätzt. So bekommen wir im anfangs auftauchenden Tutorial gesagt, dass wir die Waffe nachladen können, indem wir den Nunchuk schnell nach rechts "bewegen".
Die gleiche Bewegung nach links bewirkt eine Drehung um 180°. Um uns hinzulegen, müssen wir den Nunchuk nach unten schlagen, um wieder aufzustehen nach oben. Das klingt auf den ersten blick recht gut, jedoch ist ein entscheidender Nachteil vorhanden: der Nunchuk reagiert zu ungenau auf die Zuckungen unser meist linken Hand - kurz: wenn wir nachladen wollen, legen wir uns hin, wenn wir uns drehen wollen um vor feindlichen Angreifern zu fliehen, springen wir in die Luft, und wenn wir uns auf die Lauer legen wollen, folgt meist eine galante 180° Drehung und wir sehen ins leere, während ein unfreundlicher Raudi uns von hinten mit Blei voll pumpt.

Die Steuerung per Wii-FB funktioniert dagegen allerdings sehr gut, zwar reagiert das Fadenkreuz auf dem Bildschirm - trotz hoher Empfindlichkeit der Sensorleiste - etwas langsam, aber immerhin können wir, solange die Zielansicht auf Frei (anstatt "Fokussiert) gestellt ist, gut durch das Spiel kommen. Die Tastenbelegung ist gut durchdacht, mit dem Fadenkreuz wechseln wir die Waffen (Links: die zwei Waffen, die wir mit uns führen können, und rechts die Handgranatenauswahl), mit dem A-Knopf holen wir uns das Ziel näher ran (auch "reinzoomen" genannt) und mit dem B-Knopf schießen wir stilecht. Übrigens brauchen potenzielle Zielscheiben jetzt keine Angst vor der Nunchuk-Steuerung zu haben, denn alle Aktionen sind auch per Knopf auf einem der beiden Controller zu finden. Hinlegen geht über den unteren Knopf am Nunchuk, Aufstehen und Springen mit dem oberen. Allerdings kann das Zucken der Hand dann doch einmal die ein oder andere ungewollte Aktion hervorrufen.
Das Steuerungstutorial erscheint immer, wenn wir eine der Aktionen ausführen, die es beschreibt. Wenn wir zum Beispiel unsere ersten Schritte in Italien am Strand von Sizilien tätigen wollen, wird das Spiel unterbrochen und wir bekommen eine knappe Einführung über das, was wir gerade machen wollten. Um das Tutorial abzuschließen müssen wir die dort gezeigte Aktion perfekt nachmachen.
Wo die Steuerung punkten kann, sahnt die Grafik höchstens die goldene Himbeere ab, da es sich um eine Portierung der PS2 Version des Spiels handelt, wurde das Grafikniveau natürlich auf deren Eigenschaften zurückgeschraubt. Verwaschene Texturen und kantige, lieblos modellierte Objekte und die eben schon angesprochene fehlende Dynamik machen das Spiel nicht gerade zu einem Augenschmaus. Einzig und allein die netten Lichteffekte können im Spiel dauerhaft überzeugen. Allerdings läuft das Spiel trotz des niedrigen Grafikniveaus nicht durchweg flüssig, den ein oder anderen Ruckler müssen wir, wenn auch nicht auffällig, einstecken. Auch die Gesichtsanimationen und das Charakterdesign ist nicht gerade der Bringer, zwar können wir in etwa abschätzen, ob unsere Kameraden gerade aggressiv, ängstlich, gelassen oder gestresst sind, aber es gab schon einmal Besseres zu sehen.

