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Might & Magic: Clash of Heroes
verfasst von Sascha Geldermann

Die fünf größten Helden des „Heroes of Might and Magic“-Universums versammeln sich erstmals auf dem Nintendo DS: „Clash of Heroes“ wirft einen Blick auf die Jugend von Anwen, Godric, Fiona, Aidan und Nadia. Von dem bunten Manga-Stil dürft ihr euch dabei nicht täuschen lassen – darunter steckt nämlich ein anspruchsvolles Puzzle-Rollenspiel mit einer düsteren Geschichte.


Große Verantwortung für junge Helden

Der Einstieg erinnert ein bisschen an „Der Herr der Ringe“. In der Welt von Ashan beschützt ein Bündnis aus Elfen, Rittern und Zauberern mit der Klinge des Bindens ein mächtiges Artefakt, das nicht in falsche Hände geraten darf. Der Besitzer dieser Klinge erlangt nämlich die Kontrolle über die Dämonen der Parallelwelt Sheogh, was unweigerlich zu einem Krieg führen würde. Es gab immer Machtgierige, die dieses Artefakt an sich reißen wollten. Doch jeder Angriff konnte von dem Bündnis abgewehrt werden – bis zu dem verhängnisvollen Tag, mit dem „Clash of Heroes“ beginnt. Eine unbekannte Macht bringt die Klinge in ihren Besitz und löscht das Bündnis aus. Nur die fünf Kinder der Beschützer überleben den Angriff: Anwen, Godric, Fiona, Aidan und Nadia.

Durch ein Portal zu den verschiedensten Orten von Ashan geschleudert, durchstreifen die fünf jungen Helden einsam und verwaist die Welt. Ihnen allen ist bewusst, dass sie nun die Bürde ihrer Eltern übernehmen und die Klinge zurückbringen müssen. So erlebt ihr die Kampagne aus fünf Blickwinkeln, die an unterschiedlichen Orten von Ashan spielen. Ihr reist mit der Elfin Anwen durch Wälder, verteidigt als Godric das Greifenimperium und werdet in die Silberstädte der Wüste genauso verschlagen wie in die dunklen Einöden von Heresh. Die Schauplätze sind genauso verschieden wie die Helden. Doch überall erwartet euch Leid, Tod und viele Kämpfe gegen Dämonen.

Richtig frei dürft ihr euch bei „Clash of Heroes“ nicht bewegen. Stattdessen zieht ihr von Wegpunkt zu Wegpunkt, die in diesem Spiel als Knoten bezeichnet werden. Richtig linear fühlt sich dieses Rollenspiel aber nicht an, da es meistens mehrere Wege gibt und ihr viele Entscheidungen selbst treffen dürft. Außerdem warten neben der Hauptgeschichte auch viele Nebenaufgaben auf euch, die ihr freiwillig auf euch nehmen könnt. Was euch an einem Knoten erwartet, zeigen Symbole meistens schon von Weitem. Eine Sprechblase deutet auf ein Gespräch hin, Schwerter natürlich auf Kämpfe und wenn über den Schwertern auch noch ein Totenkopf schwebt, dann sollet ihr euch auf einen besonders harten Bosskampf vorbereiten.

Kämpfe mit Köpfchen

„Clash of Heroes“ ist ein Puzzle-Rollenspiel. Trefft ihr auf einen Gegner, werdet ihr zu einem Schlachtfeld geschleudert, auf dem Geschicklichkeit über den Sieg entscheidet. Auf dem oberen Bildschirm seht ihr die Truppen des Gegners, auf dem unteren eure eigenen. Beide Armeen sind in Spalten angeordnet. Ihr müsst auf die Farben eurer Einheiten achten, denn es dreht sich alles darum, gleichfarbige Kämpfer in Spalten und Reihen zu bringen. Positioniert ihr drei gleichfarbige Recken in einer Spalte übereinander, dann laden sie sich zu einem Angriff auf, den sie in der nächsten Runde in Richtung der gegnerischen Hälfte schleudern. Der Angriff verletzt oder tötet dann die feindlichen Truppen in der gegenüberliegenden Spalte und mit ein bisschen Glück auch noch ihren Feldherren, der sich immer hinter seinen Truppen versteckt. Ordnet ihr dagegen drei gleichfarbige Einheiten nebeneinander an, verwandeln sich diese in einen Schutzwall, der die Angriffe des Feindes abblockt.

Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei ihr und euer Gegner in jeder Runde eine bestimmte Anzahl an Zügen ausführen dürft. Ihr habt grundlegend zwei Möglichkeiten, um Einheiten in eine Spalte oder Reihe zu bringen. Zum einen könnt ihr die unterste Einheit einer Spalte aufnehmen und an das Ende einer anderen Spalte setzen. Ihr könnt aber auch Einheiten einfach vom Feld nehmen, damit gleichfarbige Truppen zusammenrücken. Eure Befehle gebt ihr dabei entweder über den Touchscreen oder mit den Knöpfen. Die Stylus-Steuerung ist manchmal etwas unbequem, die Bedienung über die Knöpfe geht aber sehr leicht von der Hand.

