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Jam with the Band
verfasst von Sascha Geldermann

Seid ihr bereit für die ultimative Jam-Session? Nintendo liefert euch dafür auf nur einer kleinen Cartridge 100 Lieder und 50 Instrumente – von der Gitarre über die Rockorgel bis hin zur Mundharmonika. Alles was ihr noch machen müsst, ist das Anschalten des Nintendo DS und das Auftreiben einiger Mitspieler.


Portable Jam-Session

Möglich gemacht wird die Jam-Session überhaupt erst durch die comichafte Barbara the Bat, die ein klein bisschen so aussieht wie Segas Nights nach einer stümperhaften Geschlechtsumwandlung. Doch ihr Aussehen ist eigentlich egal, die Hauptsache ist, dass sie euch eine Bühne und 50 virtuelle Instrumente zur Verfügung stellt. Setzt euch also hin, um in Ruhe Saiten zu zupfen, in Blechinstrumente zu blasen oder in Tasten zu hauen. Das könnt ihr zwanglos bei einer Übungssession oder bei einem Gig machen. Die Gigs sind eine Art Karriere-Modus, bei der ihr ein virtuelles Publikum mit vorgegebenen Liedern und festgelegten Instrumenten zum Ausrasten bringen müsst.

Das Spielprinzip ist einfach, macht aber viel Spaß. Ihr müsst natürlich nicht 50 Plastikinstrumente kaufen, um „Jam with the Band“ spielen zu können. Das Spielprinzip ist absolut auf den Nintendo DS zugeschnitten und kommt ganz ohne Zusatzhardware aus. Alles was ihr braucht sind Touchscreen und Knöpfe. Im Knopfmodus läuft ein Cursor über die Takte eines Liedes. Immer wenn er eine „Note“ trifft, müsst ihr diese spielen. Notenschrift müsst ihr allerdings nicht lesen können, da es sich bei den „Noten“ in Wirklichkeit nur um Symbole handelt, die sich sofort erschließen: Bei einem „A“ solltet ihr den A-Knopf drücken, bei einem „L“ die L-Taste und zeigt ein Pfeil nach links, gilt es das Steuerkreuz in die entsprechende Richtung zu drücken.

Es gibt vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, sodass Takttrampel genauso auf ihre Kosten kommen wie Musiktalente. Der Anfänger-Level dient allerdings nur zur Übung und wird jeden Spieler schnell unterfordern. Hier gibt es nämlich mit Smileys nur eine Art von Symbolen und es ist egal, welchen Knopf ihr dabei drückt. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto mehr Tasten kommen dazu. Als Profi spielt ihr sogar mit allen sechs Tasten des Nintendo DS, den Start- und den Select-Knopf mal ausgenommen, und die vier Richtungen des Steuerkreuzes. Für Anspruch ist also genug gesorgt. Und ist die komplexe Steuerung erst einmal verinnerlicht, geht sie leicht von der Hand. Dann macht es auch viel Spaß, sich im Takt gehen zu lassen und mit dem Nintendo DS ein Lied nach dem nächsten zu bezwingen.

So unterhaltsam das Spielprinzip auch ist – der Nintendo DS kann vom Spielgefühl her natürlich keine echten Instrumente nachahmen, wie es auf Heimkonsolen mit Zusatzcontrollern möglich ist. „Jam with the Band“ versucht aber spürbar, aus den limitierten Möglichkeiten des Handhelds das Beste zu machen. So gibt es neben dem Knopfmodus auch einen Gitarrenmodus, bei dem ihr mit dem Stylus die Saiten zupft. Außerdem lässt sich der Touchscreen auch in ein Klavier verwandeln, sodass bei einer Reihe von Instrumenten dann doch ein bisschen Realismus geboten wird.

Richtig süchtig macht das Spielprinzip aber nur in der Gruppe. Dabei macht es euch „Jam with the Band“ besonderes leicht, zu einer Jam-Session bis zu sieben Mitspieler einzuladen. Benötigt wird nämlich nur eine einzige Cartridge, während ein eigener Nintendo DS pro Spieler aber natürlich unverzichtbar ist. Jeder Song bietet sechs bis acht Instrumentalparts, von denen sich jeder Musiker einen vornehmen kann. In der Gruppe vermischen sich dann alle Teile zu einem stimmigen Lied, was ein extrem geselliges sowie entspannendes Spielerlebnis ist.

50 Instrumente für 100 Lieder

Es sind hauptsächlich die zwanglosen Jam-Sessions des Spiels, die seinen Reiz ausmachen und für Spaß sorgen. Wer richtige Aufgaben erwartet, wird eher enttäuscht sein. Die Gigs sind nämlich der einzige Modus, der euch vor Herausforderungen stellt. Und diese bestehen nun einmal etwas rudimentär daraus, ein Song nach dem anderem vor einem relativ leblosen Publikum zu performen, das aus comichaften Tierwesen besteht. An Anspruch fehlt es dabei zwar nicht, Abwechslung wird aber kaum geboten.