Wie in der Grafik, verliert das Spiel auch beim Sound wichtige Punkte. Zwar gibt es immer wieder das Typische WW2-Kulissenpack, aber das haben wir auch schon mehrmals gehört. Punkte kann allerdings die sehr gute, wenn auch nicht Perfekte, deutsche Synchronisation machen - die dem Spiel aber auch wieder Atmosphäre entzieht. Wir spielen als Amerikaner gegen die deutschen, und das Spiel ist ab 18, wäre es da nicht sinnvoller gewesen, den Kontrast zwischen diesen beiden Parteien zu belassen und mit Untertiteln zu arbeiten, anstatt diese nur einzublenden, wenn deutsche reden, und so peinlich zu versuchen, verständlich zu machen, dass die Amerikaner damals kein deutsch sprachen?
Die ernüchternde Menge an Singleplayerlevels ist ein weiterer großer Minuspunkt des Spiels. 4 Missionen mit je 2-3 Level rechtfertigen den Vollpreis nicht, schon gar nicht wenn die Spielzeit dermaßen schnell herumgeht. Da ist es zumindest ein kleiner Wehrmutstropfen, dass im Spiel ein Offline-Multiplayer für bis zu vier Spieler per Splitscreen eingebaut ist. Die Multiplayermodi sind die Standardkost für Mehrspieler: Deathmatch, Capture the Flag, King of the Hill, Double Domination. Der Multiplayer verläuft auch größtenteils störungsfrei, wenn man sich daran gewöhnen kann, seine Wii-FB nicht auf dem ganzen Bildschirm nutzen zu können. Auch die Karten sind ausreichend, aber nicht vergleichbar mit Multiplayertiteln auf anderen Konsolen oder dem PC, für die immer wieder Karten zur Verfügung gestellt werden. Bots sind, soweit ich das feststellen konnte, keine vorhanden.
Es gibt Dinge, die gehören einfach zum Standard Portfolio eines Publishers, und dazu gehören Shooter, die im 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Ubi hat Brothers in Arms, Activision hat Call of Duty (welches sich allerdings mit dem neusten Teil dem Szenario entzog), und EA hat sicherlich die bekannteste Marke unter den WW2 Shootern: Medal of Honor. Satte 9 Spiele sind bisher für den PC und verschiedene Konsolen herausgekommen, und nun hat die Serie mit dem Spiel Medal of Honor - Vanguard auch die Wii erreicht. Lohnt sich der mittlerweile langweilige Ausflug in den 2. Weltkrieg mit Wii-FB und Nunchuk?

Das erste Medal of Honor sorgte für aufsehen. Nicht nur, dass Steven Spielberg mit dem damaligen Entwickler Dreamworks Interactive zusammen an dem Spiel arbeitete, auch war es einer der ersten Shooter, welcher die Atmosphäre des Szenarios "2. Weltkrieg" glaubhaft vermittelte. Der Teil wurde damals indiziert, genau wie der zweite Teil (MoH: Undercover), der ebenfalls von Dreamworks Entwickelt wurde. EA zog ab dem vierten Spiel, Medal of Honor: Frontline, die Stricke des Spiels komplett an sich und entwickelte die Spieleserie von dort an in den hauseigenen Studios. Viele der Titel konnten aber wegen vielen Designschnitzern und den immer mehr ausgelutschten Szenario nicht in den Wertungen punkten. Medal of Honor - Vanguard ist der erste Titel des Franchise, der die als "perfekt für Shooter geeignete" Wii erreicht, allerdings mit einer Portierung der PS2 Version. Also, auf ins Gefecht, schlagen wir die Schlachten des zweiten Weltkrieges… wieder einmal.
Was nach oben kommt, muss auch wieder runter...
Unser Alter Ego im Spiel ist Frank Keegan, Mitglied der 82. Luftkampfdivision der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika. Kurz: Fallschirmspringer. Aus seiner Sichtweise bekommen wir die, laut Verpackung, 4 wichtigsten Schlachten des zweiten Weltkrieges zu Gesicht: Operation Husky (Italien), Operation Neptun (Frankreich), Operation Market Garden (Holland) und Operation Varsity (Deutschland). Zu Anfang einer jeden Mission bekommen wir eine Originalaufnahme aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen und hören aus dem Off die Kommentare Keegans. Die Videos selbst sind belanglos für die nachfolgende Episode, bringen aber dennoch ein wenig Atmosphäre in das Spielgeschehen ein. Nach Ende der Cutscene startet das Spiel immer gleich: wir sind in einem Flugzeug mit unseren Kameraden, und kurz vor dem Absprung wird der Flieger, seltsamerweise, abgeschossen. Unten angekommen, gibt es dann eigentlich nur eine Anweisung: zum nächsten Wegpunkt sprinten und auf dem Weg dorthin möglichst viele Deutsche (oder verbündete) umnieten. Das ist dank der dürftigen Gegner KI auch kein Problem, und so können wir die Stadt-Land-Fluss Abschnitte des Spieles auch relativ schnell hinter uns bringen. Jede der vier Operationen beinhaltet nämlich (bis zu) 3 Level.

