Another Code: Doppelte Erinnerung
Artikel verfasst von Sascha Geldermann am 19.11.2006
Früher waren Point&Click-Adventures auf dem PC sehr beliebt und Spiele wie Monkey Island feierten große Erfolge. Mittlerweile ist dieses Genre leider so gut wie ausgestorben. Doch der NDS hat mit seinem Touchscreen das Zeug dazu, es wieder auferstehen zu lassen. Mit „Another Code“ macht Nintendo, in Zusammenarbeit mit Cing, nun einen vielversprechenden Anfang.
Schatten der Vergangenheit
Ihr übernehmt die Rolle der 14-jährigen Ashley, die eine dramatische Vergangenheit hinter sich hat. An ihrem 3. Geburtstag wurde ihre Mutter vor ihren Augen ermordet und kurz darauf verschwand auch noch ihr Vater spurlos. Die letzten elf Jahre wurde Ashley von ihrer Tante Jessica aufgezogen ohne jemals die Gründe für das Schicksal ihrer Eltern erfahren zu können. Nun hat sich für sie aber alles geändert. An ihrem 14. Geburtstag bekommt sie ein Paket von ihrem verloren geglaubten Vater, in dem sich ein Gerät befindet, das den Namen „DAS“ trägt und sich im weiteren Spielverlauf als äußerst wichtig erweisen wird. In einem beigelegten Brief bittet Ashleys Vater sie um ein Treffen auf der so genannten Blood-Edward-Insel. Zusammen mit ihrer Tante macht sich das junge Mädchen also auf, um Antworten auf die vielen Fragen der Vergangenheit zu finden.

Auf der Insel angekommen muss sie eine herbe Enttäuschung erleben, da ihr Vater sie nicht wie vereinbart abholt. Als dann plötzlich auch noch Jessica verschwindet, macht sich Ashley auf eigene Faust auf, die Insel zu erforschen und so manches Geheimnis zu lüften. Schnell trifft sie auf den freundlichen Geist D., der vor 56 Jahren ein ähnliches Schicksal erleiden musste und bis heute nicht seinen Frieden finden konnte. Gemeinsam machen sich die beiden auf und helfen sich gegenseitig ihre Vergangenheit aufzudecken. Was passierte mit Ashleys Eltern? Was hat es mit der Todesserie der Familie Edward auf sich, die vor vielen Jahrzehnten auf der Insel lebten? Und wie starb D.? Die Mystery-Geschichte fesselt von der ersten Sekunde an die beiden und bleibt durch eine geschickte Inszenierung bis zum Ende spannend.
Die Rückkehr der Point&Click-Adventures
Euer Weg führt euch durch sechs Kapitel. Während ihr zu Beginn die Außenareale der Insel erforscht, verlagert sich das Geschehen schnell in die alte Villa der Famile Edward, in der sich auch Ashleys Vater aufzuhalten scheint. Auf dem unteren Bildschirm könnt ihr euch frei in einer 3D-Umgebung bewegen, während auf dem oberen ein genauer Ausschnitt der Umgebung dargestellt wird, den ihr nach nützlichen Dingen absuchen könnt. Optisch ist Another Code über jeden Zweifel erhaben. Die Ausschnitte auf dem oberen Bildschirm sehen einfach nur klasse aus und die Umgebung weist viele nette Details auf. Zusammen mit einer schönen, oft etwas beklemmenden, Hintergrundmusik, sorgt das für eine dichte Atmosphäre.

