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Monster Hunter Tri
verfasst von Sascha Geldermann

Capcom hat erstmals Nintendo-Fans dazu auserkoren, als Monster-Jäger Ruhm und Ehre zu erlangen. Mit Schwert, Lanze oder Armbrust zieht ihr zu Land und unter Wasser in den Kampf, um euch immer gewaltigeren Kreaturen zu stellen. Intensive Vorbereitung und viel Geduld sind unverzichtbar, zahlen sich aber aus, wenn ihr mit einem Glücksgefühl den Körper eines besiegten Monsters ausweidet.


Vorbereitung auf harte Kämpfe

Die Bewohner des kleinen Moga-Dorfes führen eigentlich ein friedliches Leben im Einklang mit der Natur. Der benachbarte Wald schenkt ihnen wichtige Rohstoffe und schützt sie vor Angriffen von Monstern. Doch seit einiger Zeit erschüttern Erdbeben die Umgebung und zerstören immer mehr Teile des Dorfes und des Waldes. Der Dorfälteste macht das riesige Wassermonster Lagiacrus dafür verantwortlich und heuert euch als Jäger an, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Also erstellt euch einen individuellen Jäger und reist nach Moga, um diesen Auftrag ehrenhaft zu Ende zu führen. Doch Lagiacrus sofort gegenüberzutreten wäre euer sofortiger Tod. Bevor ihr eine Chance gegen dieses Wassermonster habt, werden Tage und Wochen ins Land ziehen, in denen ihr Erfahrungen sammelt und euch eine immer bessere Ausrüstung zusammenstellt.

Mit dem Tod von Lagiacrus und dem Ende der Erdbeben habt ihr ein festes Endziel vor Augen. Dieser Auftrag vom Dorfältesten ist aber auch das einzige Stück Geschichte, das euch dargeboten wird. Ansonsten kommt das Spiel ohne Story aus. Das ist gerade für Solo-Spieler zwar schade, schadet der Motivation aber kaum. Das Spiel bezieht seinen Reiz nämlich daraus, dass ihr aus eigener Kraft heraus immer stärker werdet. Es gibt keine Erfahrungspunkte und keine Attribute, die verbessert werden könnten. Ihr habt nur euren Charakter und die Möglichkeit, mit Rohstoffen immer bessere Ausrüstung zu erhalten. Während sich Kräuter im Wald und Erz in Mienen finden lassen, erhaltet ihr die meisten anderen Rohstoffe nur von besiegten Monstern. Mit jedem Sieg könnt ihr also eure Ausrüstung verbessern und euch damit größeren Kreaturen stellen bis ihr am Ende euer weidendes Schwert in den leblosen Rumpf von Lagiacrus rammt.

Der Ausgangspunk für eure Jagdausflüge ist das Dorf Moga, das zwar klein ist, aber auf seine übersichtliche Weise auch alles bietet, was ihr braucht. Der zentrale Weg führt euch vorbei an einem Laden, der euch Ausrüstung anbietet, und an einem Schmied, der eure Waffen und Rüstungen mit den richtigen Rohstoffen und ein bisschen Geld verbessert. Neben dem Schmied steht eure kleine Hütte. Selbst der berüchtigtste Monsterjäger kann weder immer unter dem Sternenhimmel schlafen, noch tonnenweise Ausrüstung durch das Land schleppen. Daher findet ihr in eurer Unterkunft ein Bett, das zum Ausruhen und Speichern dient, und eine Truhe zum Verwalten all eurer Gegenstände. Euer direkter Nachbar ist praktischerweise die Jägergilde, die euch mit Quests versorgt bei denen es Rohstoffe zu sammeln oder einfach ein Monster zu erledigen gilt. Ein bisschen weiter ist der Weg zur Farm. Den werdet ihr aber gerne auf euch nehmen, könnt ihr dort doch Kräuter, Pilze und manch anderen Rohstoff kultivieren und damit langfristig vermehren.

Vor jedem Quest solltet ihr euch im Dorf so gut wie möglich ausrüsten, um dann in bester Verfassung auf die Jagd zu gehen. Die Welt außerhalb des Dorfes ist gewaltig. Wenn ihr über grüne Ebenen lauft, durch Moore wartet und durch Wälder streift, während Gebirge und Schluchten einen beeindruckenden Hintergrund auf den Bildschirm malen, weht Epik durch das Land, die Wii-Besitzer sonst nur in Hyrule erleben können. Zu den Höhenpunkten gehören optisch wie spielerisch definitiv die Kämpfe unter Wasser, bei denen Geräusche und Licht verschluckt werden und ihr in eine ganz andere Welt versetzt werdet. Was allerdings wie eine riesige zusammenhängende Welt aussieht, sind in Wirklichkeit nur viele kleine Areale, zwischen denen sich nicht ohne kurze Ladepause wechseln lässt. Das trübt die ansonsten beeindruckende Reise ein wenig, kann der Spielwelt aber nicht ihre Faszination nehmen.

