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Academy of Champions: Fußball
verfasst von Sascha Geldermann

Hogwarts war gestern. Das Schlossgebäude der Fußballakademie sieht der Harry Potter-Schule zwar sehr ähnlich, doch gezaubert wird hier höchstens mit dem Ball. Geleitet wir die Einrichtung auch nicht von einem mächtigen Magier, sondern von einer wahren Sportlegende: Pelé höchstpersönlich nimmt euch an die Hand und führt euch durch ein arcadelastiges Fußball-Rollenspiel.


Ein Fußball-Rollenspiel

In der Realität kann der ehemalige brasilianische Fußballspieler Pelé auf fast siebzig Lebensjahre zurückblicken, in denen er so große Erfolge feierte, dass die FIFA ihn zum Weltfußballer des vergangenen Jahrhunderts erklärte. Bei „Academy of Champions“ empfängt euch sein junges Comic-Abbild in der Lichtenfeld-Akademie. Als junger Sportler sollt ihr hier eure Fähigkeiten in vielen Trainingseinheiten verbessern, Kontakte zu anderen Spielen knüpfen und natürlich Punkte auf dem Platz sammeln. Der Abenteuer-Modus führt euch durch mehrere Semester, in denen auch eine nette Hintergrundgeschichte eingeflochten wurde. Hierbei hat der fiese Direktor der konkurrierenden Knochenmoor-Akademie seine Finger im Spiel. Ein Leben in der Fußball-Akademie bietet also durchaus Spannung.

Der Abenteuer-Modus wird euch eine ganze Weile beschäftigen. Jedes Semester besteht aus einer Reihe von Tagen an denen Übungen, Gespräche und natürlich Spiele auf dem Programm stehen. Bei den Trainingseinheiten übt ihr am allerersten Tag die grundlegende Steuerung, um dann später Torschüsse, Defensivarbeit und Ballkontrolle intensiv zu vertiefen. Das Wissen könnt ihr dann bei Fußballspielen gegen andere Übungsgruppen einsetzen. An besonderen Tagen im Semester stehen sogar Entscheidungsspiele auf dem Programm, die ihr unbedingt gewinnen solltet. Für alle Leistungen erhaltet ihr Talentpunkte, durch die „Academy of Champions“ dann auch zum Fußball-Rollenspiel wird. Mit den Talentpunkten lassen sich nämlich Schusskraft, Tempo, Technik und Kraft eurer Figuren aufwerten, womit sie im Verlauf ihrer Ausbildung wirklich spürbare Fortschritte machen.

In Dialogen mit euren Mitschülern wird die Geschichte vorangetrieben. So lernt ihr auch immer wieder neue Personen kennen, die ihr für eure Mannschaft anwerben könnt. Es stehen zwar nie mehr als fünf Spieler auf dem Platz, es ist aber empfehlenswert auch eine ordentliche Auswahl auf der Ersatzbank zu haben. So könnt ihr eure Mannschaft nach Bedarf nämlich immer wieder neu aufstellen und euch so an euren Gegner anpassen. Die einzelnen Spieler unterscheiden sich nicht nur anhand ihrer Werte und ihrer Position, sie bringen auch individuelle Spezialtalente mit sich, die ihr teilweise aber auch erst freischalten müsst. Bei diesen Talenten handelt es sich um spezielle Fähigkeiten. Dazu zählt im offensiven Bereich unter anderem ein Drehschuss, der den gegnerischen Torwart verwirren kann und euch damit leichte Tore beschert.

Gameplay-Fouls auf dem Fußballplatz

Auf dem Feld bietet „Academy of Champions“ den puren Arcade-Kick, der mit realistischem Fußball nichts gemein hat. So stehen nicht elf, sondern lediglich fünf Mann pro Mannschaft auf dem Rasen. Ungewöhnlich ist außerdem, dass sich die Plätze durch das Schießen von Toren sogar verändern. Das Spiel ist eben auf unkomplizierte Fußballaction ausgelegt, die sehr zugänglich ist. Regeln gibt es nicht viele. Es gewinnt eben die Mannschaft, die den Ball öfters im gegnerischen Tor versenken kann. Tore kommen übrigens oft durch die Talentschüsse zustande, sodass das Runde selten einfach ins Eckige rollt, sondern mit Drehschüssen und effektreichen Kicks dort rein geballert wird.

Nicht nur das Regelwerk ist sehr zugänglich. Wie es bei Arcade-Sport sein sollte, ist auch die Steuerung schnell verinnerlicht. Ein Knopf ist zum Schießen da, ein anderer zum Passen. Talentschüsse gebt ihr durch Schütteln der Remote ab. Eine besondere Rolle spielt der Z-Knopf, mit dem ihr sprintet oder gegnerischen Spielern ausweichen könnt. Das Interessante daran ist, dass Sprinten und Ausweichen zum einen sehr effektive Aktionen sind, sich zum anderen aber nur unter dem Einsatz von Talentenergie einsetzen lassen. Und diese Energie müsst ihr euch durch das Schießen von Toren, gewonnene Zweikämpfe und gute Passkombinationen erst einmal hart verdienen. Wenn ihr euch die Talentenergie einteilen müsst, kommt sogar ein Hauch Taktik ins Spiel. Komplexe strategische Einstellungen dürft ihr aber nicht erwarten. „Academy of Champions“ setzt schließlich auf zugänglichen Fußball und bietet keinen taktischen Tiefgang.