Die Steuerung funktioniert einwandfrei und ermöglicht bestes Point&Click-Gameplay. Ihr könnt die Ausschnitte des oberen Bildschirms bei Bedarf auf dem Touchscreen darstellen lassen und sie so mit dem Stylus bearbeiten. Auf diese Weise könnt ihr Unterhaltungen mit Personen führen oder die Umgebung untersuchen. Zu jedem Gegenstand den ihr antippt bekommt ihr eine Information, die mal mehr und mal weniger nützlich ist. Brauchbare Gegenstände könnt ihr mitnehmen und später benutzen. Der Haken an der Sache ist, dass man einen Gegenstand erst dann mitnehmen kann, wenn man seinen Nutzen an einer anderen Stelle schon entdeckt hat. Das führt dazu, dass man auf einmal Dinge braucht, die man schon längst untersucht hatte. Für Leute mit schlechtem Gedächtnis kann diese Tatsache das Spiel erschweren, aber zu Frust führt sie zum Glück nie. Die gefundenen Gegenstände dienen nicht nur zum Lösen zahlreicher Rätsel, sondern treiben auch die Geschichte voran, in dem sie die Erinnerungen der beiden Protagonisten wachrufen.
Rätselkost vom Feinsten
Rätsel sind das zentrale Element von Point&Click-Adventures und stehen damit auch bei Another Code im Mittelpunkt. Wenn man die Umgebung sorgfältig untersucht, ist das Lösen der Rätsel in der Regel nicht allzu schwer, aber anspruchsvoll sind sie allemal. Wer denkt, dass man einfach Gegenstände kombinieren oder auf dem Touchscreen ein paar Bewegungen ausführen muss, der hat sich gewaltig geschnitten. Der Ideenreichtum der Entwickler nutzt die Fähigkeiten des Dual Screens so gut aus, wie noch kein Spiel zuvor. Zum Beispiel muss man an einer Stelle die beiden Bildschirme ineinander spiegeln, um eine Botschaft zu entschlüsseln. Viel mehr wollen wir an dieser Stelle aber auch gar nicht verraten, denn das selbstständige Lösen der Rätsel ist sehr motivierend und macht dank kreativer Einfälle viel Spaß.

Das Gerät mit dem Namen „DAS ermöglicht neben dem Speichern der Spielstände und der Verwaltung des Inventars auch das Schießen von Fotos. Diese Bilder kann man dann übereinander legen, was für manche Aufgaben clever genutzt wird. Auch das Mikrofon kommt sinnvoll zum Einsatz, etwa um eine Staubschicht zu beseitigen.
Wie lange man zum Durchspielen dieses Titels benötig, ist stark davon abhängig, wie schnell man die vielen Rätsel lösen kann, aber trotzdem gelangt man am Ende auf jeden Fall zu der Erkenntnis, dass der Umfang des Spiels zu gering ist. Nach ungefähr sechs bis acht Stunden ist das Abenteuer leider schon vorbei. Das ist sehr enttäuschend, aber immerhin gibt es alternative Enden, die zu weiteren Durchgängen motivieren.
Sascha Geldermann meint...
Die Blood-Edward-Insel hat mich vollständig in ihren Bann gezogen. Die spannende Geschichte und die dichte Atmosphäre haben mich von Anfang an gefesselt. Was ist mit Ashleys Famile passiert? Was hat es mit dem Geist D. auf sich? Und woran starben die früheren Bewohner der Insel? Fragen über Fragen für deren Beantwortung Rätsel gelöst werden müssen, die an Kreativität kaum noch zu überbieten sind und die Möglichkeiten des Nintendo DS clever ausnutzen. Zwar ist der Umfang viel zu gering ausgefallen - was in den sechs bis acht Stunden geboten wird, ist aber schlichtweg genial.
Die Blood-Edward-Insel hat mich vollständig in ihren Bann gezogen. Die spannende Geschichte und die dichte Atmosphäre haben mich von Anfang an gefesselt. Was ist mit Ashleys Famile passiert? Was hat es mit dem Geist D. auf sich? Und woran starben die früheren Bewohner der Insel? Fragen über Fragen für deren Beantwortung Rätsel gelöst werden müssen, die an Kreativität kaum noch zu überbieten sind und die Möglichkeiten des Nintendo DS clever ausnutzen. Zwar ist der Umfang viel zu gering ausgefallen - was in den sechs bis acht Stunden geboten wird, ist aber schlichtweg genial.

GRAFIK
hübsche 3D-Umgebungen, die Zwischensequenzen sind dagegen einfach gehalten
hübsche 3D-Umgebungen, die Zwischensequenzen sind dagegen einfach gehalten

SOUND
passend beklemmende Hintergrundmusik, dafür fehlt die Sprachausgabe
passend beklemmende Hintergrundmusik, dafür fehlt die Sprachausgabe

BEDIENUNG
einwandfreie Kontrolle per Stylus
einwandfreie Kontrolle per Stylus

UMFANG
alternative Enden, trotz allem viel zu kurz
alternative Enden, trotz allem viel zu kurz
SPIELSPASS
Packende Rätselkost, die an Kreativität kaum zu überbieten ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Packende Rätselkost, die an Kreativität kaum zu überbieten ist.
* kein Durchschnitt der einzelnen Kategorien
Informationen zum Spiel