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Sin and Punishment - Successor of the Skies
verfasst von Aljoscha Reuther

Isa und Kachi sind kein gewöhnliches Paar. Isa ist ein Elitekämpfer des inneren Universums, trainiert, um die Streitkräfte des äußeren Universums zu vernichten. Kachi hingegen ist eine Spionin des besagten äußeren Universums, die allerdings nichts von ihrer Herkunft weiß. Zusammen versuchen sie, von der vierten Erde zu fliehen und Schutz vor dem Krieg zu suchen. Das kann das innere Universum natürlich nicht zulassen, und schickt seine Elitetruppe, die Nebulox, aus, um Isa und Kachi zu vernichten.Was daraus folgt ist die wohl effektreichste Schlacht, die die Wii jemals auf die heimischen Fernseher gebracht hat. Willkommen bei Sin and Punishment – Successor of the Skies.

Auf der Flucht

Den ersten Teil von Sin and Punishment werden die meisten Spieler wohl nur aus der Virtual Console kennen – wenn überhaupt. Denn den Actionshooter für den N64 veröffentlichte Nintendo damals nicht in Europa. Beim aktuellen Teil (Teil 2 also) geht das Stammhaus von Mario, Samus und Co. Allerdings neue Wege und veröffentlicht Sin and Punishment (2) noch vor dem amerikanischen Releasetermin in Europa. Und das, was der Titel verspricht, ist nicht gerade wenig: nonstop Action, Schlachten mit gigantischen Gegnern und eine konstante Bildrate von 60fps bei einer klasse Grafik. Kann man diese Versprechen überhaupt halten?

Das Wii Abenteuer wurde von den Actionspezialisten von Treasure entwickelt, die auch schon für den ersten Teil verantwortlich waren. Wer die Spiele des japanischen Entwicklers (wie zum Beispiel Ikaruga oder Gunstar Heroes) kennt, weiß, dass wir uns schon einmal auf epische Gegnerschlachten einstellen können, bei denen nicht mit Munition gegeizt wird.

Aber worum handelt es sich überhaupt bei Sin and Punishment? Der Begriff Actionspiel ist immerhin ein recht dehnbarer Begriff. Nun, am einfachsten kann man das Spiel eigentlich als Scroll-Shooter bezeichnen, wobei diese Bezeichnung dem Spiel nicht gerecht wird. Wie beim klassischen Railshooter ist die Bahn, in der wir uns durch die Level bewegen, vorgegeben. Unsere Spielfigur (entweder Isa oder Kachi) kann sich dabei über den gesamten Bildschirm frei bewegen und so den Geschossen ausweichen, die unsere Gegner auf uns feuern. Die Kamera fährt dabei durch die sehr aufwendig gestalteten Level, in denen an allen Ecken und Enden wahre Gegnermassen auftauchen und den Bildschirm schnell in ein Schlachtfeld aus Laserstrahlen und Explosionen verwandeln. Zwischendrin folgen immer wieder riesige Schlachtschiffe und Monster, die wir unter Dauerfeuer dann doch irgendwann klein kriegen.

Die Perspektive ist dabei nicht festgelegt. Größtenteils sehen wir Kachi oder Isa von hinten, während die Kamera wilde Fahrten, teilweise mit Überschlägen, hinlegt. Für Abwechslung sorgen Einlagen von vertikal- und horizontalen Shooteransichten, sogar eine Beat-Em-Up Szene im Stil von Tekken und ein Rennen auf den Straßen eines Highways sind vorhanden. Was den Ideenreichtum im Spiel angeht ist Sin and Punishment eine absolute Schatztruhe, denn hier haben die Entwickler immer genau an den richtigen Stellen eine gute Portion Abwechslung reingebracht, ohne jedoch vom Grundprinzip des Gameplays abzuweichen. Die Bosskämpfe sind immer mehrfach gegliedert, in jedem Level gibt es mehrere „Commander“, die Bossgegner im Spiel, die wir mitten im Level immer wieder besiegen müssen. Dabei sind die Zwischengegner meist genau so schwer, wie ihre Kollegen am Ende eines Levels.

Kurztrip auf einem sterbenden Planeten

Die Story ist im Spiel, gerade wegen der satten Action und der generellen Spielmechanik, eigentlich belanglos und wird dem Spieler ohne Vorwissen ohnehin nicht klar. Alles beginnt damit, dass das Schiff, auf dem Isa und Kachi sind, abgeschossen wird, eine Storyeinführung gibt es nicht. Ein Blick ins Handbuch verrät den Teil der Geschichte, den ich oben bereits im Intro geschrieben habe. Allerdings ist das ganze, wie schon gesagt, eher belanglos, da die Zwischensequenzen mit sinnlosen Gesprächen über Menschlichkeit und Isas Vergangenheit gespickt sind, aus denen wir absolut nicht schlau werden. Wer auf die Story verzichten kann, drückt den Minus-Knopf und überspringt so das Gerede, ein sehr guter Zug von Treasure. Kurze Zeit später laufen oder fliegen wir wieder durch eines der insgesamt 8 Level, die sich von einer Landestation über eine unterirdische Großstadt mit angrenzendem Unterwassertunnel bis hin zu einem Albtraumwald und einer Magmagrube ziehen. Das Finale findet natürlich Stilecht im All statt.