Dämliche KI? Genau, denn einer der vielen vorhandenen Designschnitzer im Spiel ist definitiv die KI der NPCs. Diese sucht zwar, mehr oder weniger erfolgreich, Schutz hinter Barrikaden und Hausmauern, jedoch ist es einfacher, die Taktik im Spiel über Bord zu werfen und wie in Serious Sam mit gezückter Waffe blindlings in die Gegnermassen hineinzurennen, als darauf zu hoffen, dass eure gescripteten Kameraden einmal nicht im Weg stehen und euch so die sicht auf die Gegner zu nehmen. Friendly Fire ist im Spiel nämlich nicht möglich.
Zudem lässt jeder getötete Gegner genug Munition fallen, um locker durch die Level spazieren zu können. Nur selten geraten wir wirklich in Munitionsnot, und können dann immer noch die teilweise noch einfachere Methode des Scharfschützen übernehmen.
Waffen könnt ihr, neben den Handgranaten, immer zwei dabei haben.
Ab und an kommen im Spiel einige Scriptsequenzen vor, in denen ihr zum Beispiel eine Welle von gegnerischen Einheiten aus einem Haus mit euren Kollegen eliminieren müsst, bevor ihr weitergehen könnt (der letzte Schuss löst dann zum Beispiel eine Explosion aus, die eine Barrikade in die Luft sprengt - oder ihr bekommt per Luftpost eine Panzerfaust geliefert). Da ihr diese Scriptsequenzen aber auch getrost euren Kameraden überlassen könnt, gibt es teilweise nur lange Phasen des Wartens und Suchens einer freien Schießscharte, wie gesagt stellen sich die NPCs gerne mal in den Weg.
Undynamischer Staubfänger
Wenn es dann an den offenen Feldkampf geht, kann es schon durchaus komplizierter werden, denn die Gegner sind teilweise in sehr verwinkelten Ecken zu finden (oder eben "nicht zu finden"), sodass hier durchaus etwas taktisches auf-dem-Boden-kriechen gefragt ist. Wenn dann allerdings ein großkalibriger Panzer der Deutschen mehrmals auf uns schießen kann ohne dass wir effektiv Schaden nehmen (= sterben), könnte man sich schon fragen, ob diese besagte Taktik überhaupt von Nöten ist. Denn eine Lebensanzeige existiert im Spiel nicht - und besagte Panzer sind nach 3 Schuss aus der immer wieder aus der niemals endenden Munitionskiste auffüllbaren Panzerfaust leicht aus dem Weg zu räumen.
Die Gegner sind aber auch das einzige, was im Spiel zerstörbar ist. In Zeiten von Munitionskisten, Ölfässern und allerhand Gegenständen aus Holz, dürfte man von einem Spiel des "Erfolgreichsten 2. Weltkriegs Franchise" durchaus erwarten, an dieser Entwicklung teilgenommen zu haben. Pustekuchen kann man da nur sagen, denn die Level im Spiel sind komplett Statisch, von Dynamik keine Spur. Ölfässer halten Panzerfaustgeschossen stand und Holzkisten wehren sich tapfer gegen MG-Feuer. Zudem ist es nicht gerade üblich, dass ein Soldat der amerikanischen Armee sich von einem Holunderstrauch oder ähnlichem aufhalten lässt - im Spiel schon. Des Öfteren kann es auch einmal vorkommen, dass wir zwischen zwei Sträuchern, Bäumen oder Zäunen hängen bleiben und weder vor noch zurück können.