Die Euphorie der Jagd

„Monster Hunter Tri“ ist eines der komplexesten und umfangreichsten Spiele für Wii und damit eine Offenbarung für die Core-Zielgruppe. Ihr könnt nicht einfach aus dem Dorf laufen und euch auf das nächstbeste Monster stürzen. Nur wer seine Taktik genau abwägt und viel Geduld sowie Zeit in das Sammeln von Rohstoffen und das Erstellen besserer Ausrüstung steckt, hat eine Chance gegen die immer stärker werdenden Kreaturen. Monsterjagd ist kein Schneckenschupsen und so ist der Schwierigkeitsgrad relativ hoch angesetzt. Ihr werdet einige Tode sterben, allerdings nie mit unfairen Mitteln besiegt. Es ist einfach nur euren eigenen Fähigkeiten und eurer schlechten Vorbereitung zuzuschreiben, wenn ihr kläglich versagt. Es liegt alles an euch und das macht wohl auch den großen Reiz des Spiels aus.

Immerhin gewährt euch das Spiel einen leichten Einstieg, bevor es nach ein paar Stunden wirklich ernst und verdammt schwer wird. So erklären euch die Dorfbewohner am Anfang alles ganz genau. Wie verbessert ihr eure Ausrüstung? Wo findet ihr Rohstoffe? Worauf müsst ihr bei der Monsterjagd achten? Zahlreiche Textfenster und erste Kämpfe liefern die Antworten auf diese Fragen und Freiraum zum Ausprobieren. Dabei solltet ihr euch vor allem erst einmal mit den Waffen vertraut machen und euch für eine entscheiden. Die Wahl einer Waffe verändert schließlich deutlich das Spielgefühl und die erforderte Taktik. Also überlegt euch ganz genau, ob ihr schnelle Angriffe mit dem schwachen Schwert startet oder Kraft über Geschwindigkeit stellt und mit dem Hammer, der Lanze oder der Axt eure Gegner niederstreckt. Natürlich dürft ihr auch als Fernkämpfer auf die Pirsch gehen, wobei ihr mit der Armbrust bewaffnet immer darauf achten solltet, genug Distanz zu eurem Gegner aufzubauen.

Seine wahnsinnige Komplexität bezieht „Monster Hunter Tri“ zum einen durch die umfangreichen Möglichkeiten bei der Ausrüstung. Zum anderen besitzen aber auch die Kämpfe an sich eine enorme Spieltiefe. Mit Zuschlagen und geschicktem Ausweichen ist es lange nicht getan. Wollt ihr einen riesigen Brocken in die Knie zwingen, müsst ihr auch Fallen bauen oder die Unterstützung eures kleinen Helfers Cha-Cha gezielt einsetzen. Cha-Cha ist ein Wesen, das sich euch im Spielverlauf anschließt und das euch mit effektreichen Tänzen und besonderen Fähigkeiten zur Seite steht. Wenn euch der Kleine auf die Nerven geht könnt ihr ihn sogar als Köder missbrauchen, um die Aufmerksamkeit der Monster auf ihn zu lenken und selbst aus dem Hinterhalt anzugreifen.

Die Steuerung geht bei den actionreichen Kämpfen gut von Hand, zumindest wenn ihr wie empfohlen mit dem Classic Controller spielt. Die Kombination aus Wii-Remote und Nunchuk macht zwar auch keine schlechte Figur, dabei wirkt die Steuerung aber ein bisschen überladen. Aber egal für welche Option ihr euch entscheidet: Gewöhnungsbedürftig ist immer, dass sich die Gegner nicht anvisieren lassen. Problematisch daran ist vor allem, dass die Kamera nicht auf die Gegner gerichtet bleibt, worauf diese aber leider keine Rücksichtnehmen und immer wieder auch eurem Blickfeld verschwinden. Zum manuellen Nachjustieren ist in hektischen Gefechten oft nicht genug Zeit, sodass die Übersicht immer wieder leidet.Unfair oder frustrierend wird das Spiel dadurch zwar nicht, eine Möglichkeit zum Anvisieren hätte die ansonsten mitreißenden und gewaltigen Kämpfe aber noch ein Stück runder wirken lassen.

Gemeinsam gegen Giganten

Während die Verbesserung der Ausrüstung Langzeitmotivation garantiert, sorgen unzählige Quests und jede Menge Monster dafür, dass euch „Monster Hunter Tri“ wahrscheinlich wochenlang beschäftigen kann. Es gibt immer mehr zu sehen, immer mehr zu sammeln und immer mehr zu erleben. Und wenn ihr euch nicht nur auf das Solo-Spiel beschränkt, werdet ihr sogar noch viel länger auf die Jagd gehen - oder euch zumindest in der Arena austoben. In diesem speziellen Modus messt ihr euch mit der Aussicht auf ordentliche Belohnung nämlich in einem begrenzten Ring mit mächtigen Kreaturen und könnt euch dabei auch mit einem Freund verbünden. Die Arenakämpfe sind zwar nur lokal möglich, dafür kann euer Mitspieler aber einen eigenen Charakter auf einer Remote gespeichert mitbringen.