Optisch machen die Spielwelten einiges her, allerdings wirkt das Spiel in manchen Passagen sehr steril und eintönig. Gerade in den Zwischensequenzen setzt zudem ein starkes Kantenflimmern ein, da sich hier die Kamera eher weniger bewegt.
An anderen Stellen dreht die Grafik dann aber kräftig auf, gerade bei den gigantischen Bosskämpfen holt die Engine alles aus der Wii heraus, was möglich ist. Stilecht dürfen natürlich die Massen an Geschossen, die gleichzeitig über den Bildschirm schießen, nicht fehlen, gepaart mit Explosionen, fallenden Gegnern und zerstörten Gebäuden. Auch Unschärfeeffekte und Verfärbungen beherrscht das Spiel wie am Stück, und das alles ohne einen einzigen Ruckler.

Über die reine Spielzeit von nur 4 Stunden kann man sich streiten. Einerseits ist das Spiel recht schnell durchgespielt – vorausgesetzt man meistert den recht happigen Schwierigkeitsgrad, der bereits bei „Leicht“ einige Probleme aufkommen lässt, andererseits ist die Spielzeit für einen Shooter recht angemessen. Zudem sind alle Level einzeln erneut spielbar, und die typische Highscorejagd tut, neben der Herausforderung von 3 Schwierigkeitsgraden, das übrige.
Die WiFi Connection des Spieles beschränkt sich übrigens auf die erwähnte Highscore, allerdings sind die Listen sehr übersichtlich und nach verschiedenen Optionen geordnet.

Zu mehr ist die WiFi Connection allerdings nicht zu gebrauchen, ein Onlinemultiplayer fehlt komplett. Lokal können sich zwei Spieler in die Schlacht stürzen, wobei nach wie vor nur eine Figur auf dem Bildschirm herumläuft und -fliegt. Spieler 2 hat nur ein zusätzliches Fadenkreuz, die Spielfigur wird von Spieler 1 gesteuert. Netterweise bietet uns das Spiel 3 (strenggenommen 4) verschiedene Steuerungsvarianten an. Zum einen natürlich die Steuerung per Wii-FB und Nunchuk, dann per Classic Controller und per Gamecube Controller. Außerdem wird der Wii-Zapper unterstützt, was die eventuelle vierte Variante darstellt. Die Steuerung per Fernbedienung ist hier allerdings zu empfehlen, da es zum Zielen wesentlich angenehmer ist, auf den Fernseher zu deuten, als das Fadenkreuz auf dem Bildschirm umher zu bewegen oder auf die leicht nervige Zielautomatik zu vertrauen. Im Grunde funktionieren aber alle Steuerungsformen perfekt.

Bleibt noch der Sound zu erwähnen. Im Spiel werden unsere Schlachten stilecht mit genretypischen Musikstücken unterlegt – schnell, aggressiv und futuristisch. Die Grundsprache des Spieles ist Englisch – natürlich sind alle Bildschirmtexte und Untertitel aber auf Deutsch. Zusätzlich können wir die Sprachausgabe von Englisch auf Japanisch umstellen, sozusagen der O-Ton des Spieles. Wer die Story verfolgen möchte, sollte dies vielleicht auch tun, denn die englischen Sprecher wirken in den meisten Passagen etwas übertrieben.

Gehen wir noch einmal auf die Frage vom Anfang ein: Treasure versprach ein Spiel voller Action, gigantische Gegnerschlachten, alles verpackt in eine ansehnliche Grafik und das noch bei einer konstanten Framerate bei 60fps. Haben sie ihr Versprechen gehalten? Ich denke die Antwort ist klar: ja! Sin and Punishment macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß und fesselt den Spieler mit atemberaubenden schlachten und tollen Ideen garantiert mehrmals an den Bildschirm, selbst bei dem harten Schwierigkeitsgrad, der dem Spiel allerdings in keinerlei Hinsicht schadet. Denn irgendwann ist auch der schwerste Gegner geknackt und die Ballerei kann weitergehen. Und eine Story... seit wann brauchen Ballerorgien eine voll ausgereifte Geschichte?


Kommentar
Als ich das Spiel gestartet habe, war ich ziemlich Skeptisch. Treasure hatte sich bei mir mit Ikaruga einen Dauerplatz in meiner Top10 gesichert, selbst wenn ich das Spiel niemals durchgespielt habe. Was war jetzt mit Sin and Punishment? Perfekt kann ich nur sagen, was man hier abgeliefert hat ist mehr als ein normaler Shooter, es ist der Beweis, dass die Wii und Nintendo zu mehr fähig sind als Golfsimulationen, Mariogalaxien und Spielesammlungen. Gut, die Story war dürftig und langweilig, aber als mir das erste mal die Augen von der Masse an blitzenden Geschossen auf dem Bildschirm weh taten, war bei mir sofort das Gefühl wieder da, dass ich beim Spielen hatte, bevor sich langweilige, spielbare Grafikdemos in der Spielebranche eingenistet haben. Danke, Treasure und Nintendo!


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Entwickler Treasure
Publisher Nintendo
USK-Freigabe ab 12