Während sich der Abenteuer-Modus mit seinen Rollenspiel-Elementen insgesamt stark präsentiert, leistet sich das Spiel auf dem Fußballplatz selbst so einige Fehler. So leidet die Übersicht darunter, dass die Kamera das Feld nie ganz zeigt, sondern dem aktiven Spieler folgt. Außerdem hat die KI immer wieder Aussetzer, sodass eure Teamkollegen euch nicht selten vor dem Tor ziemlich allein lassen oder bei der Verteidigung des eigenen Strafraums schlafen. Das größte Problem der Fußballspiele ist aber, dass sie viel zu undynamisch ablaufen. Das liegt schon allein daran, dass Sprinten nur möglich ist, wenn ihr nicht im Ballbesitzt seid und ihr dann auch noch Talentenergie haben müsst. Meistens bewegt ihr euch also ziemlich langsam über den Platz. Und dann wird das Geschehen bei Zweikämpfen auch noch durch ein Minispiel unterbrochen, bei dem eingeblendete Tasten gedrückt werden müssen. Damit wird der Spielfluss komplett unterbrochen, zumal solche Zweikampfminispiele oft gefordert werden.

Schnelle Tore gibt es schon alleine deswegen nicht, weil ihr bei einem Torschuss mit dem Analog-Stick zielt. Da ihr mit diesem aber gleichzeitig auch die Spielfigur steuert, müsst ihr vor dem Tor immer ein bisschen auf- und abrennen, bis ihr die Zielvorrichtung richtig justiert habt. Warum das Zielen bei den Torschüssen nicht einfach und bequem über die Pointerfunktion der Wii-Remote abläuft, wird wohl immer ein Geheimnis der Entwickler bleiben. Durch das langsame Tempo der Spieler, die häufigen Unterbrechungen und die etwas umständlichen Torschüsse wird dem Gameplay auf jeden Fall viel von seiner Dynamik genommen. Die Fußballspiele machen zwar immer noch Spaß, fühlen sich aber oft zu ungelenk an. Die Schüler einer Fußballakademie sollten eigentlich eine bessere Show liefern können.

Prominente Videospiel-Kicker

Der Abenteuer-Modus des Spiels beschäftigt eine ganze Weile und macht Spaß. Abseits davon gibt es auch noch einen Mehrspieler-Modus, in dem sich aber leider nur zwei Spieler messen dürfen. Auf Online-Funktionen wurde sogar ganz verzichtet. Dafür lassen sich aber Extras erspielen, darunter viele Ubisoft-Figuren als Gastspieler –Sam Fisher, der Prince of Persia und die Rabbids spielen hier alle mit. Außerdem sammeln sich auch immer mehr Minispiele an, in denen ihr auf Punktejagd gehen könnt. Unter anderem jongliert ihr in einem der Spiele auch Bälle durch Körpereinsatz auf dem Balance Board.

Das Balljonglieren steuert sich sehr gut, leider wird das Balance Board aber wirklich nur hier unterstützt. Ansonsten steuert ihr entweder mit Wii-Remote und Nunchuk oder nur mit seitlich gehaltender Remote. Letzteres wird zwar „bequeme Steuerung“ genannt, fühlt sich aber etwas unhandlicher an als die Kombo mit dem Nunchuk. Sogar Wii MotionPlus wird unterstützt. Habt ihr diese Zusatzperipherie angeschlossen, könnt ihr durch neigen der Remote die Höhe der Pässe steuern. Das ist nett, aber eigentlich auch überflüssig. Ohne Wii MotionPlus ist die Passhöhe nämlich einfach davon abhängig, wie lange ihr den Knopf gedrückt haltet. Das funktioniert genauso gut und fühlt sich ein ganzes Stück bequemer an.

Als Arcade-Spiel setzt „Academy of Champions“ auf einen bunten Comic-Look, der natürlich auch perfekt zum Gameplay passt. Dabei wissen vor allem die gelungenen Charaktermodelle zu überzeugen, aber auch das Design der Schauplätze kann sich sehen lassen. Zu genau dürft ihr aber nicht hingucken, denn dann fallen euch die matschigen Texturen und der Mangel an Details auf, die das Spiel grafisch ins Wii-Mittelmaß ziehen. Seine schlechteste Seite offenbart das Spiel in Sachen Sound. Musik ist nur sehr sporadisch vorhanden und die Soundeffekte sind im besten Fall ganz nett. Leider wurde auf eine Sprachausgabe komplett verzichtet. Da die Figuren dennoch nicht stumm bleiben sollten, wurden die Dialoge mit komischen Gebrabbel unterlegt, das sich einfach nur schrecklich anhört und euch schnell nerven wird. Es ist ja bekannt, dass die wenigsten Profifußballer große Redner sind, doch das geht wirklich zu weit. Hier wäre weniger dann doch mehr gewesen.

Kommentar
„Academy of Champions: Fußball“ hat mich überraschend lange beschäftigt. Die eigentlichen Fußballspiele kranken zwar an vielen kleinen Problemen, dafür hat mir der Abenteuer-Modus aber ausgezeichnet gefallen. Es macht einfach Spaß an der Lichtenfeld-Akademie zu trainieren, neue Mitspieler anzuwerben und vor allem die Fähigkeiten der Spieler zu verbessern. Dieser Arcade-Fußball zeigt vorbildlich, wie Sportspiele von Rollenspiel-Elementen profitieren können.


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Entwickler Ubisoft
Publisher Ubisoft
USK-Freigabe ab 0 Jahren