Capcom hat großen Wert auf den Online-Modus gelegt, der noch einmal einen riesigen Umfang mit sich bringt. Statt des kleinen Dorfes ist dort eine große Stadt der Ausgangspunkt für eure Abenteuer. Dabei stürzt ihr euch nicht in die Quests des Solo-Spiels, sondern stellt euch mit euren Gefährten ganz neuen Aufgaben. Durch das Erfüllen von Quests steigt ihr hier auch in eurem Jägerrang auf, was zwar keine Attribute verbessert, wodurch euch aber schwierigere Aufgaben anvertraut und in der Stadt bessere Ausrüstungsgegenstände angeboten werden. Das sorgt noch einmal für zusätzliche Motivation, die euch potenziell monatelang für die Online-Monsterjagd begeistern könnte.

Beim Online-Part machen die Entwickler Nägel mit Köpfen und ermöglichen eine komfortable Gruppenjagd ganz ohne nervige Freundescodes. Ihr sucht euch einfach einen Server auf, dann eine Stadt und letztendlich bis zu drei Gefährten. Damit ihr mit euren Mitspielern eine Taktik festlegen oder euch einfach nur nett mit ihnen unterhalten könnt, gibt es mehrere Wege zur Kommunikation. Am bequemsten ist wohl der Voice-Chat über WiiSpeak. Ihr könnt aber auch eine USB-Tastatur anschließen oder mit einem virtuellen Tastenfeld Nachrichten tippen. Monsterjagd ist eben eine kommunikative Angelegenheit.

Ist „Monster Hunter Tri“ schon alleine ein fesselnder Spielgenuss, entfaltet der Titel erst online seine wahren Stärken. Hier lassen sich in der Gruppe komplexe Vorgehensweisen absprechen, durch die zum einen das Jagen in Vergleich zum Einzelspiel ein bisschen leichter wird und zum anderen die Zahl an taktischen Möglichkeiten beträchtlich steigert. So können schnelle Schwertkämpfer die Aufmerksamkeit der Monster auf sich ziehen, während ein anderer Spieler Fallen legt und schwerer bewaffnete Mitstreiter aus dem Hinterhalt angreifen. Gelingt die taktische Zusammenarbeit, hat selbst der gefährlichste Gigant von einem Monster keine Chance und die Euphorie des Sieges darf in gemeinsamer Runde genossen werden.

Die Monster schützen sich mit allerlei Tricks, sodass sie euch mit Feuer beschießen oder Massen an kleiner Kreaturen auf euch hetzen. Aber egal wie viele Gegner und Effekte den Bildschirm füllen – selbst im Online-Spiel bleibt die Framerate durchgehend stabil. Das wird sich sicherlich auch durch die vielen kleinen Areale erkauft, ist aufgrund einer hohen optischen Qualität aber dennoch beeindruckend. Schließlich trägt nicht nur der Sound zur dichten Atmosphäre bei, der eine fehlende Sprachausgabe mit einer wunderschönen Musikuntermalung ausgleicht, sondern auch die Gestaltung der gesamten Spielwelt.

Die vielseitige Landschaft sieht durchweg bezaubernd aus und vor allem die Gegner glänzen mit detailverliebter Gestaltung und realistischen Animationen. Nintendo ließ kurz vor dem Release verlauten, dass sich das Zelda-Team durch die beeindruckende Grafik von „Monster Hunter Tri“ unter Druck gesetzt fühlen würde. In Angesicht etwas matschiger Texturen ist diese Aussage zwar hauptsächlich als Werbung für diesen wichtigen Wii-Titel zu verstehen, doch wenn Hyrule eine genauso malerische Landschaft und so grandios designte Gegner wie „Monster Hunter Tri“ bieten wird, könnt ihr euch auf eine Augenweide von einem Zelda-Spiel freuen.

Kommentar
„Monster Hunter Tri“ ist für Core-Spieler wie mich eine wahre Offenbarung. Wer bereit ist, viel Zeit in die Verbesserung seiner Ausrüstung und in das Entwickeln immer komplexerer Taktiken zu investieren, wird hunderte Stunden in der unglaublichen Spieltiefe versinken. Immer wenn ich nach langer Vorbereitung und einem harten Kampf einen besiegten Koloss ausgeweidet habe, hat mich ein solches Glücksgefühl ergriffen, dass ich die kleinen Schwächen des Spiels ganz vergaß und meine Motivation ins Unermessliche wuchs. Monster seid gewarnt: In den nächsten Wochen und Monaten werde ich euch gnadenlos jagen – vor allem im grandiosen und umfangreichen Online-Modus.


Zur Spiele-Seite

Entwickler Capcom
Publisher Nintendo
USK-Freigabe ab 12 Jahren