Wer sich den Jam-Sessions hingeben kann, wird aber voll auf seine Kosten kommen. Allein das Ausprobieren aller Instrumente und Lieder hält stundenlang bei Laune. Auf der Cartridge befinden sich schon 50 vorgespeicherte Lieder, die eine Menge musikalische Abwechslung mitbringen. So lässt sich „Smoke on the Water“ genauso spielen wie ein „Super Mario Kart Medley“, Lady Marmalade“ und „Für Elise“. Da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Außerdem lassen sich über die Wi-Fi Connection auch noch kostenlos bis zu 50 weitere Songs herunterladen und auf der Cartridge speichern, wobei Stücke wie „99 Luftballons“, “Perfekte Welle“ und „Lemon Tree“ die Auswahl noch einmal bereichern und auch noch ein paar deutschsprachige Lieder einbringen.

Neben der Auswahl an Lieder kann auch die an Instrumenten überzeugen. So könnt ihr mit dem Bass, den Drums, dem Saxophon, der Rockorgel, der Gitarre, der Klarinette, der Trompete, der Mundharmonika, der Posaune und den Bongos auf die Bühne gehen – um nur ein Fünftel aller Instrumente aufzuzählen. Damit von der vielseitigen Musik und euren dazugehörigen Darbietungen auf den zahlreichen Instrumenten auch eure Nachbarn etwas haben, sollten Wii-Besitzer sich unbedingt den kostenlosen „Jam with the Band Live“-Kanal herunterladen. Denn dann lässt sich euer Fernseher als Lautsprecher benutzen, was gleich viel mehr Stimmung aufkommen lässt. Dabei solltet ihr allerdings keine Originalversionen der Lieder erwarten. „Jam with the Band“ bietet lediglich synthetische Versionen der Lieder ganz ohne Gesang. Das Ganze klingt also ungefähr so, als wären die Songs allesamt auf dem Keyboard eingespielt worden.

Karaoke light

Während die Lieder von sich aus auf Gesang verzichten, müsst ihr es nicht tun. Es gibt nämlich auch einen Karaoke-Modus, bei dem ihr keine Tasten drückt, sondern einfach nur den auf dem Bildschirm gezeigten Text ins Mikrofon des Nintendo DS singt. Der Karaoke-Modus macht durchaus Spaß bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Eine Bewertung eurer Leistung während des Singens gibt es gar nicht. Nach einem Song werden immerhin euer Rhythmus und eure Tonhöhe mit „Schlecht“, „Normal“ oder „Gut“ bewertet sowie eure Stimmlage analysiert. Doch auch das ist eher rudimentär und sollte wohl auch nicht zu ernst genommen werden. Das Ganze ist letztendlich nicht mehr als eine nette Beigabe, mit der man kurzzeitig Spaß haben kann, die allerdings auf gar keinen Fall als richtiges Karaoke-Spiel angesehen werden sollte.

Neben dem Nachspielen und Nachsingen vorgefertigter Songs dürft ihr auch selbst welche erschaffen. Unerfahrene Komponisten freuen sich dabei über einen einfachen Editor, bei dem sie die gewünschte Melodie einfach summen oder sie auf einem Klavier nachspielen dürfen. Viel mehr Möglichkeiten bietet dagegen der Expertenmodus, bei dem sich Songs aus einzelnen Instrumentalparts zusammensetzen und sich Stücke durch das Eingeben richtiger Noten komponieren lassen. Damit lassen sich recht professionelle Werke erschaffen und natürlich auch via Wi-Fi Connection mit der ganzen Welt teilen.

Übersicht garantiert das Spiel beim Editor genauso wie in allen anderen Modi auch. Das gilt nicht nur für die Anzeigen auf dem Bildschirm, sondern auch für die sehr komfortabel gehaltene Menüführung. Nur die Songsuche hätte noch ein bisschen zugänglicher ausfallen können. Ihr könnt Titel zwar durch Eingabe des Namens und sogar durch das Summen der Melodie finden, eine Sortierung nach Genre oder anderen Kategorien ist aber nicht möglich. Die Übersichtlichkeit beim eigentlichen Spielen wird auch durch eine absolut zweckmäßige Gestaltung erkauft. Gerade bei den Gigs hätten die Entwickler ruhig mehr Wert auf die Präsentation legen können. Das recht starre Comic-Publikum lässt einfach nie so richtig Stimmung aufkommen. Wie auch der vielfältige aber eben synthetische Sound zeigt, ist „Jam with the Band“ eben ein Musikspiel, dass mit den Beschränkungen leben muss, die der Nintendo DS im Vergleich zu den Heimkonsolen bietet. Und unter diesem Gesichtspunkt mach das Spiel einen guten Job, das Genre portabel zu machen.

Kommentar
Immer wenn ich etwas Entspannung brauche, bin ich dankbar für diese Jam-Session. „Jam with the Band“ bietet genug Lieder und Instrumente, um mich allein schon mit zwanglosem Experimentieren stundenlang zu beschäftigen. Grafik, Soundqualität und Spielgefühl können zwar nicht mit den Musikspielen der Heimkonsolen mithalten - doch „Jam with the Band“ macht aus den limitierten Möglichkeiten des Nintendo DS eine Menge. Und wenn sich auch noch sieben Mitspieler finden, vergessen die Musiker im Rausch des Taktes eh, dass sie nur ein kleines Gerät mit Doppelbildschirm in den Händen halten.


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Entwickler Nintendo EAD
Publisher Nintendo
USK-Freigabe ohne Altersbeschränkung