Bei den Szenarien wie auch beim Gameplay gibt es absolut nichts Neues zu entdecken. Oft wurde schon gesagt, dass der 2. Weltkrieg als Szenario für Egoshooter mittlerweile ausgedient habe - und Medal of Honor - Vanguard bestätigt diese Aussage noch einmal. Die Waffen sind unspektakulär, die Schauplätze wenig individuell und großartige Wendungen im Spiel sind nicht vorhanden. Allein schon, dass jede Mission mit dem Abschuss bzw. der späteren Zerstörung unseres Transportflugzeuges beginnt - und wir dann als Teil eines spärlichen Trupps einzelkämpferisch durch Riesenmassen von Deutschen "Spezialeinheiten" marschieren sorgt für einen gewissen Gähnfaktor - insbesondere dadurch, dass das Spiel nur 4 Missionen aufzuweisen hat. Auch seltsam ist, dass unser Flugzeug zwar in einer wilden Luftschlacht auseinandergefetzt wird, wir aber beim Landeanflug auf die gegnerische Festung aber völlig unbeirrt unseren Weg nach unten finden, durch eine ruhige und bleifreie Luft.
Neue Steuerung trifft altes Spiel
Seit dem die Wii auf dem Markt ist, wird sie als "Konsole mit einzigartigen Möglichkeiten für Egoshooter" angepriesen, verlockt durch die ungewöhnlichen Steuerungsmethoden der beiden Controller - und besonders Medal of Honor soll zeigen, wie man's "richtig macht". Und man muss wirklich sagen: es stimmt. Die Steuerung im Spiel ist wesentlich intensiver und realistischer als die eines Egoshooters auf dem PC oder per Gamepad. Schade nur, dass EA zwar eine wunderbare Steuerung des Charakters eingebaut hat, aber die Sensorfähigkeiten der Wii-FB und besonders des Nunchuks weit überschätzt. So bekommen wir im anfangs auftauchenden Tutorial gesagt, dass wir die Waffe nachladen können, indem wir den Nunchuk schnell nach rechts "bewegen".
Die gleiche Bewegung nach links bewirkt eine Drehung um 180°. Um uns hinzulegen, müssen wir den Nunchuk nach unten schlagen, um wieder aufzustehen nach oben. Das klingt auf den ersten blick recht gut, jedoch ist ein entscheidender Nachteil vorhanden: der Nunchuk reagiert zu ungenau auf die Zuckungen unser meist linken Hand - kurz: wenn wir nachladen wollen, legen wir uns hin, wenn wir uns drehen wollen um vor feindlichen Angreifern zu fliehen, springen wir in die Luft, und wenn wir uns auf die Lauer legen wollen, folgt meist eine galante 180° Drehung und wir sehen ins leere, während ein unfreundlicher Raudi uns von hinten mit Blei voll pumpt.

Die Steuerung per Wii-FB funktioniert dagegen allerdings sehr gut, zwar reagiert das Fadenkreuz auf dem Bildschirm - trotz hoher Empfindlichkeit der Sensorleiste - etwas langsam, aber immerhin können wir, solange die Zielansicht auf Frei (anstatt "Fokussiert) gestellt ist, gut durch das Spiel kommen. Die Tastenbelegung ist gut durchdacht, mit dem Fadenkreuz wechseln wir die Waffen (Links: die zwei Waffen, die wir mit uns führen können, und rechts die Handgranatenauswahl), mit dem A-Knopf holen wir uns das Ziel näher ran (auch "reinzoomen" genannt) und mit dem B-Knopf schießen wir stilecht. Übrigens brauchen potenzielle Zielscheiben jetzt keine Angst vor der Nunchuk-Steuerung zu haben, denn alle Aktionen sind auch per Knopf auf einem der beiden Controller zu finden. Hinlegen geht über den unteren Knopf am Nunchuk, Aufstehen und Springen mit dem oberen. Allerdings kann das Zucken der Hand dann doch einmal die ein oder andere ungewollte Aktion hervorrufen.
Das Steuerungstutorial erscheint immer, wenn wir eine der Aktionen ausführen, die es beschreibt. Wenn wir zum Beispiel unsere ersten Schritte in Italien am Strand von Sizilien tätigen wollen, wird das Spiel unterbrochen und wir bekommen eine knappe Einführung über das, was wir gerade machen wollten. Um das Tutorial abzuschließen müssen wir die dort gezeigte Aktion perfekt nachmachen.
Wo die Steuerung punkten kann, sahnt die Grafik höchstens die goldene Himbeere ab, da es sich um eine Portierung der PS2 Version des Spiels handelt, wurde das Grafikniveau natürlich auf deren Eigenschaften zurückgeschraubt. Verwaschene Texturen und kantige, lieblos modellierte Objekte und die eben schon angesprochene fehlende Dynamik machen das Spiel nicht gerade zu einem Augenschmaus. Einzig und allein die netten Lichteffekte können im Spiel dauerhaft überzeugen. Allerdings läuft das Spiel trotz des niedrigen Grafikniveaus nicht durchweg flüssig, den ein oder anderen Ruckler müssen wir, wenn auch nicht auffällig, einstecken. Auch die Gesichtsanimationen und das Charakterdesign ist nicht gerade der Bringer, zwar können wir in etwa abschätzen, ob unsere Kameraden gerade aggressiv, ängstlich, gelassen oder gestresst sind, aber es gab schon einmal Besseres zu sehen.

