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Geheimakte Tunguska
verfasst von Heiko Ellinger

Eine Zeitreise in die Vergangenheit: Am 30. Juni 1908 wird die Tunguska-Region in Zentralsibirien von einer Katastrophe heimgesucht, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist. Durch eine gewaltige Explosion wird eine riesige Fläche verwüstet, Augenzeugen wollen ein längliches Objekt herabfallen gesehen haben. Über die Jahre wurden zahlreiche Thesen aufgestellt, die die Katastrophe erklären sollen. Dabei sind natürlich auch die üblich genannten: Kometenabsturz und UFO-Aktivitäten, doch durchgehend logische Schlussfolgerungen gibt es für keine Erklärung und somit ist das Rätsel auch etwa 100 Jahre später noch nicht gelöst. In „Geheimakte Tunguska“, entwickelt von den erfahrenen Entwicklern von keen games aus Frankfurt (Anno 1701 DS), befassen wir uns mit den Ereignissen der damaligen Zeit, erleben aber eine Geschichte aus der Neuzeit.


Das Verschwinden eines alten Mannes

An einem gewöhnlichen Tag macht sich Nina Kalenkow wie schon oft auf, um ihren Vater im Museum zu besuchen. Als sie sein Büro betritt, ist sie nicht nur überrascht, dass er nicht anwesend ist, der ganze Raum ist dazu stark verwüstet. Sofort beschleicht Nina ein ungutes Gefühl, dass hier etwas nicht stimmen kann. Da sich die Polizei aber ungewöhnlich stark zurückhält, muss die junge Frau nun auf eigene Faust nach Hinweisen suchen, um das mysteriöse Verschwinden aufzuklären. Immerhin wird sie dabei von Max Gruber, einem Museumskollegen ihres Vaters, unterstützt. Gemeinsam finden sie heraus, dass Wladimir Kalenkow an einer Expedition teilnahm, die ihn auch in die Tunguska-Region führte. Schnell wird klar, dass hier ein direkter Zusammenhang zwischen der Vergangenheit und der Geschichte in der Gegenwart besteht. Ungeachtet der Gefahr reisen die Beiden in die entlegensten Winkel der Erde, finden sich aber im Wettlauf um Informationen schon bald nicht mehr alleine wieder.


Genauer möchten wir auf die Story natürlich nicht eingehen. „Geheimakte Tunguska“ ist ein typisches Adventure, dass bereits vor einiger Zeit für den PC erschien. Neben zahlreichen Gesprächen, die die Hintergründe der Geschichte nach und nach zusammenfügen, müssen natürlich Genre-typisch Rätsel gelöst und dafür Gegenstände kombiniert werden. Für den PC ist übrigens bereits ein Nachfolger angekündigt, der es bei entsprechendem Erfolg des Erstlings sicherlich auch auf Wii schaffen wird. Vorrangige Aufgabe der Entwickler von keen games war es also zunächst, das bestehende Konzept auf Wii umzusetzen.

Die Wii-Fernbedienung, teilweise bereits als rein Minispiel-tauglich abgeschrieben, zeigt in Adventures, wie wertvoll sie sein kann. Flink kann der Cursor über den Bildschirm bewegt werden. So geht das sonst nur mit der Maus, Gamepad-Steuerung ist bei dieser Möglichkeit unvorstellbar. Um die anspruchsvollen Rätsel dabei etwas einsteigerfreundlicher zu machen, wurden diverse Hilfen eingebaut, die erfahrene Abenteurer aber auch nicht in Anspruch nehmen müssen. Dazu später mehr.

Eine kleine Reise durch die Welt

Wie bereits erwähnt, erkunden wir mit Nina und Max entlegene Winkel unserer Erde. Den Anfang machen wir allerdings in der deutschen Hauptstadt, Berlin. Im Museum dürfen wir uns zum ersten Mal im Büro von Ninas Vater frei bewegen und die ersten Gegenstände aufnehmen. In einem Inventar wird dabei alles gesammelt und für den späteren Gebrauch verwahrt. Die ersten Rätsel bringen Euch dabei noch nicht ins Schwitzen. Aus einem Nebenbüro hören wir laute Musik. Die Tür ist von innen verriegelt und unser Klopfen hört der Freund dröhnender Akustik auch nicht. In einem anderen Bereich des Museums finden wir aber einen Schlüssel des Hausmeisters und können so den Sicherungskasten öffnen. Unterwegs lesen wir flugs einen Zettel, auf dem die Büronummern den Mitarbeitern zugeordnet sind. So wissen wir schließlich genau, welche Sicherung umgelegt werden muss, um dem lauten Vergnügen ein Ende zu machen. So erhalten wir Zugang zum Büro und lernen schließlich Max Gruber kennen, der uns wie erwähnt von hier an unterstützen wird.

Spätere Rätsel erfordern nicht nur eine genaue Durchsuchung der Örtlichkeiten, sondern auch Einfallsreichtum beim Kombinieren von Gegenständen. Um an die Fotokamera eines kleinen Mädchens zu kommen, sollen wir zunächst ihren defekten Fahrradreifen reparieren. Nur so viel: Ein Gummihandschuh, Klebstoff, eine Luftpumpe und ein Wassereimer spielen in diesem Rätsel eine große Rolle. Leider geht es nicht immer so annähernd logisch zu. So arten einige Rätsel in reines Durchprobieren aller verfügbaren Gegenstände aus. Hat man die Lösung, wird diese einem auch dann nicht immer einleuchten.


Im Spielverlauf übernehmt Ihr dann auch Max und könnt mit ihm aktiv Rätsel lösen. Das Spielgeschehen unterscheidet sich dabei nicht, wohl aber, wenn Ihr in seltenen Passagen beide Protagonisten steuert. Über das Inventar könnt Ihr dabei jederzeit zwischen den Helden durchschalten. An vorgegebenen Stellen können außerdem Gegenstände ausgetauscht werden. So löst Ihr dann gemeinschaftliche Rätsel und schreitet im Spiel voran.

Kommt Ihr im Spiel einmal nicht selbst weiter, könnt Ihr Euch hier und da eine kleine Hilfe vom Spiel anzeigen lassen. Über das Tagebuch gibt es so vielleicht den entscheidenen Tipp, wie es im Spiel weitergehen kann. Dabei wird nie plump auf des Rätsels Lösung eingegangen, sondern mit einem cleveren Hinweis der passende Denkanstoss gegeben.

Ruhig und hübsch in Szene gesetzt

Genre-typisch besteht das grafische Gerüst aus vorgerenderten Hintergründen und dazu 3D-Modellen der Charaktere. Ein zweischneidiges Schwert, denn mit den tollen Hintergrundgrafiken, die die Atmosphäre des Spiels perfekt untermalen, können die hüftsteifen und wenig dramatischen Animationen der Charaktere nie mithalten. In Zwischensequenzen wird die Story etwas dynamischer weiter erzählt, allerdings wären hier und da spannende Szenen in Spielgrafik sicherlich passend gewesen.

Passend, wenn auch fast nicht vorhanden, ist die Sounduntermalung. Professionelle Synchronsprecher sorgen für das richtige Abenteuer-Feeling, ansonsten schlägt das Spiel aber sehr ruhige Töne an. Musikstücke gibt es nur wenige, stattdessen wird das Geschehen mit Soundeffekten unterstützt.


Im Spiel könnt Ihr jederzeit am aktuellen Standort speichern. So könnt Ihr, wenn Ihr bei einem Rätsel nicht weiterkommt, auch eine selbst verordnete Denkpause problemlos in Anspruch nehmen. In guten zehn Stunden sollte man das Abenteuer allerdings beendet haben, Adventure-Profis sehen den Abspann durchaus noch früher. Anzumerken ist dabei aber: Die Spielzeit entsteht nicht durch lange Leerlauf-Passagen, sondern durch den reinen Content des Titels.

Die Steuerung per Wii-Fernbedienung funktioniert tadellos. Optional könnt Ihr Eure Charaktere aber auch mit dem Nunchuk durch die Landschaften steuern. Sehr praktisch: Auf Knopfdruck können alle benutzbaren Gegenstände eines Bildschirms eingeblendet werden. So verpasst Ihr im detailverliebten Hintergrund keine wichtigen Bausteine für das Vorankommen im Spiel. Leider wurde auf spezielle Wii-Elemente bei der Umsetzung verzichtet, zumindest im Bereich der Steuerung. Denn ein 16:9 Modus ist natürlich dabei.

Kommentar
„Geheimakte Tunguska“ gehört zum Besten, was das Adventure-Lager in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Die motivierende Story, größtenteils gelungene Rätsel und eine tolle Synchronisation wiegen kleinere Schwächen locker auf. Für Freunde gepflegter Rätselkost ist der Titel ein echtes Highlight. Darf man nicht verpassen.


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Entwickler keen games
Publisher Deep Silver
USK-Freigabe ab 6 Jahren