Die Kämpfe gewinnen schnell an Anspruch und werden immer fordernder. Ihr müsst euch genau überlegen, wofür ihr eure Züge einsetzt. Eine gute Defensive durch Wälle ist genauso wichtig wie das Vorbereiten von schlagkräftigen Angriffen. Es gibt viele kleine Details, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Dazu gehört die Möglichkeit, gleich mehrere gleichfarbige Spalten zu bilden, um die Angriffe jeder Dreierformation zu verstärken. Außerdem gibt es noch Elite- und Meistereinheiten, die nicht nur besonders stark sind, sondern auch noch besondere Fähigkeiten mitbringen. Die Hirsche der Elfen-Kriegerin Anwen überspringen beispielsweise gekonnt die gegnerischen Wälle, um den Feind ungebremst anzugreifen. Zu guter Letzt spielen auch noch Zauber eine Rolle, die sich während der Kämpfe aufladen und mit denen ihr euren Gegnern Blitze oder Feuerbälle entgegen schleudert.

Das Spielprinzip ist trotz vieler Möglichkeiten sehr einfach zu erlernen und macht binnen Minuten süchtig. Der knackige Schwierigkeitsgrad fordert in den Kämpfen immer viel Geschick von euch, was auch den Reiz dieses Puzzle-Rollenspiels ausmacht. Ohne eine richtige Strategie kommt ihr hier nicht weit, zumal es nicht immer nur darum geht, den Feind zu besiegen. Manchmal müsst ihr auch ganz bestimmte Einheiten des Gegners treffen oder eine Person beschützen. Während die Aufgaben immer schwerer werden, gewinnt ihr immer mehr an Kraft. Ihr rekrutiert immer bessere Einheiten und werdet auch als Held immer stärker. Schließlich gewinnt ihr in den Kämpfen Erfahrungspunkte, mit denen dann euer Held und dessen Einheiten in ihrem Level aufsteigen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass sich die Erfahrungspunkte nicht selbst verteilen lassen. Bei einem Levelaufstieg steigen Lebensenergie, Wallwiderstand und Truppenstärke ganz automatisch an.

Hervorragend serviertes Puzzle-Rollenspiel

Die Reise der fünf Helden dauert insgesamt rund 30 Stunden. Wenn ihr euch in die Nebenaufgaben stürzt, dürft ihr sogar noch einmal zehn oben drauf packen. Damit beschäftigt schon die Kampagne sehr lange. Dazu gibt es dann noch Einzelkämpfe gegen den Computer und einen Mehrspieler-Modus, der zwei Freunde auf das Schlachtfeld schickt. Der Multiplayer-Part bereichert das Spiel sehr, da die Puzzle-Kämpfe gegen einen menschlichen Gegner gleich noch mehr Spaß machen. Leider sind die Entwickler nicht noch einen Schritt weiter gegangen: Einen Online-Modus gibt es nicht.

Nicht nur mit seinem süchtig machenden Gameplay kann „Clash of Heroes“ punkten, auch die Präsentation überzeugt. Die Geschichte voller Wendungen und Intrigen wird in wirklich gut geschrieben Dialogen vorangetrieben. Dabei erlebt jeder Held sein eigenes Abenteuer, das von den Eigenschaften der jeweiligen Figur geprägt ist. So zieht Arwen mit ihren Elfenkriegern durch den Wald, während Fiona über Untote gebietet. Dabei haben die Entwickler selbst auf kleinste Details geachtet. Ein nettes Beispiel dafür ist die Gestaltung der Wälle: Während Waldfiguren sich in Ranken verwandeln, bilden Skelettkrieger eine Wand aus Knochen. Ihr habt nie das Gefühl, dass die Helden austauschbar wären. Ihre Charakterzüge werden stets berücksichtigt, wobei sich aus den fünf verschiedenen Perspektiven eine spannende Story zusammensetzt.

Dank der Liebe zum Detail bietet dieser „Might and Magic“-Ableger eine wundervolle 2D-Grafik. Eine farbenfrohe Gestaltung, ein detailliertes Figurendesign und flüssige Animationen lassen keine Wünsche offen. Passend zur hübschen Grafik trägt auch die zauberhafte Hintergrundmusik zur Fantasy-Atmosphäre bei. Schade ist nur, dass es keine Sprachausgabe gibt. Das ist aber der einige Kritikpunkt, den es bei der Präsentation zu bemängeln gibt. Insgesamt haben sich die Entwickler sehr viel Mühe gegeben, damit sich diese große Serie bei ihrem Nintendo-DS Debut von ihrer besten Seite zeigt.


Kommentar
Ich hatte bei der Ankündigung dieses „Might and Magic“-Ablegers eine Lizenz-Ausschlachtung befürchtet – und wurde eines Besseren belehrt. Unter der Manga-Hülle von „Clash of Heroes“ stecken eine spannende Story und packende Kämpfe. Die Puzzle-Gefechte basieren auf einem einfachen Prinzip, haben mich mit ihren vielen Facetten und ihrem hohen Anspruch aber oft ins Schwitzen gebracht. Es hat keine drei Kämpfe gedauert, da war ich schon süchtig nach dieser perfekten Symbiose aus Puzzle- und Rollenspiel, die mich ganze Nächte gefesselt hat.


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Entwickler Capybara
Publisher Ubisoft
USK-Freigabe ab 6 Jahren