Wie in der Grafik, verliert das Spiel auch beim Sound wichtige Punkte. Zwar gibt es immer wieder das Typische WW2-Kulissenpack, aber das haben wir auch schon mehrmals gehört. Punkte kann allerdings die sehr gute, wenn auch nicht Perfekte, deutsche Synchronisation machen - die dem Spiel aber auch wieder Atmosphäre entzieht. Wir spielen als Amerikaner gegen die deutschen, und das Spiel ist ab 18, wäre es da nicht sinnvoller gewesen, den Kontrast zwischen diesen beiden Parteien zu belassen und mit Untertiteln zu arbeiten, anstatt diese nur einzublenden, wenn deutsche reden, und so peinlich zu versuchen, verständlich zu machen, dass die Amerikaner damals kein deutsch sprachen?
Die ernüchternde Menge an Singleplayerlevels ist ein weiterer großer Minuspunkt des Spiels. 4 Missionen mit je 2-3 Level rechtfertigen den Vollpreis nicht, schon gar nicht wenn die Spielzeit dermaßen schnell herumgeht. Da ist es zumindest ein kleiner Wehrmutstropfen, dass im Spiel ein Offline-Multiplayer für bis zu vier Spieler per Splitscreen eingebaut ist. Die Multiplayermodi sind die Standardkost für Mehrspieler: Deathmatch, Capture the Flag, King of the Hill, Double Domination. Der Multiplayer verläuft auch größtenteils störungsfrei, wenn man sich daran gewöhnen kann, seine Wii-FB nicht auf dem ganzen Bildschirm nutzen zu können. Auch die Karten sind ausreichend, aber nicht vergleichbar mit Multiplayertiteln auf anderen Konsolen oder dem PC, für die immer wieder Karten zur Verfügung gestellt werden. Bots sind, soweit ich das feststellen konnte, keine vorhanden.
Aljoscha Reuther meint...
Ich muss wirklich zugeben, ich mag keine WW2-Spiele. Allerdings dachte ich in den ersten Minuten von MoH Vanguard, dass ich mich getäuscht haben könnte, denn die Steuerung machte anfangs einen guten eindruck, aber beim Spielen kommt dann doch der Frustfaktor auf, besonders wenn man zwischen zwei Heidelbeersträuchern festhängt und nicht mehr weiterkommt.
Ich muss wirklich zugeben, ich mag keine WW2-Spiele. Allerdings dachte ich in den ersten Minuten von MoH Vanguard, dass ich mich getäuscht haben könnte, denn die Steuerung machte anfangs einen guten eindruck, aber beim Spielen kommt dann doch der Frustfaktor auf, besonders wenn man zwischen zwei Heidelbeersträuchern festhängt und nicht mehr weiterkommt.

GRAFIK
Selbst für Kriegsschauplätze ist die Grafik ungeeignet und es ruckelt immer wieder, zudem sind die Schauplätze steril und langweilig.
Selbst für Kriegsschauplätze ist die Grafik ungeeignet und es ruckelt immer wieder, zudem sind die Schauplätze steril und langweilig.

SOUND
Ich glaube, diese Hintergrundgeräusche habe ich schon in einem andern der gefühlten 2 Millionen Weltkriegsshooter gehört. Die Sprecher sind gut, allerdings sprechen die Amerikaner Deutsch.
Ich glaube, diese Hintergrundgeräusche habe ich schon in einem andern der gefühlten 2 Millionen Weltkriegsshooter gehört. Die Sprecher sind gut, allerdings sprechen die Amerikaner Deutsch.

BEDIENUNG
Die Wii-Steuerung eignet sich gut für Shooter, da macht auch Vanguard keine Ausnahme.
Die Wii-Steuerung eignet sich gut für Shooter, da macht auch Vanguard keine Ausnahme.

UMFANG
Nur vier Missionen mit je 2-3 Leveln, das Spiel ist zu schnell durchgespielt. Multiplayer, ja, aber nur Offline per Splitscreen.
Nur vier Missionen mit je 2-3 Leveln, das Spiel ist zu schnell durchgespielt. Multiplayer, ja, aber nur Offline per Splitscreen.
SPIELSPASS
...und noch ein (schlechtes) WW2 Spiel
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
...und noch ein (schlechtes) WW2 Spiel
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel