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Buchkritik: Der Spielemacher
Artikel verfasst von Heiko Ellinger am 21.02.2010

Die Videospielbranche gilt als das Wunderkind der modernen Arbeitswelt. Wo sonst können die Menschen ihre eigenen Träume verwirklichen? Wo zählt noch so viel Romantik in der Arbeit, dass sich eine Verschiebung eines Spiels einzig und allein dadurch rechtfertigt, dass der Gameplay-Designer noch zwei Features einbauen möchte?

Doch sind es überhaupt alleine Kreativität und Wunschträume, die ein Überleben im Business möglich machen? Oder gehört mehr dazu, ein fertiges Spiel in den Handel zu bekommen als die große Idee, die es noch nicht gab? Johannes Ulbricht liefert mit dem Roman „Der Spielemacher“ aus dem CSW Verlag eine fiktive Antwort auf die gestellten Fragen und nimmt der wundervollen Videospielwelt ein wenig ihren Glanz.

Zum Inhalt: „Stephans Leben als Produzent von Videospielen ist geprägt vom hohen Arbeitsdruck und künstlerischen Visionen, die vom Alltag schnell entzaubert werden. Naive Träume scheitern an der rauen wirtschaftlichen Realität. Das Erleben von Verrat und Korruptionen ist an der Tagesordnung. Er feiert große Erfolge in den 90ern, muss aber auch Niederlagen wegstecken. Ein unbeschreibliches Gefühl steigt in ihm auf, wenn es ein Spiel bis ins Regal der Elektronikmärkte geschafft hat.

Aber der Preis dafür ist hoch. Die vielen Jahre in der Branche haben körperlich wie seelisch Spuren hinterlassen. Ein folgenschwerer Fehler ändert alles und führt ihn nach Indien. Während eines Fluges von Neu Delhi nach München lässt Stephan sein Leben Revue passieren.“

Der Roman umspannt Stephans Jugendzeit, geprägt vom Traum des eigenen Videospiels, und seine fortlaufende Arbeit in der Gamesbranche. Aus der Ich-Perspektive erzählt Ulbricht das aktuelle Geschehen um Stephans Rückflug nach Deutschland. Zahlreiche Rückblenden mit einem erzählerischen Ich führen dagegen einzelne Erlebnisse von Stephans Vergangenheit auf – vom großen Traum über die erste Firma bis zu Erfolg und Misserfolg.

Mit einem lyrischen Meisterwerk haben wir es bei „Der Spielemacher“ sicher nicht zu tun. Im Gegenteil: Neben der einfachen, aber zweckmäßigen Sprache, haben sich einige Tippfehler in die finale Fassung geschlichen. Leicht lässt sich auf Grund der Thematik die Verbindung zu Bugs in Videospielen ziehen. Auf Grund zahlreicher eigener Erfahrungen kann Ulbricht aber im ersten Drittel des Spiels vor allem alte Hasen der Szene begeistern, in dem er mehrere Spieleklassiker aufgreift.

Die weitere Geschichte wirkt keinesfalls abgehoben, ist aber dennoch mit Vorsicht zu genießen. Die Branche ist hart umkämpft, bis zur Veröffentlichung eines Spiels ist Ellbogeneinsatz gefragt und nicht immer ist die Idee des Lebens auch die Idee für ein kommerziell erfolgreiches Spiel. Andererseits wird das Leben der Entwickler aber natürlich auch nicht nur durch Intrigen bestimmt.

„Der Spielemacher“ liefert also einen interessanten Einblick und vor allem für verträumte Spielefans einen Denkanstoß, dass es schlussendlich bei jeder guten Idee und bei jedem Spielehit vor allem um eines geht: Profit.

Spielefans, die einmal über den Tellerrand schauen wollten, finden mit „Der Spielemacher“ die passende Lektüre. Die ordentliche Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen liefert einen Einblick, wie unromantisch auch die Gamesbranche zuweilen sein kann.


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